Wer reitet so spät durch Nacht und Wind, und so weiter, Sie kennen dieses weltweit bekannte Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe. Goethes Bindung zu Leipzig war so groß, dass er Leipzig sein klein Paris nannte. Auch sein „Faust“ ist dort entstanden. Von Leipzig gingen also nicht erst mit der Friedlichen Revolution Impulse aus, die nachhallten. Auch vom Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen VTFDS26 sollen Impulse ausgehen, in die Stiftungslandschaft hinein. Denn werden die Möglichkeiten, die Stiftungen hier haben, bereits überall vollends ausgeschöpft? Um die Studierzimmer-Szene aus Goethes Faust zu zitieren: Nein. Wir blicken nochmals mit dem zweiten Auge auf das VTFDS-Festival zurück.
Wer reitet so spät nach Leipzig im Wind?
Es ist der Stiftungsvorstand mit seinem Kind;
Er hat die Anlagerichtlinie wohn in dem Arm,
Er faβt sie sicher, er hält sie warm.
Mein Vorstand, was birgst du so bang dein Gesicht?
“Siehst, Kollege, du den Zinsmarkt nicht?
Den Zinsmarkt dort mit schwankenden Werten
Mein Vorstand, es ist ein Markt für Experten.
‘Du lieber Vorstand, komm, investier mit mir!
Gar schöne Investments zeige ich dir
Manch bunte Phantasie ist an dem Strand.
Die Hoffnung sie trägt manch gülden Gewand.’
“Mein Vorstand, mein Vorstand, und hörest du nicht,
Was Zinskönig mir leise verspricht?”
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Vorstand;
In dürren Blättern säuselt der Wind.

‘Willst, feiner Vorstand, du mit mir gehn?
Meine Zinstöchter solln dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.’
“Mein Vorstand, mein Vorstand, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Investments am düstern Ort?”
Kollege, Kollege, ich seh es genau;
Hier wird nicht diversifiziert, das Depot s daher grau
‘Ich liebe dich, mich reizt dein Geldentopf;
Du diversifizierst nicht, packst auch Aktien nicht beim Schopf’
“Mein Vorstand, mein Vorstand, jetzt ists passiert
Im Depot jetzt der schlimme Drawdown grassiert
Dem Vorstand geht das Lichte auf,
er war falsch unterwegs, nur mit Anleihen zuhauf.
Streuen hätte er müssen, so breit wie‘s nur geht
beim VTFDS aber lernt er wie man diese Prüfung besteht.
Die eine zentrale Lehre zum Management von Stiftungsvermögen
Nehmen wir das, was beim VTFDS26 alles gesagt wurde, zusammen, ergibt sich eine Maßgabe für das Management von Stiftungsvermögen anno 2026. Übergeordnet kann das $-D-Raster einen Rahmen bilden, also das Gerüst aus Diversifizieren, Delegieren, Dokumentieren und Durchhalten. Eine Ebene darunter ist es das 3-A-Raster, das Stiftungen und ihren Verantwortlichen weiterhelfen kann. Definiere ein Anlageziel, bette dieses in ein Anlagekonzept ein und übersetze dieses in eine Anlagerichtlinie. Nur, 4 Ds und 3 As sind nichts ohne die 2 Gs: Gremien und Governance. Ohne die Stiftungsgremien geht Management von Stiftungsvermögen nicht, erst recht kommt das Verändern in einer Stiftung nicht voran.
Stiftungen müssen sich hier ehrlich machen, so unsere Mitnahme vom VTFDS26, ob ihre Gremienkonstellation der Aufgabe Management von Stiftungsvermögen überhaupt gerecht werden kann. Denn Gute Stiftungsführung, also gute Stiftungs-Governance, hängt von einer „schlagkräftigen“ Gremienkonstellation ab, die professionelles Management von Stiftungsvermögen befördert und nicht blockiert. Wenn qua Stiftungsrechtsreform Agieren zum Wohle der Stiftung gefordert wird von Stiftungslenkerinnen und -lenkern, dann ist die Gremienzusammensetzung eines der Kernelemente, die das überhaupt erst möglich macht.
Reboot in Stiftungsgremien ante portas?
Ein Beirat, der nicht Kompetenz-getrieben Vermögensfragen diskutiert, ist fehlbesetzt, hier würde ein Investment-Gremium, ein Investment-Beirat, ein Investment-Board weitaus zielgerichteter unterstützen. VTFDS26 förderte die Erkenntnis zutage, dass viele Stiftungen sich selbst blockieren, aus ihrer Gremienkonstellation heraus, die nicht selten schlicht Eitelkeiten bedient. Nur geht es bei einer Stiftung nicht um Eitelkeiten, sondern um Gelingen. Stellen die Anlageergebnisse nicht einen größtmöglichen Pool an finanziellen Möglichkeiten für die Zweckverwirklichung zur Verfügung, ist das Vermögensmanagement nicht demgemäß aufgestellt. Es ist dann egal, was dem entgegensteht, es muss aus dem Weg geräumt werden – seien es formale Hemmnisse, Widerständler in den Gremien, zu wenig fachkundig besetzte Entscheidungsstrukturen. In den VTFDS-Gesprächsrunden zeigte sich, dass dies in vielen deutschen Stiftungen eine Baustelle sein dürfte.

Zusammengefasst
Zinskönig hin oder her: 4 Ds, 3 As, 2 Gs, dieses Schema wird uns post VTFDS26 weiter befassen, bis zum VTFDS27 schon, aber dort dann erst recht. Denn der Pool an Möglichkeiten für das Stiftungsvermögen ist das eine, das Ausschöpfen dessen das andere. Aus Goethes „Faust“ lässt sich herausinterpretieren, dass jedwedes Vermögen mehr vermag, als allein in (Zahlungs)Versprechen investiert zu werden. Goethe sah im Papiergeld ja nur das Fortführen der Alchemie. Zum Golde drängt doch alles, und so weiter. Wer das ins Heute übersetzt, der könnte sich fragen, wie viel Goethe im Stiftungsvermögen sie oder er wagen soll. Andererseits, eins nach dem anderen.









