Mit lokalen Partnern geht jede Menge

Das Tagebuch der Handicap International-Projektreise nach Nepal 2022, Tag 2

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Projektreise Nepal Tag 2
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In Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, liegt im Stadtteil Bansbari auch das Hauptquartier von Handicap International. Hauptquartier ist deshalb passend, weil von hier aus die HI-Aktivitäten für Nepal, Indien und Sri Lanka koordiniert werden. Die Programmleiterin für diese drei Länder, Pauline Nadim Ducos, hieß unsere Gruppe herzlich willkommen und gab uns einen Überblick über das, was aktuell auf der HI-Agenda ganz oben steht. Wir lernten noch einmal mehr über Nepal, aber auch, wie professionell hier gearbeitet wird. Unser Tag 2 in Nepal.

Es müssen etliche hundert Arbeitsstunden gewesen sein, die von den 60 HI-Mitarbeiterin im Hauptquartier in Kathmandu für die Organisation dieser Projektreise nach Nepal aufgewendet wurden. Die Fahrt dorthin dauerte knapp 20 Minuten. Von der Hauptstraße bogen wir rechts ab, hatten dann noch einige Meter zu Fuß bewältigen. Für den Kleinbus war die Straße schlichtweg zu eng. Das obligatorische „Drive Slow“-Schild braucht es hier nicht, unser Bus konnte hier einfach nicht fahren. Vor der Tür begrüßten uns die HI-Mitarbeiter herzlich, jeder Projektreise-Teilnehmer bekam einen bunten Schal als Willkommensgeschenk. Im Hof stehen auch einige Fahrzeuge für den In-Field-Einsatz bereit. Drinnen im HI-Büro in Nepal arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf drei Etagen, nach einem Open-Office-Konzept.

Projektreise Tag 2 Begrüßung im Office
Im Büro von Handicap International in Kathmandu wurde die Reisegruppe herzlich vom HI-Team begrüßt. Jeder Teilnehmer bekam einen bunten Schal als Willkommensgeschenk umgelegt. Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Programmleiterin Pauline Nadim Ducos stellte die Nepal Country Strategy vor

Die Programmleiterin für Nepal, Indien und Sri Lanka, Pauline Nadim Ducos, begrüßte die Projektreisegruppe mit einem „warm welcome“ und stellte uns sogleich die Nepal Country Strategy für die Jahre 2022 bis 2024 vor. Dass Pauline Nadim Ducos weiß, wovon sie spricht, wird sofort deutlich, denn sie bringt langjährige Erfahrungen aus der Arbeit in Sierra Leone mit. Übergeordnet folgen die HI-Aktivitäten der Theory of Change. Nach dieser erzeugen bestimmte Aktivitäten Ergebnisse, die etwas bewirken. Das wiederum stößt notwendige Veränderungen an. Wichtig hierbei, und das kam in den Ausführungen von Pauline Nadim Ducos deutlich heraus, ist der langfristige Horizont. Die drei zentralen Themenfelder in Nepal sind inklusive Bildung, Rehabilitation und inklusive Gesundheit sowie der Schutz vor Katastrophenrisken. Letzteres geht sehr stark zurück auf das Erdbeben im Jahr 2015. Damals bebte die Erde und der Fokus auch von Handicap International verschob sich dahingehend, Menschen besser vor solchen Katastrophen zu schützen.

Projektreise Tag 2 Vor dem Office
Die Programmleiterin von Handicap International für Nepal, Sri Lanka und Indien, Pauline Nadim Ducos (3.v.r.) mit den beiden Botschafterinnen von Handicap International, Schauspielerin Andrea Spatzek (ganz links) und TV-Moderatorin Birgit „Biggi“ Lechtermann (3.v.l.) und Thomas Schiffelmann, Leiter Marketing bei Handicap International (2.v.l.), vor dem Office der Hilfsorganisation in Kathmandu. Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Das 2015er Erdbeben hat Spuren hinterlassen

Das Thema Erdbeben beschäftigte uns auch für die Projektreise. Denn zum Begrüßungsmeeting gehörte auch eine Sicherheitseinweisung. Für Mitteleuropäer ist derlei schon etwas Neues, der Gedanke an ein Erdbeben ist für uns eben einfach ziemlich weit weg. Im Security Briefing erfahren wir, dass das letzte Erdbeben eine Stärke von 7,8 auf der Richter-Skala erreichte und schwerste Schäden anrichtete. Bei der Fahrt durchs Land sind diese immer noch zu begutachten, Schuttgruben, Risse in Wänden und unzählige neu errichtete Gebäude erzählen die Geschichte enormer Zerstörungen. Die Hinweise im Briefing an uns waren klar. Wir sollen nicht auf Treppen stehen bleiben, uns von Scheiben fernhalten, während des Bebens nach Möglichkeit unter einem Tisch oder in einem Türrahmen kauern. So man eingeklemmt wäre unter Tage, solle man nicht schreien, dies verbrauche nur Luft, Energie und Wasser. Es waren dies Hinweise, die im Fall der Fälle Leben retten können.

Projektreise Tag 2 Inside Office
An den Wänden im HI-Office in Kathmandu sind unter anderem auch solche Bilder zu finden, die eine Botschaft intensiv transportieren: Dankeschön. Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Die SDGs dienen als Leitplanken

Auf dieser Mission ist Handicap International übergeordnet natürlich unterwegs. Leben sollen geschützt und vor Schaden bewahrt werden. Wichtiger Roter Faden hierbei sind die SDGs, also die 17 Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die sich wiederum in mehr als 100 Unterziele aufgliedern. Hierbei wird auch von der Agenda 2030 gesprochen. Pauline Nadim Ducos konnte die 7 SDGs, auf die die HI-Aktivitäten vor allem einzahlen, direkt in die Projektarbeit übersetzen. Das beeindruckte insofern, als dass an diesem Punkt der Prozess dahinter deutlich wurde. Zu den SDGs wurde augenscheinlich bereits sehr detailliert reflektiert, die Nachhaltigkeitsziele stehen in festem Bezug zu den Projekten. Die Programmleiterin steuert hier auch gleich noch zwei Zahlen bei. Handicap International betreut in Nepal rund 300.000 Menschen, 62% der Mitarbeiten sind mit der Projektarbeit betraut.

Projektreise Tag 2 Im Einsatz
Viel Arbeit: Vom Büro von Handicap International in Kathmandu aus werden die Aktivitäten für die drei Länder Nepal, Indien und Sri Lanka koordiniert. Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Handicap International arbeitet viel mit lokalen Partnern

Was das wiederum heißt, lässt sich am track record der Projekte ablesen. Zunächst einmal werden 80% der Aktivitäten mit lokalen Partnern implementiert (hiervon lernen wir in den nächsten Tagen einige kennen), was eine Stärke von Handicap International ist. Die Hilfsorganisation ist eben in der Lage, dieses Netz von lokalen Partnern zu installieren und zu aktivieren. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Lernen für alle“, das Ende 2022 ausläuft. Ziel ist es hier, Frühphasen-Lernerfolge zu fördern, in mehr als 3.400 Schulen in 10 Distrikten Nepals wurden hierzu Aktivitäten lanciert. Wichtige Meilensteine waren in diesem Projekt das Erfassen von Kindern mit Behinderungen (in vielen sich entwickelnden Ländern gibt es keine Zahlen zu dieser Gruppe von Kindern) und das Capacity Building bei Lehrern. Mit Erfolg: Hunderte Kinder konnten das Programm durchlaufen.

Projektreise  Tag 2 vielfältige Themen
In Nepal werden rund 300.000 Menschen von Team von Handicap International betreut, die Projektarbeit folgt sämtlich der Theory of Change. Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Moderne Technik zieht in den Projektalltag ein

Eine immer wichtigere Rolle in der Projektarbeit spielt auch die moderne Technik. Pauline Nadim Ducos erläuterte, was sich diesbezüglich vor allem durch die Corona-Pandemie verändert hat. Die Pandemie ließ praktisch allerorten die Technik Einzug halten. Bei Lernprojekten wie etwa „Lernen für alle“ spielte eine App eine wichtig Rolle. Über diese gelangt die Bildung nicht nur in die Haushalte, sie öffnet jedem Kind auch einen individuellen Pfad zum Lernen. Derlei gab es Pre-Corona praktisch nicht. Ein anderes Beispiel ist die Telemedizin. Telehealth, wie diese Anwendung in der Praxis genannt wird, machte Rehabilitation auch während der Pandemie machbar. Therapeuten geben in Tele-Calls Therapiehinweise, sind für die Kinder da, obwohl sie nicht physisch anwesend sein können.

Zusammengefasst

Die Projektreise nahm am zweiten Tag Fahrt auf. Wir lernten im HI-Office in Kathmandu das Team um Programmleiterin Pauline Nadim Ducos kennen, bekamen einen Einblick in die Nepal Country Strategy für die Jahre 2022 bis 2024. Dass hierbei auch der Aspekt der Transparenz etwa in Form von Projektreportings sehr ausführlich beschrieben wurde, belegt die Professionalität der Arbeit. Transparenz muss hier nicht eingefordert werden, sie wird in der täglichen Projektpraxis gelebt. Ein weiterer maßgeblicher Erfolgsfaktor für die Projektarbeit sind die Kooperationen mit lokalen Partnern. Dies ist aber auch notwendig, denn – und das wird jeden Tag mehr deutlich – in Nepal gibt es trotz aller Anstrengungen auf allen Ebenen noch jede Menge zu tun. Die Motivation hierfür ist aber groß, Pauline Nadim Ducos brachte es auf den Punkt, als sie eingangs gefragt wurde, was an Nepal so besonders sei: There, it is a pleasure to work!

An Tag 3 begibt sich die Reisegruppe auf den Weg durch Kathmandu nach Bhaktapur in ein Bildungsprojekt. Wir lernen hier Menschen kennen, die Door-to-Door-Bildung organisieren und die über ihre Schwierigkeiten dabei berichten.