Beispiele für gelebte Inklusion

Das Tagebuch der Handicap International-Projektreise nach Nepal 2022, Tag 3

156
Projektreise Nepal Tag 3
Lesezeit: 6 Minuten

Auf unserer Projektreise mit Handicap International ging es weiter nach Bhaktapur. Dieser mit Kathmandu verwachsene Vorort steht auf Flächen, die vor 6 Jahren noch gänzlich unbebaut waren und auf denen Reis angebaut wurde. Hier ist also jede Menge passiert, was sich auch für die Projektarbeit für Kinder mit Behinderung sagen lässt. Aufgabe Nummer 1 hierbei ist, Kinder mit Behinderung zu finden und zu kategorisieren. Genau dies ist aber die Basis, um gezielt helfen zu können, so geht Strukturaufbau. Wir waren beeindruckt.

Hier wurde bis vor 6 Jahren noch Reis angebaut

Rückspiegel
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Hier stand bis vor 6 Jahren noch kein einziges Haus. In Bhaktapur besuchten wir die Büroräume von Voice for Equal Opportunity (VEO) bzw. das inklusive Bildungsprojekt „Reading vor All“. VEO möchte die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung verbessern, angeboten werden hierzu auch Bildungsprogramme. Zudem wird ein Hostel für Menschen mit Behinderung betrieben. Erste wichtige Arbeit ist hierbei das Zusammentragen von Daten von Menschen mit Behinderung, der Fokus liegt hierbei auf Kindern. Die Kinder werden nach 10 Behinderungen kategorisiert, 4 Ebenen von Behinderungsstufen wurden definiert. Je nach Härtegrad der Behinderung wird Geld für die Maßnahmen für das einzelne Kind bewilligt. Handicap International war hier bis Ende Oktober 2022 als Kooperationspartner vor allem zuständig für den Aufbau von Kapazitäten in Ergänzung zu den öffentlichen Strukturen. Das Projekt war erfolgreich, eine klassische Success-Story.

Mit Biggi und Andrea in der Prothesen-Werkstatt

Biggi und Andrea in der Werkstatt
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Mit den beiden Handicap International-Botschafterinnen Birgit „Biggi“ Lechtermann und Andrea Spatzek besuchten wir unter anderem auch eine Prothesenwerkstatt des National Disabled Fund, die von Handicap International begleitet wird. Wer einmal durch die Straßen Kathmandus gefahren oder – wer sich traut – gelaufen ist, der sieht sofort, wie wichtig individuelle Mobilität in einem Land wie Nepal ist. Mit einem Rollstuhl könnten sich Menschen mit Behinderung nicht fortbewegen, da es praktisch keine Bürgersteige, geschweige denn ebene Straßen gibt. Es ist extrem beschwerlich, von A nach B zu kommen, für Menschen mit Behinderung ist es ohne Hilfe praktisch kaum zu schaffen.

Herzlichkeit allerorten…

Blumen auf Schreibblock
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Wir wurden im Büro von Reading for All wie immer sehr herzlich empfangen, mit Blümchen als kleinem Geschenk. Diese Herzlichkeit zeichnet die Menschen in Nepal aus, trotz aller Hürden, die es für Menschen mit Behinderung im Land gibt. In den Schulen fehlt es oft an Vielem, die Ausstattung in häufig schlecht. Ebenfalls ist es wichtig, mit den Eltern zu sprechen, diese zu überzeugen, dass es wichtig ist, dass ihr Kind, auch wenn es Behinderungen aufweist, Zugang zu Bildung bekommt. Dies ist eine große Hürde, denn Programme wie „Reading for All“ bedeuten in der Regel auch Aufwand für die Eltern. Für NGOs besteht eine Hürde in solchen Projekten darin, dass eine enge Abstimmung mit den lokalen Behörden notwendig ist. „Reading for All“ war aber so erfolgreich, dass in anderen Provinzen des Landes die Zahlengenese bereits vorbereitet wird.

Beeindruckende Zahlen von Reading for All

Reading for All
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Bestandteil des Programms ist auch der ‚Home visit for Education‘, also die Tür-zu-Tür-Bildung. Dort wo Mobilität nicht gegeben ist, baut „Reading for All“ eine Brücke zu schulischer Bildung. Insgesamt wurden in Bhaktapur vier regionale Schwerpunkte gebildet, mehr als 450 Lehrerinnen und Lehrer wurden geschult, mit Kindern mit Behinderungen im Lehrbetrieb zu arbeiten. Dieses „teach the teacher“ ist sehr erfolgreich, hierbei werden Prüfungen auch zuhause abgenommen. An viele Kinder wurden auch Hygiene-Kits ausgegeben, große Projekterfolge hängen manchmal an kleinen Dingen. Insgesamt wurden in Bhaktapur mehr als 8.400 Kinder mit Behinderung kategorisiert.

Eine Schule, die begeistert

Schuldirektor sagt Danke
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Wir besuchten inmitten der Altstadt Bhaktapurs liegend eine Schule, die vorbildhaft zeigte, wie Inklusion funktionieren kann. Ein motivierter Schuldirektor erzählte davon, wie viele Kinder mit Behinderung in der Schule lernen, wo sie schlafen und wo sie essen. Wir erlebten die Fröhlichkeit dann am eigenen Leib, als der Unterricht für ein kurzes Kennenlernen direkterdings einfach kurz unterbrochen wurde. Vom Schuldirektor bekamen wir einen Schal als Dankeschön für den Besuch und die Unterstützung durch Handicap International überreicht. Die Zeremonie fand im mit Klassenräumen umrahmten Innenhof des Schulgebäudes statt.

Gelebte Inklusion

Zwei Schuljungen
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Hier ist jemand richtig stolz. Die beiden Jungen waren sichtlich stolz, Teil der Zeremonie zu sein. Für uns als Projektreisende war es toll zu sehen, mit welcher Freude die Kinder lernten, wie sie aber völlige Normalität ist, dass auch Kinder mit Behinderung zu den Klassen gehören. Hier wird Inklusion gelernt – und gelebt.

Bildung ist so viel mehr als Lernen

Das Schulmotto
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Es ist ein Satz, der auch an der Fassade jeder deutschen Schule stehen sollte: „Education is the most powerful weapon which you can use to change the world.“ Sätze wie dieser bleiben haften und geben Einem das Gefühl mit, dass hier das richtige Mindset für die Zukunft bereits auf dem Weg ist. Gewichtiger Teil hierbei muss und wird inklusive Bildung sein, die ersten Erfolge dieser Arbeit waren in Bhaktapur bereits zu beobachten.

Willkommen in Thimi

Thimi - Der erste Blick
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Bildung war auch der Schwerpunkt, der in Thimi auf der Agenda der Handicap International-Projektreise nach Nepal stand. Thimi ist eine Stadt, die vom Erdbeben im Jahr 2015 recht stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. In den Straßen sind die Wunden von damals noch immer überall augenscheinlich – auch wenn schon enormen Mittel und Mühen in den Aufbau geflossen sind. Der Fleiß, der hier notwendig ist, ist augenscheinlich, aber auch der Stolz auf das bereits Erreichte. Im Stadtzentrum ästeln sich viele kleine Gässchen auf, laden zum Verweilen und Schlendern ein. Beeindruckend war die Tempeldichte, Tempel prägen das Stadtbild von Thimi ungemein. Die schwarzen Holzfenster, von denen eines – je nach Größe – bis zu 40.000 Euro kosten kann,

Der Strommast des Tages

Thimi Strommast
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Auch in Thimi waren sie wieder zu bestaunen, die Strommast-Kunstwerke, bei denen man sich fragt, wie das eigentlich genau geht und wer hier immer wieder Hand anlegt.

Zusammengefasst

An Tag 3 konnten wir zwei Projekte besuchen, die jedes für sich Bildungsaspekte in den Vordergrund rückt. Natürlich war auch in Thimi zu sehen, dass die Bäume nicht direkt in den Himmel wachsen und noch viel Arbeit notwendig ist. Aber dank Hilfsorganisationen wie Handicap International entwickeln sich Strukturen, die sukzessive belastbarer werden und die immer mehr Menschen mitnehmen. Bildung ist hierbei der Schlüssel zu Vielen, wenn nicht zu Allem.

An Tag 4 stand ein Ortswechsel auf der Agenda. Für unsere Reisegruppe ging es in Richtung Gorkha, wo wir nicht einen fantastischen Blick auf Reisfelder im Morgengrauen werfen konnten, sondern auch ein mit deutschen Hilfsgeldern nach dem Erdbeben 2015 gebauten Krankenhaus besuchen konnten.

Das Tagebuch der Projektereise mit Handicap International nach Nepal noch einmal auf einen Blick:
Tag 1 – Nepal ist Abenteuer inklusive
Tag 2
– Mit lokalen Partnern geht jede Menge
Tag 3 –
Beispiele für gelebte Inklusion
Tag 4 – In Nepal rührt sich was
Tag 5 – Impact zum Anfassen
Tag 6 – Schule ist Basis von allem
Tag 7 – Der Rückblick