Start #stiftungenstärken StiftungsApéro & Events Wenn Stiftungen politischer werden, dann…

Wenn Stiftungen politischer werden, dann…

Eine Nachlese zu den StiftungsApéros in Potsdam und Köln

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SommerTour Potsdam Köln 2026
Lesezeit: 4 Minuten

Es ist eine klassische Ja-Nein-Frage, auf die es aber kein eindeutiges Ja oder Nein gibt. Sollen Stiftungen politischer werden? Müssen Stiftungen gar politischer werden? Im Rahmen der der ersten beiden Termine der StiftungsApéro SommerTour 2026 kam diese Frage nicht nur auf. Sie stand im Raum. Weil sich die politische Landschaft im Osten Deutschlands verändert hat und verändern wird, ist die Frage nach dem politischen Sein von Stiftungen im Diskurs angekommen. Wie die StiftungsApéro-Gäste der Frage begegneten? Mit Handzeichen, Gedankenspielen und kritischem Blick.

In Potsdam begann die diesjährige StiftungsApéro SommerTour, erstmals machte der Tour-Tross Station in Brandenburgs Landeshauptstadt. Als Gastgeber fungierte die Stiftung Großes Waisenhaus zu Potsdam, die Gäste versammelten sich dort im Friedenssaal, der schon so manche Diskussion und Urkundenübergabe gesehen hat. Stiftungschef René Schreiter, seines Zeichens Historiker, führte in seinem Impuls durch die Geschichte der Stiftung Großes Waisenhaus, die eben auch eine mit tiefen Zäsuren ist. In der DDR hörte die Stiftung praktisch auf zu existieren, inzwischen ist sie als Stiftung Öffentlichen Rechts nicht mehr aus der Stiftungslandschaft Brandenburg und dem Stiftungskosmos Potsdam wegzudenken. StiftungsApéro-Moderatorin Kathrin Succow, ergänzte beim geschichtlichen Abriss etwas ganz Entscheidendes: Stiftungen im Osten haben ein Gedächtnis, ein Gedächtnis, wie es ihnen ergehen kann, wenn der politische Wind ein Gegenwind ist. Es war ein Gedanke, der die Diskussion dann im Anschluss prägte.

StiftungsApero SommerTour 2026

Erst Autogipfel, dann Gipfel für das Gelingen?

Ergänzt um Impulse von Doreen Eismann von Engagement Global und Jill Berger von der Stiftung Zukunftsfähigkeit ergaben sich in der Diskussion in Potsdam drei Erkenntnisse: Erstens sollten Stiftungen ihre Möglichkeiten, politischer zu sein oder zu werden, nicht unterschätzen. Politisch ist kein On-Off-Mechanismus, im Politischen gibt es viele Schattierungen, sic zu zeigen, sich einzubringen, Anstöße zu formulieren und zu setzen. Zweitens braucht die deutsche Stiftungslandschaft als Ganzes womöglich einen Unabhängigkeitsschub. Wer unabhängig ist von staatlichen Zuschüssen, der verdient sich das Steuerprivileg aus sich heraus. Unangreifbarer zu sein, ist dann hier ein Ergebnis, politischer sein zu können, ein anderes. Drittens braucht es einen Gipfel für das Gelingen. Es gibt Autogipfel, Stahlgipfel, Chemiegipfel, wo ist das Gipfeltreffen im Kanzleramt für das Gelingen, für den Sektor, dem so viel gelingt? Hier hat Deutschland Nachholbedarf, auch das Gelingen will gehegt werden.

StiftungsApero Potsdam

Über den Dächern Potsdams und Kölns ändert sich der Blick aufs Gelingen

Auf dem Tempelturm, den wir dank René Schreiter final noch besichtigen durften (obschon er für Führungen sonst nicht offensteht), konnten wir hierzu noch einmal ein paar Gedanken rekapitulieren. Praktisch ein „Über den Dächern von Potsdam“, nur nicht mit Cary Grant, sondern mit den Gästen des StiftungsApéros in Potsdam. Über den Dächern Köln ging es tags drauf weiter mit der StiftungsApéro SommerTour 2026. Hier schälte sich die Erkenntnis heraus, dass Silo-Stiftungen zu den Verlierern gehören werden. Jene die nur mit sich selbst befasst sind, die keine Haltung zum öffentlichen Diskurs zeigen, jene die nicht willens sind, sich zu verändern und mit der Zeitz zu gehen. Die Frage danach, ob Stiftungen politischer sein sollten, wurde auch in Köln sehr differenziert beantwortet.

StiftungsApero Köln 2026

Raus aus den Silos, rein ins Kräftebündeln

Das Spektrum reichte von „Stiftungen sind per se politisch“ bis hin zu „Stiftungen und politisch sein ist auch die Frage nach der Unabhängigkeit von politischer Alimentation“. Aus den drei Impulsen von Laura Plöger (DKMS), Carsten Schmitz (Zeitpolster) und Bernadette Drescher (RheinenergieStiftung) lässt sich zudem Eines herauslesen: Gelingen ist die Klammer des Stiftungswesens, aber Gelingen gelingt nicht mal einfach so. Im Fundraising ist es die strategische Idee, auf der Projektseite kann es die Skalierungsidee sein. In den Gremien muss es die Verjüngungs- und Verkleinerungsidee sein, im Stiftungsvermögen die Resilienzidee, die Stiftungshandeln leitet. Bei allem kann Stiftungen künftig noch viel stärker die Kooperationsidee einen, denn Kräfte bündeln heißt, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, Hürden überwinden und Widerständen widerstehen zu können.

Das war das Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen in Leipzig:
Lesen und schauen Sie rein, wer vor Ort war, was diskutiert wurde, was Sie verpasst haben, so Sie nicht in Leipzig dabei waren.

Zusammengefasst

Die StiftungsApéros in Potsdam und Köln zeigten, dass sich der Diskurs im Stiftungssektor verändert. Er maßt sich nicht mehr an, auf alles eine Antwort zu haben, er wird pragmatischer, er stellt manches im Sektor in Frage. Aber genau das braucht es, wenn einem der Wind ins Gesicht bläst. Es waren zwei intensive StiftungsApéros in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, die gezeigt haben, dass es im Stiftungssilo zwar gemütlich ist, dass es um das Silo herum aber auch schnell einsam sein kann. Wir machen uns nun auf den Weg zum „The Gatsby 26“ in Augsburg, wo wir über New Giving sprechen werden, wo wir ein Bild davon bekommen werden, inwiefern sich Stiftungen für die Welt des Neuen Gebens ein Stück weit neu erfinden müssen. Die StiftungsApéro SommerTour macht sich auf zur l’Alpe d’Augsburg.

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Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Er ist Herausgeber der FondsFibel für Stiftungen & NPOs, dem führenden Nachschlagewerk für Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds (www.fondsfibel.de), Vorträge hält er vor allem zum Thema ‚Stiftungen und ihr Weg in die digitale Welt‘. Für beide Themen betreibt er den Blog #stiftungenstärken.