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Je mehr passiert, um so ruhiger werden die Märkte

Was beim DST rund um die Vermögensanlage besprochen wurde

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Nachlese DST26
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Aktien, Gold, oder doch Immobilien? ESG und Impact oder doch lieber konventionell? Viele Fragen kreisen um die Vermögensanlage für Stiftungen. Und natürlich konnten die Experten während des Deutschen Stiftungstages nicht die eine, durchschlagende Lösung aufzeigen. Es bleibt kompliziert.

Die Runde der Chefvolkswirte

Highlight des Stiftungstages, wenn es um Vermögen geht, ist die Runde der Chefvolkswirte, ergänzt durch Michael Dittrich, Generalsekretär der Bundesstiftung Umwelt. Der stellte zur Eingangsfrage fest, dass die Unruhe an den Märkten abnimmt: „Soooo viele Krisen, aber je mehr passiert, je ruhiger werden die Märkte.“ Alles eine Frage der Gewöhnung also, nach dem gefühlt Millionsten Post oder KI-generierten Reel von DJT? Keineswegs, betonte Carsten Klude, Chefvolkswirt M.M.Warburg & CO, man müsse sich die Wirtschaftsentwicklung anschauen, nicht nur die Politik. Gerade in den USA sei das Gewinnwachstum der Unternehmen besonders hoch, ergänzte Dr. Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland der Deutschen Bank. Weil das so sei, befand Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, seien die Entwicklungen zum Beispiel an der Straße von Hormus so entscheidend, denn: „Wenn die Gewinne abschmelzen, dann kommen auch die Kurse unter Druck.“

Vorsicht gegenüber USA-Engagements

In Summe zeigte sich Dittrich sehr reserviert gegen US-Investments. Man habe einen Anteil im Depot, weite diesen aber nicht aus und sei auf der Hut. „Die amerikanische Regierung denkt permanent darüber nach, wie sie ausländische Investoren an der Sanierung des Haushalts beteiligen kann.“ Heißt übersetzt nicht anderes, als dass über Coupon-Schnitte nachgedacht werde. Das lässt sich an den Märkten im Übrigen ziemlich direkt ablesen. Während Google eine Anleihe mit 60 Monaten Laufzeit für 1,1% p.a. platzieren konnte, müssen die USA 4,1% p.a. bieten, um eine Staatsanleihe mit 24-monatiger Laufzeit an den Mann zu bringen. Für Winkler hängt das Zinsniveau der US-Bonds auch mit dem Goldpreis zusammen. Dessen Anstieg sei durch die geopolitischen Verwerfungen erklärbar: „Viele Investoren haben USD-denominierte Assetklassen reduziert und die frei werdenden Mittel in Gold investiert.“

Wie ist das nun mit den Zinsen?

Jegliche Investitionsentscheidungen, nicht nur im Fixed Income-Bereich, werden natürlich vom Zinsumfeld beeinflusst. Winkler nannte für die Deutsche Bank die Erwartung von etwa einem Prozent in den kommenden 1-2 Jahren. Krämer schloss sich prinzipiell an, die Politisierung der US-amerikansichen Notenbank FED sei ein starkes Indiz für steigende Zinsen. Er betonte, dass auch die EZB alles andere als politisch unabhängig sei, da eine Vielzahl von Entscheidern eine politische Vergangenheit besitzen und Entscheidungen nicht auf der reinen Lehre, sondern entlang politischer Erwägungen getroffen würden. Für Dittrich ist klar: „Wir erwarten steigende Zinsen und damit fallende Notierungen, aber wir halten dann bis zur Endfälligkeit.“ Das war ja auch die erfolgreiche Strategie praktisch aller Stiftungsfonds, soweit sie Anleihen hielten, zur Bewältigung der Verwerfungen 2022.

Und wie ist das mit Deutschland-Invests?

„Man kann die deutsche Wirtschaft nicht mit Rüstungs-Großaufträgen retten.“ Für Krämer ist der oft angeführte Rettungsanker nicht wirklich werthaltig. Klude meinte: „Das Geschäftsmodell Deutschland funktioniert so nicht mehr.“ Allerdings, warf Winkler ein: „Zwei Drittel der Umsätze der DAX-Konzerne werden im Ausland generiert.“ Insgesamt überwog aber die Skepsis, vor allem, weil deutsche Unternehmen auf dem EU-Binnenmarkt unterzugehen drohen. Dies, so Winkler, „weil China mit unfairem Mitteln kämpft“. Dem schloss sich Krämer an: „China spielt unfair. Das Problem ist alt, denn die riesige Subventionierung gibt es seit Jahren. Man muss mehr Anti-Dumping-Zölle einsetzen.“

Zwischenfazit

Kurzfazit zur Runde: Am lukrativsten dürfte es sein, die Party der US-Aktien so lange wie möglich mitzufeiern und auch die vergleichsweise sehr hohen Zinsen der Staatsanleihen mitzunehmen. Wobei das Argument Winklers pro (US-)Aktien stichhaltig erscheint. Sein Statement, das in seiner Stringenz und Klarheit nur zu unterstützen ist, muss man sich gleichsam auf der Zunge zergehen lassen: „Das Produktivitätswachstum durch KI wird bei den Unternehmen landen. Nicht bei den Arbeitnehmern.“ Also in den Bilanzen, nicht auf dem Lohnzettel – überwiegend.

Und wie ist das mit Immobilien?

Können Immobilien eine gute Alternative für Stiftungen sein? Fasst man die Diskussion des Arbeitskreises Stiftungsvermögen und Immobilien zusammen, kommt man eher zu einem „Jein“. Prof. Dr. Tobias Just Wissenschaftlicher Leiter, IREBS Immobilienakademie der Uni Regensburg, zeigte während seines Vortrags eine Reihe von Risiken auf. Vor allem bei Gewerbeimmobilien sei Vorsicht angebracht. In 2027 würden für 17% des Sektors Anschlussfinanzierungen anstehen, zudem drohe das Ausdünnen des Gewerbes an der Peripherie. Ganz grundsätzlich sei Mixed Use das Schlagwort der Stunde, also die Frage, wie variabel ein bestehendes Gebäude genutzt werden kann. „Welche Immobilie hat Anpassungspotenzial, sowohl baulich als auch bau- und nutzungsrechtlich?“ laute die für die Rendite entscheidende Frage. Stephan Römer, Wirtschaftsprüfer und Immobilienexperte, warnte: „Immobilien sind nicht so einfach, wie es aussieht.“

Impact nur begrenzt möglich

Die Frage, ob Stiftungen bei Impact-Lösungen nicht im Vorteil sind, wurde ebenfalls nur mit einem „Jein“ beantwortet. Das könne bei Stiftungen mit entsprechendem Zweck bei Krankenhäusern Pflegeheimen oder Kinderbetreuung Sinn machen, „aber ansonsten muss man das unter Ertragsgesichtspunkten sehen“, waren sich Just und Römer einig. Und auch nachhaltige Gebäude würden keine satten Renditen versprechen. Just: „Es gibt keinen grünen zuschlag, aber einen nicht-nachhaltigen Abschlag.“

Zusammengefasst

Die Veranlagung des Stiftungsvermögens bleibt herausfordernd. Zu viele, zum Teil divergierende Einschätzungen, prasseln auf entscheider ein. Was bleibt, sind die Basics: Diversifikation, nach Möglichkeit Dekorrelation, und auf jeden Fall aktives Management.