Schule ist Basis von allem

Das Tagebuch der Handicap International-Projektreise nach Nepal 2022, Tag 6

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Projektreise Nepal Tag 6
Lesezeit: 8 Minuten

Bei Projektreisen ist eine Sache immer gleich: Das Ende rückt schneller nahe, als man das am Anfang denkt. So auch in Nepal, wo wir am letzten Tag der Projektreise mit Handicap International nahe des Chitwan-Nationalparks eine Schule besuchten. Und ich muss es vorwegnehmen: Diese Schule war ein Highlight, ein toller und lebendiger Abschluss der Reise nach Nepal. Das Gefühl, das wir alle mit nach Hause nahmen, war ein Positives. Nicht zuletzt, weil die Schulkinder mit solcher Freude am Werk waren, das sich das einfach so auf uns übertrug. Unser Tag 6 in Nepal.

Die Fahrt zu Schule gestaltete sich wiederum interessant. Wir kreuzten jene eine Magistrale, die Nepal einmal komplett von Ost nach West durchquert. An Kreuzungen fehlte hier und da der Asphalt, mancherorts wurde gerade eine Ampel montiert. Zu erkennen war auch, dass die Bundesstraße ausgebaut werden soll. Mehrspurig soll sie werden, was beim Blick auf den pulsierenden Verkehr dringend notwendig ist. Man stelle sich eine Situation vor, in der ein Kleinbus (der unsere) einen großen Bus überholt, während dieser einem schwer beladenen LKW ausweicht. Zwischendrin ruscheln noch 4 Mopeds mit durch. An Szenen wie diese muss sich gewöhnen, wer in Nepal Auto fahren will. Aber man gewöhnt sich daran, und wird früh darauf vorbereitet.

Ein gelber Schulbus ist im täglichen Einsatz

Schulbus im Schulhof
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Dieser gelbe Schulbus holt und bringt die Kinder aus den entlegenen Gegenden rund um die Schule zum Unterricht.

Auch der Straßenverkehr in Nepal kennt seine Regeln

Es war interessant zu sehen, dass in diesem Gewusel auch Fahrschulen existieren, die Fahranfänger ausbilden. In Nepal darf ab 20 Lebensjahren der Führerschein erworben werden, diese Schwelle ist richtig und bewusst gewählt worden. Auch gilt eine strenge Alkoholgrenze. Wer hier einmal übertritt, zahlt eine Strafe, dreimal „darf man“, dann wird es nicht nur teuer, sondern mit einer Freiheitsstrafe bestraft. So chaotisch wie es also ausschaut durch due Scheibe eines Kleinbusses ist es dann bei Tageslicht betrachtet nicht. Die Schule lag dann abseits der Fernstraße, man könnte es glatt idyllisch nennen. Problem an der Sache ist aber, dass nicht alle Kinder aus den Bergen bspw. die Schule jeden Tag erreichen können, weshalb dem im Schulhof stehenden Schulbus eine extrem hohe Bedeutung zukommt. Kinder müssen geholt und gebracht werden, das ist hier gewährleistet. Empfangen wurden wir mit großem Bahnhof.

Das Tal auf der anderen Seite der Schule

Gegenüber der Schule
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Man muss am Motorrad vorbeischauen, um im Hintergrund die Schönheit des Tals zu erfassen. Reisfelder, grüne wie bunte Vegetation, einfach schön.

Eine Ankunft, die man nicht so schnell vergisst

Angekommen an der Schule, stiegen wir aus unserem Kleinbus. Wir hielten vor einem Haus gegenüber, hinter diesem Haus konnte man das Tal dahinter noch einmal toll in Augenschein nehmen. Die Kinder stellten sich im Schulhof auf, sangen mehrere Lieder. Sie standen in ihren blauen Uniformen auf dem Schulhof, nahezu jede dieser Uniformen war sauber, gepflegt. Nur manche fielen aus der Reihe, weil sie eben doch ein wenig dreckig waren. Gesungen wurde mit Begeisterung, durch ein kleines Spalier schreitend nahmen wir die Schulhof-Szenerie für uns ein – bzw. eigentlich war es umgekehrt. Wir waren schlichtweg n‘ bisschen perplex. Den Schulhof muss man sich vorstellen wie eine Freifläche, auf der auch mal ein Rasen wuchs, die umsäumt ist von einem L-förmigen Gebäudekomplex.

Die Schulkinder bei ihren morgendlichen Übungen

Kinder auf dem Schulhof
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

An die 100 Schülerinnen und Schüler sangen fröhlich ihre Lieder und machten ihre Turnübungen. Ein toller erster Eindruck.

Schule ist Basis von allem

Entlang an den dreistöckigen Gebäuden waren Sprüche zu erkennen, die dort aufgedruckt waren. Einer lautetet: „Winners never quit, quitters never win.“ Die Botschaft ist klar: Wer etwas erreichen will im Leben, der muss die Schule durchziehen, nur wer die Schule durchzieht, wird im Leben erfolgreich sein. Wer die Schule verlässt, wird das nie schaffen. Mit solchen Botschaften, die in der Regel auf Englisch aufgetragen wurden, wird die Motivation hochgehalten. Das ist klar. Aber sie sind auch eine Begründung dafür, warum in Nepal auffällig viele Menschen etwas zu tun haben, warum sich in Nepal so viel tut. Die Menschen wollen, dass Nepal in die Zukunft aufbricht, sie wollen, dass ihr Land und damit sie selbst vorankommen. Sie sind motiviert, und die Basis dieser Motivation soll in der Schule gelegt werden.

Winners never quit…

Spruch Winner
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Mit Slogans wie „Winners never quit, quitters never win“ wird natürlich an der Motivation der Schülerinnen und Schüler angesetzt. Aber es funktioniert, augenscheinlich.

Platz nehmen am Schulpult

Die Klassenzimmer selbst waren einfach ausgestattet, mit kleinen Holzpulten, an denen die Kinder in der Regel zu zweit Platz nahmen. An den Wänden war das Alphabet zu finden, Zahlenfolgen, Monatsnamen, eben Grundlagen, die jedes Kind lernen soll. Die Klassenräume waren sauber, wie auch der Schulhof, dessen Rasen natürlich unter der Hitze litt, auf dem aber kein Fünkchen Abfall zu finden war. Die beiden Handicap International-Botschafterinnen Andrea Spatzek und Birgit „Biggi“ Lechtermann mischten sich sogleich unter eine Schulklasse, sorgten damit für eine sehr willkommene Abwechslung im Klassenraum der Kleinsten. Was aber gleich zu erkennen war, war die Disziplin, die in der Klasse herrschte. Die Kinder nahmen unseren Besuch natürlich wahr, aber sie blieben auf ihren Plätzen, zeigten sich einfach neugierig. Es machte uns anderen Spaß, sich das Treiben einfach „a bisserl“ anzuschauen.

Wo sind die beiden Handicap International-Botschafterinnen?

Andrea und Biggi in der Klasse
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Mischten sich sogleich unter die Schülerinnen und Schüler und sorgten für eine abwechslungsreiche Schulstunde: Schauspielerin Andrea Spatzek (links) und Birgit „Biggi“ Lechtermann

Handicap International unterstützte den Bau von Rampen

Die Schule ist deshalb so besonders, weil hier die Zukunft inklusiven Lernens in Nepal besichtigt werden kann. Handicap International hat in der Schule bspw. dabei unterstützt, eine Beschwerdebox aufzuhängen, bei der Hinweise und eben auch Beschwerden hinterlegt werden können, die den inklusiven Ansatz betreffen. Auch wurden in der Schule mehrere Rampen errichtet, so dass Kinder im Rollstuhl oder auch gehbehinderte Kinder ihre Klassenräume einfacher erreichen können. Es sind diese Maßnahmen im Kleinen, die dann aber im Großen dazu beitragen, dass Bildung eben nicht nur einige Kinder erreicht, sondern alle Kinder. Daraus wiederum entsteht, was sich Hilfsorganisationen wie Handicap International wünschen: ein breites Fundament für eine selbstbestimmte Entwicklung von Menschen mit Behinderung.

Bildung ist der Schlüssel zu Entwicklung, auch in Nepal

So geht inklusive Zukunft
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Wir erkennen auf dem Wegweiser, dass hier ein Projekt für die inklusive Zukunft nepalesischer Schulen umgesetzt wurde. Wir lernen: Inklusion ist hier keine Zukunftsmusik mehr.

Tschüss Nepal

Es ist dieses konstruktiv-lebendige Bild, dass wir aus der Schule nahe des Chitwan-Nationalparks mitnehmen. Es sind aber vor allem die Eindrücke zum „Dahinter“, die sich fest einbrennen. Der begeisterte Schuldirektor, der einst selbst als Schule in jener Schule lernte und nun selbst praktisch die Seiten gewechselt hat, ist der beste Beleg dafür. Hier steht ein Mann, der darüber berichtet, wie wichtig Bildung in seinem Land ist, und wie ernst es ihm dabei ist, dass für jedes Kind ein Bildungsangebot bestehen müsste. Dass er hart aber vor allem mit Begeisterung genau daran arbeitet, da war nicht zu leugnen, und exakt mit diesem Gefühl, mit diesen letzten Worten verließen wie die Gegend um Chitwan. Zurück ging es Richtung Kathmandu, vorbei an Straßen, die kurz zuvor von einem Steinschlag heimgesucht wurden.

Letzter Stopp mit Steckerlfisch à la nepalese

Steckerlfisch a la Nepalese
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

Ein letzter Zwischenstopp auf dem Weg nach Kathmandu, auf einem belebten wie beliebten Markt, der vielerlei Leckereien bereithielt.

TIP = This is Kathmandu

Hinauf fuhren wir in die Hügellande vor Kathmandu, wo japanische Bauunternehmen gerade erdbebensichere Tunnel bohren. Das wird die Reisezeiten reduzieren und das Reisen vereinfachen, erfahren wir von unserem Guide Ahbi. Auf dem Weg nach Kathmandu stoppten wir noch an einem beliebten Markt, wo es Steckerlfisch à la nepalese zu kaufen gab, und noch so einige andere Leckereien, die für europäische Mägen aber doch durchaus gewöhnungsbedürftig sind. Nicht nur ob der Schärfe, mit der hier gut und gerne gearbeitet wird. Abends dann machten wir noch einen Abschiedsspaziergang durch Kathmandu, zum Durban Market, hindurch durch eine Einkaufsstraße, gegen die die Frankfurter Zeil zur Weihnachtszeit eine gemütliche Angelegenheit ist. Wir sahen Hühner, die live geschlachtet wurden, daneben ein Laden für hochwertige Paschmina-Schals, wir sagen nur: TIK. This is Kathmandu. Einkaufsstraße heißt in Kathmandu auch, dass sich Fußgänger, Mopeds und Autos auch engste Gassen teilen. Ein Wahnsinn, wenn man das mal gesehen hat. Zeigt aber auch: Selbst das augenscheinlich größte Chaos ist keines, das Leben in Nepal funktioniert schlicht anders.

Gewusel vom Feinsten

This is Kathmandu
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

In der Innenstadt Kathmandus herrscht auf den ersten Blick das pure Chaos, aber das ist der Blick eines Europäers. Wir sahen Lebendigkeit, Buntheit, Vielfalt, fleißige Menschen und ein Leben im Flow. Die Dinge gehen ihren Gang, vor allem aber sahen wir viele zufriedene Menschen – vielleicht sogar mehr als andernorts. Auch diesen letzten Eindruck nehmen wir mit nach Hause.

Zusammengefasst

Das war sie also, die Projektreise mit Handicap International nach Nepal 2022. Wir können nur DANKE sagen an Handicap International, dass wir wieder mit dabei sein konnten, dass wir wieder einen Blick auf die eindrückliche Projektarbeit werfen durften. Wir blicken zurück auf eine Woche voller intensiver Bilder, wir haben Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Rehabilitationszentren besucht, konnten dabei mit den Mitarbeitern von Handicap International vor Ort sprechen. Wir erlebten was es heißt, im Kleinen zu helfen, um Großes zu bewirken. Das Projekt Reading for All ist so Eines gewesen, oder aber das livelihood-Projekt nahe Gohrka, bei dem es einfach Spaß gemacht hat, sich die Fortschritte erklären zu lassen. Wir fahren also wieder nach Hause, bepackt mit vielen Eindrücken, und haben dabei die Worte unsere Reiseguides Ahbi im Ohr. „Wisst ihr, wir in Nepal wissen wie wichtig Hilfe von außen ist, aber wir wissen auch, dass wir es nur in den eigenen Händen haben, dass unser Land vorankommt.“ Die Anfänge davon und manchmal noch etwas mehr konnten wir schon sehen. Bis zum nächsten Mal.

Nepal, Namaste!

Nepal Namaste
Foto: stiftungsmarktplatz.eu, im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal im Jahr 2022

An Tag 7 endete die Projektreise mit Handicap International, die uns in diesem Jahr nach Nepal führte. Kurz vor der Rückreise haben wir die Tage am Himalaya gemeinsam mit Thomas Schiffelmann, Leiter Marketing bei Handicap International, in einem #FreitagsPodcast SPEZIAL noch einmal Revue passieren lassen.

Das Tagebuch der Projektereise mit Handicap International nach Nepal noch einmal auf einen Blick:
Tag 1 – Nepal ist Abenteuer inklusive
Tag 2
– Mit lokalen Partnern geht jede Menge
Tag 3 –
Beispiele für gelebte Inklusion
Tag 4 – In Nepal rührt sich was
Tag 5 – Impact zum Anfassen
Tag 6 –
Schule ist Basis von allem
Tag 7 – Der Rückblick