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Stiftungsvermögen und der klassische Sechser

Das 3-Konten-Modell – eine Art Mannschaftsaufstellung für das Stiftungsvermögen

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vtfds26 Interview Andreas Lindner
Lesezeit: 3 Minuten

Pünktlich zur beginnenden Fußball-WM sind wir auch alle wieder Fußballexperten, bzw. Fußballtrainer. 4-3-3, das klassische 4-2-3-1- oder doch 3-6-2? Wir wissen es eh am besten, wer wann wo raussschieben und die Räume zumachen muss, und dass am Schluss die individuelle Qualität des Gegners entschieden hat. Grundsätzlich hat eine Fußball-Mannschaft drei Mannschaftsteile, was uns zum Drei-Konten-Modell für Stiftungen bringt. Ein dreigeteiltes Stiftungsvermögen, dessen Teile ganz eigene Aufgaben haben, für die Ertrags- und Resilienzanforderungen – wir sprachen zum #vtfds26 drüber mit Andreas Lindner.

#stiftungenstärken: Warum muss ein Stiftungsmanager heute ein Stück weit wie ein Fußballtrainer denken und handeln?

Andreas Lindner: Weil sich die Welt, wie der Fußball eben auch, grundlegend verändert hat. Es geht auf 2 Tore, das Spiel dauert 90 Minuten, und Schluss ist wenn der Schiri abpfeift, aber dazwischen ist Vieles nicht mehr so wie noch bei Beckenbauer, Matthäus oder Buchwald. Die fortschreitende Fragmentierung der Weltordnung sowie latente Inflationsrisiken gefährden die nominelle Stabilität von Kapitalanlagen. Mit diesen Veränderungen steigen die Anforderun­gen an das Management des Stiftungsvermögens. Um die Zukunftsfähigkeit des Stiftungszwecks sicherzustellen, stellt eine zeitgemäße Investiti­onsarchitektur die strategische Asset Allokation in den Fokus. Während die taktische Allokation des Stiftungsvermögens Wirksamkeit und Entwicklung der einzelnen Vermögenswerte verfolgt, sollte die strategische Allokation eine übergeordnete Struktur bieten.

Also richtet man sich stärker an einzelnen Aufgaben für das Stiftungsvermögen aus, nicht nur an der einen Aufgabe?

Das kann man so sagen, ja. Das Drei-Kontenmodell ist, wenn Sie so wollen, Renditetreiber, Liquiditätsreserve-Puffer und Ertragsquelle in einem. Damit lassen sich die Investitionen innerhalb des Stiftungsvermögens sinnvoll verorten, um ihre jeweilige Aufgabe (z.B. Stabilisierung oder Werttreiber des Portfolios) und die für den Stiftungs­zweck nötige Sicherstellung der Liquidität zu erfüllen. Zwar gib es für die taktische Allokation von Vermögenswerten zahlreiche empirisch erfolgreiche Ansätze, zum Beispiel Value oder Growth oder Opportunistische Investments, jedoch mangelt es hier häufig auf der strategischen Ebene an einer robusten und managebaren Investitionsstrategie.

FestivalTipp:
Andreas Lindner ist Gast beim VTFDS26 Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen und bringt dort das 3-Konten-Modell als Gedankenanstoß mit – an Tag 1 des VTFDS26, um 15 Uhr im Haus 1 im Raum Disco, gemeinsam mit Trutz Rendtorff und Dr. Stefan Fritz.

vtfds26 in Leipzig

Wenn wir also tiefer einsteigen in das 3-Konten-Modell für das Stiftungsvermögen, in diese Idee Stiftungsvermögen aufzustellen, was kann das 3-Konten-Modell leisten?

Die traditionelle Sichtweise, Stiftungs­vermögen als einen „homogenen Gesamtpool“ zu verwalten kommt an ihre Grenzen. Strategie wie im Mannschafts-Sport, das werden wir jetzt bei der Fußball-WM auch oft hören, dieses Wort Strategie. Die Spiel-Strategie des Trainers weist den Spielern innerhalb einer Mannschaft eine definierte Aufgabe und Funktion zu. Während z.B. einer das Tor hütet, das Mittelfeld den Spielaufbau im Auge hat, soll der Sturm für Tore sorgen. Die Abwehr sichert ab. Erst diese grundlegende Strategie ermöglicht ein erfolgreiches (Zusammen-)Spiel. So wie z.B. im Fußball die Spieler für eine Position trainiert sind, haben auch die meisten Vermögenswerte (z.B. Aktien, Anleihen oder Immobilien) Stärken und Schwächen, mit denen sie sich für eine bestimmte Position innerhalb des Stiftungsvermögens qualifizieren. Eine zukunftsfähige strategische Allokation, ich übersetze das für mich mit 3-Konten-Modell, ist somit die Basis für eine effektive Kombination unterschiedlicher Vermögenswerte.

Was ist nun in den drei Konten „drin“?


Für die unterschiedlichen Verpflichtungen der Stiftung, etwa Betriebskosten, oder eben den Stiftungszweck, sind die regelmäßigen Entnahmen aus der Wertschöpfung der Vermögens­werte essenziell. Eine Entnahme von z.B. 5% p.a. ohne Verzehr des Stiftungsvermögens lässt sich folgendermaßen strukturieren. 15% des Stiftungsvermögens im Konto Nummer 1 stellen den Kapitalbedarf für 3 Jahre sicher. 25% des Stiftungsvermögens im Konto Nummer 2 können bereits 3 Jahre Erträge generieren, bevor Teile davon für weitere Entnahmen ins Konto Nummer 1 umgebucht werden. Selbst mit einer geringen Verzinsung sollten damit die Entnahmen für ca. 10 Jahre darstellbar sein. Damit können die Vermögenswerte in Höhe von 60% des Stiftungsvermögens im Konto Nummer 3 für 10 Jahre in höher rentierliche Anlagen investiert werden. Ich denke das Stiftungsvermögen von den Ausgaben her, definiere dazu dann, wie ich das Team aus Investitionsmöglichkeiten zusammenstelle.

Man nimmt so gesehen wie ein Trainer Spielzüge des Gegners voraus?

Wenn Sie so wollen, ja. Es ist essentiell für Stiftungen, Stiftungsvermögen nicht nur als Kalenderjahresbetrachtung zu sehen. Dieses Weiten des Anlagehorizonts ist wie das Heben des Vorhangs, danach öffnen sich andere Perspektiven. Genau das braucht es heute aber auch: auf eine komplexe Welt gibt es keine einfachen Antworten mehr. Die deutsche Mannschaft braucht die deutschen Tugenden in den USA, Mexiko und Kanada, auf jeden Fall. Aber eben nicht nur. Für den ganz großen Erfolg wird das allein nicht mehr reichen.

Eine schöne Parallele, wir danken Ihnen für den Gedanken und die Hintergründe dazu.