Das resiliente Stiftungsvermögen lässt sich nicht einfach malen

#vtfds2022 – der Ausblick: Warum im Stiftungsvermögen der Blick wieder stärker auf Resilienz gelegt werden sollte

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#vtfds2022 - Das resiliente Stiftungsvermögen
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Das resiliente Stiftungsvermögen ist sicherlich ein großes Ziel, aber warum geben wir der Verwaltung des Stiftungsvermögens nicht mal eine große Idee. Natürlich gibt es nicht die eine perfekte Anlagestrategie für das Stiftungsvermögen. Es gibt jedoch sehr viel gutes Handwerk, das auf das Ziel einzahlen kann, Stiftungsvermögen resilienter zu machen. Denn Resilienz besteht aus verschiedenen Disziplinen, die es auch braucht. Das Malen bzw. die dahintersteckende Kreativität ist nur eine davon. Auch darüber sprechen wir beim 3. Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen

Wer sich mit dem Begriff der Resilienz beschäftigt, der landet automatisch bei der Kauai-Studie der amerikanischen Forscherin Emmy Werner. Sie untersuchte Kinder der Insel Kauai daraufhin, wie diese trotz belastender Faktoren ein geruhsames, zufriedenes und auch erfolgreiches Leben führten. Sie zeigten sich also widerstandskräftig gegenüber den Mühen des Lebens, und auch gegenüber externen Schocks. Genau das erwarten Stiftungen letztlich auch von ihrem Stiftungsvermögen bzw. der Strategie für dessen Verwaltung. Denn dort wo das Stiftungsvermögen genau diese Widerstandskraft zeigt, lässt sich die Stiftungsarbeit langfristig planen.

Verletzte Sorgfaltspflichten als interner Test der Widerstandskraft

Diese Widerstandskraft ist aber nur eine Definition von Resilienz, eine andere sieht vor, dass Resilienz auch etwas mit der Widerstandskraft gegenüber internen Veränderungen zu tun hat. Was kann das bei einer Stiftung sein? Ein Vorstandswechsel beispielsweise, ein markanter Fehler, durch den Stiftungsvermögen verzehrt wird. Oder aber ein Reputationsschaden, der entstanden ist durch fehlerhaftes Handeln der Verantwortlichen, der durch eine teure Kampagne bereinigt werden soll. Auch dagegen sollte eine Stiftung eine gewisse Widerstandskraft mitbringen, denn verletzte Sorgfaltspflichten sind etwa, das manchmal auch einfach passiert. In solch einem Fall darf es eine Stiftung nicht „umhauen“.

Ist Stiftungsvermögen zu abhängig von den Kapitalmärkten?

Dies alles schließt auch die Widerstandskraft des Stiftungsvermögens mit ein. Beziehungsweise kann Resilienz im Stiftungsvermögen auch als wirtschaftliches Stehvermögen interpretiert werden. Das bedeutet nun, dass eine Stiftung ihren Verpflichtungen auch dann nachgehen kann, wenn beispielsweise an den Kapitalmärkten mal magere Jahre anstehen. Wenn die Renditen nicht sprudeln, sondern so dünn gesät sind wie eine Oase in der Wüste. Hier zu bestehen und seinen Zusagen nachkommen zu können, das lässt sich als Resilienz beschreiben. Andererseits bedeutet Resilienz im Stiftungsvermögen auch, nicht zu sehr abhängig von den Wirren und Wehen des Kapitalmarkts zu sein. Eines der Zauberwörter hier lautet Korrelation.

Breitestmögliche Diversifikation als Ausgangspunkt

Wer nur Anleihen hat, dessen Stiftungsvermögen ist eng korreliert mit der Zinsentwicklung bzw. der Entwicklung der Anleihemärkte. Wer Aktien hält, dessen Exposure hängt eng an den Börsen, an der Konjunktur – aber eben auch eng an politischen Verwerfungen, wie wir sie derzeit durch den Russland-Feldzug gegen die Ukraine sehen. Und so weiter. Viele große Stiftungen in der Welt haben sich hiervon durch eine breitestmögliche Diversifikation frei gemacht, sie haben entlang ganz verschiedener Dimensionen diversifiziert. Sie haben nach Assetklassen diversifiziert, nach Anlagestilen, nach Investmentanbietern, nach Einstiegszeitpunkten, nach Anlageregionen, nach liquiden und illiquiden Anlagen.

Politische Regime im Augen behalten

So gestreut ist ein Stiftungsvermögen genau noch dann verwundbar, wenn die Stiftungsverantwortlichen den Überblick verlieren oder aber sich politische Regime ganz grundlegend verändern. Wir sehen derlei gerade durch die Diskussion um chinesische Aktien. Die US-Behörden verlangen hier eine Rechnungslegung nach US-Standards, kann das nicht geliefert werden, werden diese chinesischen Unternehmen von der Börse in den USA de-listed. Solch ein Vorgang ist zwar nicht neu, aber die Erinnerung an solche Winkelzüge sind doch recht verblasst. Spielte China bislang in der Asset Allocation eine Rolle, muss hier komplett neu gedacht werden. Die Geschwindigkeit spielt hier dann eine Rolle, wer schnell reagieren kann, dessen Allokation erweist sich vermutlich erst einmal widerstandsfähiger als die von anderen Akteuren.

TV-TIPP:
Über das resilientere Stiftungsvermögen sprechen wir beim 3. Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen am 27.4.2022 unter anderem mit Dr. Uwe Dyk von der Karl Schlecht Stiftung, dem Wirtschaftshistoriker Dr. Thomas Adam, dem Stiftungsexperten Hans-Dieter Meisbeger von der DZ Privatbank sowie Dr. Stefan Nährlich von der Stiftung Aktive Bürgerschaft. Das komplette Programm finden Sie auf www.vtfds.de.

Es geht ums wirtschaftliche Stehvermögen

Im Stiftungsvermögen bedeutet Resilienz letztlich vor allem, und hier sind wir wieder beim wirtschaftlichen Stehvermögen, die Verpflichtungen der Stiftungen stets bedienen zu können. Egal ob Nullzins, Hochinflation, geopolitische Verspannungen, die Ausgabenseite darf davon nicht tangiert werden. Andersherum: Die Einnahmeseite muss stets in der Lage sein, die Notwendigkeiten der Ausgabenseite decken zu können. Und hier helfen dann vielleicht auch mal Simulationen. Schauen Sie doch mal ob ihr aktueller ordentlicher Ertrag bei einem Zins von 3% und einem DAX von 10.000 Punkten noch so fließen würde wie aktuell. Auch macht es Sin zu schauen, ob es Reserven gäbe, aus Rücklagen oder Kurszuwächsen, um zunächst ohne Antasten des Stiftungsstocks die Zweckverwirklichung gewährleisten zu können.

Wie lange weicht eine Gemengelage von der Norm ab?

Ist das machbar, dann ist eine Bedingung von Resilienz auf jeden Fall schon einmal erfüllt. Dann kommt natürlich die Ebene hinzu, wenn eine von der Norm abweichende Gemengelage länger anhält (wenn sie nicht gerade zur neuen Norm wird). Was müsste ich tun, um dann meine Ausgabenseite weiter „versorgen“ zu können. Wäre ich dazu in der Lage? Hier geht es dann um das Abhärten einer Anlagestrategie, so wie sich die Kinder der Kauai-Studie auch ab einem Punkt abgehärtet haben und dadurch den schwierigen äußeren Bedingungen trotzdem Positives abtrotzen konnten. Abhärten im Stiftungsvermögen heißt sicherlich, kapitalerhaltende Strategien bei der Hand zu haben, und auch Vermögensbausteine, die im Fall der Fälle wie eine richtige Versicherung wirken. Gold oder Silber wären hier so ein Beispiel.

Zusammengefasst

Resilienz im Stiftungsvermögen lässt sich nicht malen, diese muss erarbeitet werden. Das dauert oft Jahre, es gibt dafür keine Faustformel, und vor allem keine Blaupause. Was es aber gibt sind Anregungen von anderen erfolgreichen Investoren, und eben auch von den vor Jahrzehnten getätigten Studien rund um den Themenkreis Resilienz. Hier standen Menschen im Vordergrund, die widrige Bedingungen meistern konnten, weil sie sich angepasst und ihr Verhalten verändert haben. Sukzessive bildete sich eine Widerstandskraft heraus. Genauso dürfte der Weg für das Stiftungsvermögen sein. Ein steiniger zwar, aber eben auch ein gangbarer.