4% sollten es schon sein

Klarer „Call to action“ während des DZPB Stiftungs-Aperos

26
Nachlese Genossenschaftlicher Apero
Lesezeit: 4 Minuten

Stiftungen sind angehalten, ihre Vermögensverwaltung möglichst professionell zu betreiben, um ihre Wirk- und Zukunftsfähigkeit zu wahren. Diese eindeutige Botschaft gab es zum Auftakt des Stiftungstages bei der DZPB-Auftaktveranstaltung.

Hannover war ein Experiment, Wiesbaden die Wiederholung, Hamburg schon Tradition: So lernten es die Besucher des Stiftungs-Aperos der DZ Privatbank als offiziellen Vorabend-Event des deutschen Stiftungstages in der Hamburger Kunsthalle. Natürlich ging es auch wieder um die Magie des sozialen Engagements, zentralen Raum nahm indes das Anlagethema ein. Arasch Charifi (Vorstand Private Banking&LuxCredit DZ Privatbank) wartete gleich in der Begrüßung mit klaren Zahlen auf: Im genossenschaftlichen Sektor seien etwa 12 Mrd. EUR an Vermögen von Stiftungen und anderen non-profit-Organisationen auf den Konten, mehr als 4 Mrd. EUR werden direkt von der DZPB verwaltet, aufgeteilt in 1.100 Stiftungen.

An diesen Zahlen sieht man bereits, dass das Geschäft eher kleinteilig ist. Das liegt daran, dass die Genossenschaftsgruppe, ähnlich wie die öffentlich-rechtlichen Sparkassen, in der Fläche vertreten sind. So haben die Genossen Kriterien entwickelt, um gelingende Bürgerstiftungen zu unterstützen. Zudem findet der genossenschaftliche Sektor guten Zugang zu Unternehmern, denn viele Hidden Champions als Weltmarktführer befinden sich weiterhin in der Peripherie und nicht in den Zentren. Viele sind das geworden, was sie sind, weil die örtlichen Volksbanken sie in frühen Stadien und zum Teil seit mehr als 100 Jahren finanziert haben. Aus dem Kreis dieser häufig noch immer als Familienunternehmen verfassten Gesellschaften mit Unternehmenspersönlichkeiten entstehen sehr viele Stiftungen. Diese Stifter vergessen die gute Zusammenarbeit nicht und wenden sich auch mit Fragen zur Stiftungsgründung häufig an die Volksbanken vor Ort.

Aus Freiheit handeln

Doch zunächst zur Magie des sozialen Handelns. Die DZPB hatte dazu Sara Nuru eingeladen. Einst Siegerin von Germany´s next Topmodel hat die in Deutschland geborene Tochter äthiopischer Einwanderer nicht den Weg auf die Laufstege dieser Welt gesucht, sondern sich einem sozialem Unternehmen gewidmet: nuruCoffee wurde von den Schwestern Sali und Sara Nuru gegründet. „Aus Liebe zu Äthiopien und aus Liebe zu gutem Kaffee beschlossen wir, ein Social Business zu gründen. Ziel ist es, durch wirtschaftliches Handeln Gutes zu tun und somit eine Alternative zum herkömmlichen Spendenmodell anzubieten. Zudem möchten wir Äthiopien, das Land unserer Eltern, von einer neuen und positiven Perspektive zeigen“ betont Nuru.

Die Leidenschaft für Kaffee liege in der Familie. „Unsere Mutter zelebriert, wie fast jede äthiopische Mutter, die traditionellen Kaffeezeremonien mit ganz viel Stolz und Liebe. Seit wir denken können, riecht es zu Hause jeden Mittwoch nach frisch gerösteten Kaffeebohnen. Die grünen Bohnen werden erst auf offenem Feuer geröstet und dann eigenhändig gemahlen, um anschließend dreimal in einem Jebena (Tonkrug) aufgebrüht und gemeinsam mit der Familie und Freund:innen getrunken zu werden.“

In der Hamburger Kunsthalle griff Nuru das Motto des Stiftungstages –Aus Freiheit handeln – auf, um zu betonen, dass die grundsätzliche Freiheit zu starten, und die besondere, persönliche Freiheit, ein eigenes Social Business zu starten, ein „Privileg“ sei. Diese Freiheit, obwohl sie nichts studiert habe, ja noch nicht einmal einen Schulabschluss besitze, definierte sie zu so etwas wie einer Pflicht um: „Es kann ja nicht das Leben gewesen sein, eine Castingshow zu gewinnen.“ Ganz bewusst habe sie und ihre Schwester entschieden, kein Spendenmodell (oder eine Stiftung) anzustreben, sondern ein Business: „Afrika ist so viel mehr als Bedürftigkeit.“ Man müsse die Potenziale der Menschen fördern, insbesondere jene der Frauen.

Klare Ansage an Stiftungen

In einem weiteren Panel gab es klare Botschaften für Stiftungen. Dr. Christoph Mecking, Stiftungsexperte, betonte, dass dem Sektor viel Vertrauen gewährt werde und Stiftungen eine gesellschaftliche Verantwortung tragen. Anders ausgedrückt: „Stiftungen müssen sich dem Wichtigen, dem Großen widmen.“ Um dies zu können, müssten möglichst viele Mittel bereitgestellt werden. Bei der Vermögensanlage seien „viele Verantwortliche aber sehr eng unterwegs, obwohl sie sehr wol Freiheiten besitzen.“ So, wie sich Sara Nuru angesichts der Entbehrungen und der Leistung ihrer Eltern verpflichtet fühlt, zu handeln, sollten sich Stiftungen enenfalls daran machen, zu handeln: “Ich möchte den Verantwortlichen gerne Mut machen, neue Wege in der Vermögensanlage zu gehen.“

Wir reden von Aktien

Mit ganz konkreten Zahlen wartete Charifi auf. „4% sollten es schon sein“ meinte der Banker, „wir liegen langfristig bei 4,4%“. Das lasse sich nicht mit 10 oder 20% Aktien schaffen, „wir reden hier von 50%, sonst wird man nicht zukunftsfähig bleiben.“ Es war nun kein Gemurmel bei den Stiftungsvertretern zu vernehmen, aber wohl doch die eine oder andere hochgezogene Augenbraue zu sehen. 50% Aktien angesichts des wankelmütigen Weltenlaufes? „Man kann den Verlauf an der Börse im Moment nicht erklären, die Irrationalität des Marktes muss man natürlich ansprechen“ so Charifi. Damit wies er – ohne es explizit auszusprechen, auf eine alte Weisheit hin: Ja, Aktien zu besitzen birgt Risiken. Aber es birgt manchmal größere Risiken, keine zu besitzen.

Dr. Alexandra Gerstner, Vorsitzende der Geschäftsführung der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, wies darauf hin, dass Stiftungen mit Kooperationen und Förderpartnern ihren eigenen Einsatz gewissermaßen hebeln können: „Wir haben die Freiheit, mit vielen Partnern zu arbeiten,“ nahm sie Bezug auf das Motto des Stiftungstages. Uwe Fröhlich, ehemaliger Präsident des BVR sowie ehemaliger Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG, sagte: „Das Schlechteste ist es, zu zaudern und abzuwarten. Stiftungen sollten aktiv gestalten.“ Man sehe noch immer viel Unkenntnis über den Kapitaleinsatz, hier bedürfe es einer anderen Einstellung der Verantwortlichen.

Zusammengefasst

Der Apero der DZPB brachte beide Aspekte des sozialen Engagements wunderbar miteinander in Verbindung: Einerseits durch Sara Nuru die wunderbare Beschreibung der Möglichkeiten, anderen Menschen zu helfen – wenn man sich nur die Freiheit nimmt, die Hilfe zu starten. Und andererseits die Aufforderung an Stiftungen, sich die Freiheit zu nehmen und endlich die Professionalität der Vermögensanlage in der Breite zu professionalisieren.