Start #stiftungenstärken StiftungsApéro & Events Das Neue Geben und neue Vielfalt für den Stiftungssektor

Das Neue Geben und neue Vielfalt für den Stiftungssektor

Wir blicken zurück auf The Gatsby 26, den etwas anderen wie besonderen StiftungsApéro

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Nachlese The Gatsby26
Lesezeit: 4 Minuten

New Giving, das Neue Geben, was ist das? Und welche Relevanz hat es für den Stiftungssektor? Genau mit diesen Fragen befasste sich The Gatsby 26, der besondere StiftungsApéro, der in diesem Jahr in Augsburg stattfand. Im schönen Annahof im Zentrum der Fuggerstadt diskutierten wir mit Stiftungspraktikern, Stiftungsexperten und Stiftungsgründern, was es bedeutet, die neue philanthropische Masse in Bewegung zu bringen. Beim einführenden Town Hall Talk blickt Gerit Reimann, Geschäftsführerin des Haus des Stiftens, auf die Grundidee hinter New Giving: Die Welt des Gebens soll den Blick auf die Vielfalt der Lösungen richten. Wir blicken zurück auf The Gatsby 26, den Abschluss der 26er StiftungsApéro-Saison.

Die Welt des Gebens ist eine, die es in Generationen zu analysieren gilt. Der deutsche Stiftungssektor, das sind knapp 10.000 Stiftungen, die vor dem Jahr 1999 errichtet wurden. Hier wird oft vom alten Geld gesprochen, von Eliten, vom Wohlfühl-Habitat der grauen alten Männer. Etliche noch sehr alte Stiftungen zählen hier dazu. Neuere Stiftungen, die also ab dem Jahr 2000 errichtet wurden, zählen wir zur moderneren philanthropischen Masse. Die Vermögensmasse hier resultiert aus dem unternehmerischen Gelingen aus den Jahrzehnten davor.

Die neue philanthropische Masse, über die wir beim The Gatsby in Augsburg gesprochen haben, ist nun jene, die aus der Erbmasse resultiert, die sich in den nächsten 15 Jahren auf den Weg macht. Mit dem Attribut neu wird diese Geldvermögen daher versehen, weil mit ihm auch neue Formen und Gefäße des Gebens in den Fokus rücken. Schnöde eine Stiftung alter Prägung zu errichten, diese Zeiten dürften vorbei sein – zumindest bei jenen Gebern, die vom Ergebnis her denken.

The Gatsby26 The New Giving Game

Die neue philanthropische Masse will bewegen

Was ist das Ergebnis guten Gebens? Dass eine Wirkung erzielt wird, dass also gesellschaftlich relevante Anstöße gegeben und Veränderungen verzeichnet werden können. Verhaltensweisen und Herausforderungen das Gemeinwesen betreffen sind hier oft Ausgangspunkt, ein Engagement aufzusetzen und zu entfalten. Das neue Geben verlangt also nicht nur das Geben von Geld, sondern stellt erst einmal Fragen. Ist eine Stiftung das richtige Gefäß für mich? Ist eine Stiftung so modern aufzusetzen, dass ich meine Idee des Gebens umsetzen kann? Muss das immer für die Ewigkeit sein? Oder kann ich Wirkung erst recht erzielt werden, wenn ich mein Kapital für 10 Jahren mal so richtig zum Arbeiten bringe? Das neue Geben sieht sich genau nicht als Sozialstaatsersatz, sondern Anschubmasse, die gerne unternehmerisch aufgesetzt ist, die bewegen und bewirken will.

ApérotheksTipp:
Das war die StiftungsApéro SommerTour 2026 – mit Stationen in Potsdam, Köln und Augsburg. Klicken Sie sich durch die Bildergalerien.

Neues Geben braucht neues Vertrauen

Beim The Gatsby 26, dem Abschluss der 2026er StiftungsApéro Saison, diskutierten wir entlang dieser Trennlinien. Gerit Reimann, Geschäftsführerin beim Haus des Stiftens, brachte einen richtigen Gedanken ein: Für manche ist eine Stiftung immer noch das richtige Vehikel des Gebens, für manche aber eben nicht. Es geht darum zu sehen und zu akzeptieren, dass das Neue Geben die Welt des Engagements breiter macht, ihr praktisch eine neue Vielfalt zufächert. Im einführenden Tonw Hall Talk mit Philanthropie-Experte Andreas Schiemenz insistierte sie auch darauf, dass es womöglich neues Verständnis und neues Vertrauen zwischen Stiftungslandschaft und Philanthropen braucht. Ein richtiger Einwurf seitens der Stiftungsexpertin. Denn die Stiftungslandschaft gilt oft als a bisserl verstaubt, als langsam, hier dockt dann ein modern denkender Philanthrop, ein Geber neuer Prägung, womöglich erst einmal nicht an – aus nachvollziehbaren Gründen.

Die neue philantropische Masse zwischen Struktur und Gelingen

Im Gespräch zeigte Andreas Schiemenz dazu deutlich auf, wo beim Neuen Geben die Fallstricke liegen. Die neue philanthropische Masse will Dinge bewegen, bzw. in Bewegung bringen. Hierfür braucht es vielleicht für manche Probleme eher Giving Funds, Giving Pledges oder Giving Circles, auf jeden Fall braucht es einen Zugang zu dieser Vielfalt der Möglichkeiten. Philanthropische Masse setzt sich heute und erst recht morgen zudem nicht in Bewegung, wenn bestimmte Parameter nicht zusammen gedacht werden. Das Neue Geben will professionelle Strukturen sehen und das gemeinsam angestoßene Gelingen spüren. Die Anforderungen hier wachsen, an die Stiftungslandschaft. Zudem hatte Andreas Schiemenz einen Hinweis parat: Philanthropie ist ein kapitalistisches Konstrukt, quasi der Gegenentwurf zu „Alles Geld dem Staat und dann gucken wir mal, wie das Ganze umverteilt wird“. Nur muss diese philanthropische Masse stets auf der Höhe der Zeit organisiert sein, denn ihre Legitimation korreliert mit dem, was sie letztlich anschiebt, verändert, bewegt.

Neues Geben bringt neue Aufgaben mit sich

Für den Stiftungssektor bedeutet das Neue Geben neue Diskurse. Es kann beispielsweise nicht sein, dass im zweitgrößten Stiftungsstandort der Welt der Unterschied zwischen Asset under Management und Asset in Motion nicht gesehen und genutzt wird, dass die Welt der Unternehmer für viele Stiftungen richtig weit weg ist. Außerdem steht die Frage im Raum, wie wir es schaffen, dass künftig mehr nach dem Stiftungssektor als nach Staat gerufen wird als Enabler, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen. Die neue philanthropische Masse, die im neuen Geben münden wird, wird auch den Sektor verändern, zum Positiven, aber vor allem hin zum Relevanten. Die Town Hall Talker Gerit Reimann und Andreas Schiemenz sowie in den Workshops mit Dr. Regine Oberecker von der Patrizia Foundation sowie Mathias Kaps von der Starkmacher gGmbH wurde entlang dessen Tacheles geredet. Genau das, was der Sektor jetzt braucht.

StiftungsApéro-Tipp:
Der StiftungsApéro geht im Winter 2027 wieder auf Tour, die Termine finden Sie 1) in der Apérothek, 2) in unserem Newsletter „Der Skipper“ und 3) sofern Sie uns auf Linkedin (@stiftungsmarktplatz) folgen.

Zusammengefasst

Es war ein fachlicher StiftungsApéro, dieser The Gatsby 26, es war ein StiftungsApéro der Sorte „Das hallt noch etwas nach“. Unser Dank gilt allen Protagonisten, allen Gästen und dem Team unserer Location, dem St. Annahof. Wichtig bei der Diskussion um New Giving und die neue philanthropische Masse ist, dass wir nicht in die gute alte Verkopftheit des Stiftungssektor abdriften. New Giving ist eine riesige Chance, den Sektor vielfältiger zu machen (Hier erinnern wir an den Punkt, den Gerit Reimann gemacht hat), aber eben auch selbstbewusster – in dem Sinne, dass der Stiftungssektor bzw. die Welt des Gebens vermutlich mehr bewirken kann, als ihr bewusst ist. Philanthropolis wird nicht an einem Tag erbaut werden, aber es wird erbaut werden.

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Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Er ist Herausgeber der FondsFibel für Stiftungen & NPOs, dem führenden Nachschlagewerk für Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds (www.fondsfibel.de), Vorträge hält er vor allem zum Thema ‚Stiftungen und ihr Weg in die digitale Welt‘. Für beide Themen betreibt er den Blog #stiftungenstärken.