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Privates Kapital für nachhaltige Entwicklungsziele

Wie sich die Sustainable Development Goals (SDGs) in die Vermögensanlage von Stiftungen integrieren lassen

Alle sind sich einig. Wenn wir diesen Planeten für künftige Generationen bewahren wollen, ist ein grundlegender Wandel erforderlich. 2015 einigten sich die Vereinten Nationen auf 17 globale Entwicklungsziele, die bis 2030 erreicht werden müssen, um eine nachhaltig funktionierende Welt zu gestalten: die Sustainable Development Goals (oder „SDGs“). Die 17 SDGs zusammen mit ihren 169 Unterzielen stellen eine ambitionierte Agenda dar, zu deren Zielen u.a. die Beseitigung von Armut, die Verbesserung von Ausbildung und Gesundheit bis zur Bekämpfung des Klimawandels und dem Schutz der Ozeane und Ökosysteme zählen. Die Frage die sich stellt ist, ob auch Stiftungen über ihre Kapitalanlage zur Umsetzung der SDGs beitragen können. Von Frank Ackermann, SDG Investments GmbH

Die Finanzierung der Maßnahmen, die zur Erreichung dieser Ziele erforderlich sind, kann nicht allein aus öffentlichen Mitteln, Spenden oder Programmen internationaler Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit stammen. Privates Kapital muss in riesigem Ausmaß in Projekte fließen, die zur Erreichung dieser globalen Nachhaltigkeitsziele beitragen. Große Kapitalsammelstellen wie Versicherungen, Versorgungswerke, Nachhaltigkeitsbanken und Klimaschutzfonds richten vermehrt ihre Anlagestrategie nach den SDGs aus. Stiftungen, die mit ihren Projekten selbst Ziele einer nachhaltigen Entwicklung verfolgen, können im Rahmen ihrer Kapitalallokation ebenfalls zur Umsetzung der SDGs beitragen.

Wenngleich hier drei zentrale Punkte aus Stiftungssicht zu klären sind:

  1. Zu welchen SDGs passen Wesen und Zweck der Stiftung?
  2. Inwiefern ist in der Anlagerichtlinie ein Prozess hinterlegt, der Auswahl, Veräußerung sowie Kontrolle des SDG-konformen Investments regelt?
  3. Wie finde ich SDG-konforme Investments?

Gibt es für Stiftungen bereits investierbare Projekte, die sich klar an den SDGs ausrichten?

Die gute Nachricht ist, dass es kaum ein Unternehmen oder Projekt gibt, das nicht das Potenzial hat, eine positive Auswirkung auf zumindest ein Ziel der 17 SDGs zu entfalten. Viele Unternehmen wissen das zunächst nicht und sind überrascht, welche konkreten Auswirkungen ihre Aktivitäten auf die SDGs haben. Und hierin liegt die große Chance der SDGs. Es ist nicht erforderlich, auf Unternehmensebene etwas von Grund auf Neues zu schaffen. Oftmals genügt es, wenn bei Unternehmensentscheidungen der Aspekt Nachhaltigkeit mit einfließt. Häufig fehlt jedoch ein investierbares Finanzinstrument, das sich an den SDGs ausrichtet. Diese Lücke können spezialisierte Finanzdienstleistungsunternehmen als verlängerte Werkbank von Unternehmen bzw. Projektinitiatoren schließen. So wurde im November 2017 eine erste sehr große Unternehmensanleihe für nachhaltige Entwicklung über 1 Mrd. US-Dollar von der britischen Geschäftsbank HSBC herausgegeben. Diese mehrfach überzeichnete Anleihe finanziert Projekte weltweit, die auf 7 ausgewählte SDGs einzahlen.

Im deutschsprachigen Raum strukturiert und platziert beispielsweise das Finanzdienstleistungsunternehmen AHP Capital Management besicherte Anleihen für Unternehmen, deren Geschäftsaktivitäten sich klar an den SDGs ausrichten. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Anleihe der deutschen Fahrradverleihgesellschaft nextbike. Der Emissionserlös dieser Anleihe dient der Wachstumsfinanzierung und trägt zur Umsetzung der SDGs Nr. 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur), Nr. 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) und Nr. 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) bei.

Zielkonflikte im Blick

Um Finanzinstrumente investierbar zu machen, ist häufig ein Rating erforderlich. Noch sind Nachhaltigkeitsratings sehr vielfältig. Der Vermögensverwalter DWS besitzt bereits ein eigenes SDG-Ratingsystem für Emittenten von Aktien und Anleihen. Für nicht börsennotierte Unternehmen und Projekte entwickelte die Research- und Beratungsgesellschaft imug einen eigenen Bewertungsstandard (Imug Impact 360º -Standard). Dieser Standard basiert auf einer quantitativen und qualitativen Analyse des gesamtgesellschaftlichen Nutzens eines Projektes im Sinne der SDGs unter expliziter Berücksichtigung von Zielkonflikten und Risikobereichen.

Wie kann Stiftungen der Zugang zu nachhaltigen Kapitalanlagen mit Fokus auf die SDGs erleichtert werden?

Bislang fehlte institutionellen Anlegern eine systematische Erfassung von SDG relevanten Anlagekriterien wie auch Anlagemöglichkeiten. Ähnlich wie stiftungsmarktplatz.eu kann dieses Informationsdefizit über das Schaffen eines digitalen Marktplatzes gelöst werden. Im Rahmen des Weltwirtschaftsforums 2018 in Davos wurde Align17, eine SDG bezogene Philanthropie- und Investmentplattform ins Leben gerufen. Zu den Initiatoren zählen u.a. UBS, PwC, Linklaters und Delio Wealth. Einige Monate zuvor, im September 2017, wurde die unabhängige Matching-Plattform www.sdg-investments.com gegründet. Diese Plattform ermöglicht institutionellen Anlegern einschließlich Stiftungen den Zugang zu einem diversifizierten Portfolio an investierbaren und vorgeprüften SDG-Projekten wie auch fungiblen SDG-Investmentfonds. Wichtig an diesem Punkt ist, dass Stiftungen SDG-Kriterien und kaufmännische Kriterien anlegen, um die Eignung eines Produkts zu prüfen. Ein Fonds kann zum Beispiel viele SDGs abdecken, gleichzeitig aber je nach zugrundeliegendem Finanzinstrument Erträge nur teilweise ausschütten oder sogar vollständig thesaurieren. In diesem Fall müssten einige Stiftungen ihre Anlagerichtlinien anpassen. Es ist zu erwarten, dass sich zukünftig das Angebot an Stiftungsfonds, die sowohl laufende Ausschüttungen bei geringer Volatilität und eine starke Wirkung im Sinne der SDGs bieten, deutlich erweitert.

Fazit

Stiftungen richten zunehmend ihre eigenen Förderprojekte nach den SDGs aus. Auf der Kapitalanlageseite sind die SDGs bislang kein wesentlicher Orientierungsmaßstab. Digitale Matching-Plattformen können einen konkreten Beitrag leisten, dass nachhaltiges Investieren basierend auf den SDGs für Stiftungen effizienter und transparenter und bis Ende 2030 sogar ein Standard wird. An einem Prozess, SDG-konforme Investments auszuwählen und zu überwachen, kommen Stiftungen aber nicht vorbei.

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