Stiftungsvermögen und Star Trek, das mag auf den ersten Blick etwas weit hergeholt sein. Es gibt da aber diesen einen Test, der hat auch seine Relevanz für Stiftungen. Die Rede ist vom Kobayashi-Maru-Test, der in den Star Trek-Filmen der 80er Jahre immer wieder als DER Test für Raumschiff-Kapitäne zitiert wurde – und den nur James Tiberias Kirk erfolgreich absolvierte. Darum war der Kobayashi-Maru-Test keiner, bei dem es um die eine beste oder die drei vier Wege geht, eine Situation aufzulösen. Kobayashi Maru war, so sagt es Captain Kirk ich meine in Teil 2 („Der Zorn des Khan“, der Klassiker mit Ricardo Montalban als Khan), ein Charaktertest. Das genau ist die aktuelle Situation für Stiftungsmanager bezogen auf das Stiftungsvermögen auch. wir sortieren.
In der Kobayashi-Ausgangssituation geht es grob darum, dass sich verschiedene Stränge von Entscheidungen zu einer Konstellation auswachsen, in der wahre Captains zeigen können, was sie können. Kirk löste den Test so, dass er ihn für sich umprogrammierte. Es zeugte nicht von großer Charakterstärke, die Sache so anzugehen, aber die Konstellation war anders nicht aufzulösen. Nun, dieses Umprogrammieren ist für mich die Parallele zum Stiftungsvermögen, bzw. zum Verwalten dessen in vielen deutschen Stiftungen. Oftmals wird verwaltet, das gute alte bundesrepublikanische Modell des Aussitzens wird gelebt. Woher kommt das? Nun ja, in der damaligen Zeit war Aussitzen eine politische Strategie, Ruhe in den Laden zu bringen, das Beharren auf Bewährtem sicherte den Fortgang der Dinge – um den Preis, das Modernität hier und da auf der Strecke blieb. Viele Stiftungsvermögen haben diese DNA noch in ihren Satzungen stehen, wenn sicher anlegen als das Postulat schlechthin angesehen wird, ohne zu wissen, was sicher eigentlich heißt.

Kobayash Maru versus Anlagekonzept aus der Nachkriegszeit
Kobayashi Maru für Stiftungsvermögen heißt nun, sich gewahr zu machen, dass eine neue Maßgabe mit ambitioniertem Anlageziel, atmender Anlagerichtlinie, Drei-Säulen-Anlagekonzept und Delegations-Bias durch ein Weiter so nicht zu schaffen ist. Eine Stiftungssatzung aus der Nachkriegszeit und eine Anlagerichtlinie, die vielleicht in den 90ern dazu formuliert wurde, passt nicht mehr in den Parameter-Kosmos anno 2026. Multiple Krisen verlangen ein konsequentes Konzept für das Management von Stiftungsvermögen. Das aktuelle Umfeld, und auch das absehbare Umfeld, brauchen einen modernen Management-Ansatz für Stiftungsvermögen, der erkennt, dass ertragreich und sicher heute etwas anderes bedeutet als in den Jahrzehnten vor dem Jahr 2000. Kobayashi Maru ist als Charaktertest angelegt, und ich bin davon überzeugt, dass viele Stiftungsverantwortliche heute vor genau diesem Charaktertest stehen.
Stiftungsvermögen anders machen heißt managen heißt delegieren
Umprogrammieren hieße in diesem Sinne, zu erkennen, dass ich mehr Ertrag mit dem bisherigen Ansatz nicht werde erzielen können. Und dass das bisherige Anlagebesteck nicht ausreicht, um sich ein größeres Stück vom Ertragskuchen abzuschneiden. Vor allem aber bedeutet es für Stiftungsverantwortliche, für jene die Stiftungsvermögen in Stiftungen managen, zu erkennen, dass sie selbst Teil des Problems sind. Kirk hat umprogrammiert, aber er hat wesentliche Aufgaben der Umsetzung delegiert. Er hat entschieden, aber die Aufgaben erledigt haben dann die, die für die einzelnen Teile die Besten waren. Hier kommen dann Überlegungen wie der OCIO, also der Outsourced Chief Investment Offiver, ins Spiel, oder eben auch das fortwährende Austauschen mit einem Vermögensprofi, mit dem ich dann auch die Struktur immer weiterentwickle. Ein solches Umprogrammieren bedeutet aber auch Austausch mit Asset Managern, die Produkte (=“Fonds“) haben, die Stiftungsverantwortlichen beim Befüllen der definierten Quoten helfen.
Stiftungen und das Einzel-Titel-Phänomen
Keine Stiftung sollte heute mehr mit Einzeltiteln „rummachen“, sie sollte sich entlang ihrer Strategie Fonds suchen, die beispielweise europäische Aktien sehr schön abbilden. Mit einem Branchenschwerpunkt hier und da und dort mit Options-Enhancement für den ordentlichen Ertrag, aber Fondslösungen sollten es für Stiftungen jedweder Couleur schon sein. Wer heute noch mit Einzelaktien und Einzelanleihen herumhantiert, der vergisst zudem eines: Solange das Ganze funktioniert, ist alles fein. Aber wenn es an den Märkten einmal richtig knallen sollte, und dieser Tag wird wieder kommen, dann stehen sie wieder vor dem Kobayashi-Maru-Test. Komplexes Anlageumfeld trifft auf Portfolio, das hochvulnerabel investiert ist. Jetzt soll der, der das so verantwortet, in dieser Konstellation die richtigen Schlüsse ziehen, die richtigen Entscheidungen treffen?
Zeiten wie jetzt lehren jeden Stiftungsverantwortlichen Demut
Wenn es einen DAX-Crash gibt, um beispielsweise 25%, was per heute mehr als 6.000 Punkten Abschlag entspräche, wären nur ganz wenige in der Lage, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Haftungssicher wären nur wenige unterwegs. Zum Wohle der Stiftung im Sinne des dauerhaften Erhalts des wirtschaftlichen Stehvermögens einer Stiftung die allerwenigsten. Kobayashi Maru wäre nicht zu bestehen, weil er nicht zu bestehen ist – erst recht, weil kaum einer den Schluss ziehen würde, es fortan anders zu machen, es fortan zum Besten der Stiftung zu machen. Diese Charaktertests tun weh, aber sie sind augenöffnend. In Konstellationen wie diesen, und das lehrt Kobayashi Maru, ist es entscheidend, Demut zu lernen, Demut an den Tag zu legen und die Muster für künftiges Handeln zu verändern. Ich fürchte nur, dass viele Stiftungsverantwortliche immer noch behaupten würden, dass ihr Anlageansatz gut funktioniert hat in den letzten 10 Jahren. Sie sehen sich nicht mit einem Charaktertest à la Kobayashi Maru konfrontiert – obschon sie das längst sind.
Zusammengefasst
Eine Portion Star Trek im Stiftungsvermögen heißt, sich über die Zukunft des Stiftungsvermögens Gedanken zu machen. Solche Gedanken, die sich grundsätzlich mit dem Managen auseinandersetzen, und die erkennbar machen, dass viele Stiftungsvermögen ein Umprogrammieren brauchen. Denn bundesrepublikanisch anzulegen und das zu verteidigen als den Anlagestil einer deutschen Stiftung, das ist gleichbedeutend mit einem Offenbarungseid. Denn Stiftungsvermögen lässt sich auch anders managen, aber wenn die Menschen dahinter das nicht wollen, dann wird genau das nicht passieren. So gesehen ist diese Phase an den Kapitalmärkten und in der Welt jetzt vielleicht jener Kobayashi-Maru-Test, den es für viele Stiftungsverantwortliche schon lange gebraucht hat. Denn ‚Weiter so‘ ist demgemäß gleichbedeutend mit dem Scheitern beim Kobayashi Maru. Aber Scheitern ist eben für Ewigkeitsstiftungen keine Option.










