Warum tun sich so viele Stiftungen so schwer, sich über ihre Stiftungskapitalien Gedanken zu machen. Gedanken darüber, wie sie höhere Erträge generieren, Gedanken darüber was passiert, wenn die Möglichkeiten, die jedes Stiftungsvermögen qua Errichtung hat, nicht vollends ausgeschöpft werden. Es ist wohl, und das ist eine Lehre aus VTFDS26, unserem Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen, eine „Das brauchen wir nicht“, „Das bringt ja eh nix“ und „Wer sind Sie, dass Sie mich mit dieser Frage konfrontieren“. Aber der Reihe nach, wir blicken ein erstes kritisches Mal auf den VTFDS26 zurück.
VTFDS soll Lernort sein, soll der Ort sein, von dem aus Lobbyarbeit rund um den Themenkreis entsteht, und an dem Gespräche geführt werden über das zeitgemäße Management von Stiftungsvermögen, um Philanthropolis bauen zu können. Und für diese Mission „Building Philanthropolis“ brauchen wir jede Stiftung und damit jedes Stiftungsvermögen. Zins-Kombinat war gestern. Denn ein einziges Stiftungsvermögen kann tatsächlich relativ wenig bewirken, Phlanthropolis zu bauen. Ein einziges Stiftungsvermögen, selbst wenn es 3 Milliarden Euro Stiftungsvermögen groß ist, kann nur einen kleinen, unsichtbaren Beitrag leisten, am Gemeinwesen von morgen mitzubauen. Aber schon wenn 1.000 Stiftungen sich eine beispielsweise eine Mission-6%-Agenda geben, würde das anfangen, draußen sichtbar zu sein. Beim VTFDS26 trafen sich Stiftungsmanager und Stiftungsexperten, um genau in diesem Modus miteinander zu sprechen.
Lehre Nummer 1: Das Brett, jedes Stiftungsvermögen in Deutschland zu aktivieren ist ein dickes
Stiftungsvermögen nicht nur zu verwalten, sondern es zu managen, ist ein Paradigmenwechsel für viele Stiftungen. Immer noch herrscht die Devise vor, wir haben immer 80% unseres Stiftungskapitals in Anleihen investiert, der Stifter sah das einst auch so vor, wir sehen heute keine anderen wesentlichen Verhältnisse. Also müssen wir auch nichts verändern. Was dabei verkannt wird, und das kam beim VTFDS26 deutlichst heraus ist, dass die Welt heute eine andere geworden ist. Eine ganz andere. Stiftungsvermögen unterliegt der Maßgabe „Ertragreich und sicher“, das ist das Rahmen, der dem Stiftungsvermögen gegeben wird. Ertragreich funktioniert heute aber nur mehr mit breitestmöglicher Streuung, sicher ist ein relatives Konzept, das eine sichere Investment gibt es so nicht mehr. Andererseits bedeutet ein zeitgemäßer Managementansatz, dass Stiftungsvermögen ziemlich sicher auf der Höhe der Zeit umkümmert wird. Die Vokabeln mögen dieselben sein, aber sie sagen heute etwas Anderes als zu dem Zeitpunkt, als eine Stiftung mit ihrer Satzung errichtet wurde.
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Lehre Nummer 2: Es ist nicht der Kapitalmarkt, der Stiftungsverantwortliche davon abhält, Stiftungsvermögen anders zu managen – es sind sie selber
Wir haben beim VTFDS26 viel über die Verfasstheit von Stiftungsgremien gesprochen. In den Gremien vieler Stiftungen braucht es dem folgend was wir in Leipzig diskutiert haben eine Revolution. Revolution ist, wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen. Übersetzt auf das Stiftungsvermögen ließe sich ausgehend von den Gesprächen beim VTFDS26 sagen: Viele Stiftungsgremien können notwendige Veränderung nicht sehen, Vorstände und Geschäftsführer wollen aber genau so wie bisher nicht weitermachen. Und dieser stiftungsinterne Konflikt befähigt nicht, sondern er bremst. Wollen aber Stiftungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entsprechen, und qua Steuerprivileg muss ihr Tun daran ausgerichtet sein, dann muss dieser Konflikt recht schnell aufgelöst werden. Dass Stiftungen sich selbst blockieren, vom Verwalten von Stiftungsvermögen zum Management von Stiftungsvermögen zu kommen, ist eine vergebene Chance.
Denn wenn eine Stiftung ihr Steuerprivileg verdienen muss, dann muss sie dies auch tun, indem sie ihre Kapitalien entlang dieses Ziels einsetzt. Das Steuerprivileg bekommt eine Stiftung, um maximalstmöglichen „Impact“ für das Gemeinwesen zu produzieren, zu erzeugen, zu befördern. Sie bekommt das Steuerprivileg nicht für den Satz „Mehr als 2% waren und sind einfach nicht rauszuholen“ für uns. Das „uns“ bedeutet ja nicht, dass genau „unsere“ Stiftung nicht in die Lage versetzt werden könnte, aus ihrem Stiftungskapital mehr Erträge herauszuholen, sondern dass die Stiftungsverantwortlichen nicht in der Lage sind, das Stiftungsvermögen demgemäß einzusetzen. Bei aller Angst, im Stiftungsvermögen etwas falsch zu machen, eine falsche Entscheidung zu treffen – die größte Angst könnte künftig jene vor dem Aberkennen bzw. des Entzugs des Steuerprivilegs sein. Denn wer das Stiftungsvermögen nicht zum ertragsmaximalen Arbeiten bringt, der unterwirft sich nicht der Mission, auf die sich unser Gemeinwesen einst begeben hat, als sie die Idee mit dem Steuerprivileg für das Gerüst Stiftungen hatte. Verantwortung für das Stiftungsvermögen ist nicht nur ein nach drinnen strahlendes Konzept, es ist auch eines, das nach draußen abzielt. Über die Konfliktlinien in Stiftungsgremien werden wir in den kommenden Jahren viel mehr reden müssen, wir müssen sie transparent machen.
Lehre Nummer 3: Stiftungsvermögen braucht den Schulterschluss mit der Idee der Transparenz
Warum haben wir beim Werkststatt Festival für Stiftungsvermögen Räume mit Chatham House Rules geschaffen? Weil wir wollten, dass Stiftungsverantwortliche sich äußern. Dass sie sich öffnen. Dass sie darlegen, wo der Schuh drückt, und warum sie nicht ins Machen kommen. Das ist eine Form von Transparenz, die dem Sektor in der Breite abgeht. Die vorherrschende Meinung lautet: Was geht es die Leute an, wie viel ich habe und wie ich damit umgehe. Das steckt ein Geist von Elite drin, da steckt ein Geist von Abgehobenheit drin, da steckt ein Geist von Unantastbarkeit drinnen. Und diese Flasche ist randvoll gefüllt. Nur bedeutet diese Flasche auch, dass man es am besten weiß, das man bestimmte Dinge nicht braucht, dass Veränderung und Stiftung eh zwei Konzepte sind, die getrennte Wege gehen sollten. Genau das aber wird für den Sektor als Ganzes zum Problem. Wenn wo niemand genau weiß, was passiert, und wo niemand ableiten kann, woher das Potenzial für künftige Wirkmassen stammt, dort wird umso kritischer nachgefragt und nachgefasst.
Die Intransparenz liefert jene Munition, Stiftungen ihr Nichtstun, ihren Nicht-Willen zur Veränderung vorzuwerfen. Wenn sich Gesellschaft, Weltwirtschaft, Menschen, Zeitgeist verändern, dann muss das auch in der Stiftungslandschaft möglich und machbar sein. Setzt sich hier ein Gedanke durch, man würde durch die Intransparenz des Sektor nur das eigene Nicht-Tun und Nicht-Verändern verschleiern wollen – der Sektor würde sich den Ast absägen, auf dem er sehr gemütlich sitzt. Im Stiftungsvermögen Transparenz herzustellen, ist einfach, aber es ist die leichteste Form, die Menschen draußen auch zu beeindrucken. Stiftungen können mit ihrem Zweck-Tun beeindrucken, wohl aber auch mit Zahlen. Schau an, was die aus ihrem Stiftungskapital rausholen – kann das für uns ein Vorbild sein? Diesen Geist aus der Flasche zu lassen, das muss ein Anliegen des Sektors sein, weil es auf seine Legitimation einzahlt. Und damit ist es ab sofort auch ein Anliegen des Werkstatt Festivals für Stiftungsvermögen.
Dass Stiftungsverantwortliche hier lernen müssen, dass sie verstehen müssen, was sie mit ihrem Stiftungsvermögen für einen Schatz ihr Eigen nennen, das ist der Auftrag, den VTFDS künftig als Lernort mit Leben zu füllen gedenkt. Zu lernen, was Stiftungsvermögen ist, welche Veränderungen Stiftungsvermögen braucht und welche handwerklichen Kniffe es gibt, um Ertragsgebirge höher als bisher aufzutürmen, diese Austausche will VTFDS als Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen anregen, anstoßen, inspirieren, intensivieren, incentivieren. Damit kann der Stiftungssektor dann auch wieder Vorreiter im gesellschaftlichen Kontext sein. Zu lernen, aus den vorhandenen Möglichkeiten mehr herauszuholen, kann als gesamtgesellschaftliche Inspiration taugen, wo sich doch Wachstumsdiskurse immer um die Frage drehen, wo wir neues Wachstum „herkriegen“. Unser Stiftungssektor wird qua Erbmasse automatisch wachsen, aus diesem damit wachsenden Kapitalstock mehr herauszuholen, muss künftig seine intrinsischste Motivation sein. Denn Privileg und Legitimation sind keine Geschenke – sie müssen verdient werden, und zwar immer aufs Neue.
Zusammengefasst
Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen als Lernort, als Ort für Lobbyarbeit pro Stiftungsvermögen, als Ort, an dem Stiftungen befähigt werden, ihren sichtbaren Anteil am Bau von Philanthropolis zu leisten, das ist die Lehre aus VTFDS26 – diesen Ort gibt es ab sofort. Die beiden Tage Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen haben gezeigt, dass es diesen Ort braucht, das es die Inhalte braucht, dass es aber auch die Bereitschaft im Sektor gibt, das sektor-vorhandene Knowhow zu teilen. Jeder, der Protagonist oder Gast des Werkstatt Festivals für Stiftungsvermögen in Leipzig war, hat genau diese Bereitschaft mitgebracht. Diesen Geist, dass das Teilen von Knowhow, von Wissen, von Erfahrungen, von Zugängen, von Lösungen, haben wir beim VTFDS26 aus der Flasche gelassen, und er wird die Zeit bis zum und dann den VTFDS27 am 29ten und 30ten Juni 2027 prägen. Denn Philanthropolis wird auch nicht an einem Tag erbaut werden, aber es wird erbaut werden.










