Wir blicken zurück auf das Stiftungsjahr 2022

WeihnachtsPOST von stiftungsmarktplatz.eu, 24. Dezember 2022

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Lesezeit: 5 Minuten

es gab Fußballer, die haben, wenn sie Revue passieren lassen sagen wollten, gemeint, sie wollten bspw. das vergangene Jahr noch einmal Paroli laufen lassen. Fußballern ist es in der Regel nicht vermocht, rund um Weihnachten ihre Gefühle auszudrücken wie Theodor Fontane diese auszudrücken wusste: „Weiß sind die Türme, Dächer, Zweige, und das Jahr geht auf die Neige, und das schönste Fest ist da.“

Auch wir wollen an Weihnachten das Jahr nochmal gedanklich abschreiten. 2022 war ein Jahr, das wie im Sauseschritt vergangen ist und in dem sich in diesem Zeitenwirbel eine Zeitenwende abgespielt hat. So zumindest besagt es die Kür für das Wort des Jahres. Eben jenes Wort Zeitenwende hat es auf das oberste Treppchen am Stockerl geschafft.

Anlagerichtlinie als ein Wort des Jahres

Aber was waren unsere Wortes des Jahres, aus Stiftungssicht? Einmal sicherlich das Wort Anlagerichtlinie. In Folge 1 von #fondsfibel AKTUELL (mittlerweile sind es übrigens deren 4), unserem damals neuen TV-Talk rund um Stiftungsfonds & Co. sprachen wir mit dem Stiftungsexperten der DZ Privatbank, Hans-Dieter Meisberger und Stiftungsvorstand Karsten Behr (BINGO-Umweltstiftung) über eben jene Anlagerichtlinie. Diese sei einmal wie ein guter Vertrag zu handhaben, zum anderen habe dieses es mit der Stiftungsrechtsreform ins BGB geschafft. Was wir zum Zeitpunkt der Aufzeichnung noch nicht wussten war, dass der Tag der Ausstrahlung der 24.2.2022 sein würde – jener Tag, an dem die Welt sich geopolitisch endgültig aus der heimeligen Nach-Mauerfall-Gemütlichkeit verabschiedete.

FondsFibel

Ohne Stiftungswebsite geht es künftig kaum mehr

Auch so ein Wort, das uns sehr oft unterkam, war das Wort Stiftungswebsite.

Gerade in Zuge der Ukraine-Krise spielten Stiftungswebsites eine enorme Rolle – als Plattform, als Sprachrohr, und als Ort des Gelingens.

In einer unserer Ultmativen Stiftungswebsite-Lobhudeleien hat sich unsere Kollegin Hanna Günther mit der Stiftungswebsite der Robert Bosch Stiftung beschäftigt, und auch damit, warum hier das Wort ultimativ durchaus richtiggewählt war.

Eines hat 2022 zudem gezeigt: Es ist nicht gut, wenn die Stiftungswebsite schweigt, auch wenn gezieltes Schweigen in umwälzenden Zeiten ein Schweigen vielleicht die beste aller Kommunikationsbemühungen wäre. In diesem Kontext haben wir viel über die Twitter-Blase gehört, in der sich der Stiftungssektor bewegt, weshalb es vielleicht doch eine Idee sein könnte, Twitter als Plattform trotz der musk’schen Verwerfungen nicht den Rücken zu kehren.

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Die Stiftungstage sind wieder live

Was für uns ebenfalls so ein Wort des Jahres war, ist jenes des Terminwahnsinns. Im Sommer bzw. Frühherbst überlappten sich die Termine teilweise so unkoordiniert, dass Stiftungsverantwortliche beispielsweise zwischen Fundraising Kongress und Deutscher Stiftungstag gar nicht mehr nach Hause kamen. Diese Terminenge aber hatte auf der anderen Seite wieder etwas für sich. Man nutzte die Zeit, die einem für einen Stiftungstag blieb, umso intensiver.

Auf dem Schweizer Stiftungstag von profonds Anfang November lernten wir zudem, dass das Ökosystem Stiftung stärker werden mussund dass Stiftungen schon noch ein modernes Modell für Engagement darstellen.

Regionale Stiftungstage wie jener in Berlin wiederum ließ mal tiefer in den Maschinenraum von Stiftungsexperten blicken. Wir sprachen am Rande dessen im Roten Rathaus beispielsweise mit Andrea Frank vom Stifterverband der Deutschen Wissenschaft. Thema war die Zeitenwende, und dass diese Stiftungen definitiv etwas angehen muss und wird.

Berlin awakening
Berlin am Abend des Berliner Stiftungstag 2022 – ein Eindruck bleibt: Dieser Stiftungstag lebt, und Franziska Giffey sagte es trefflich, dass eine lebendige Stiftungslandschaft künftig ein Standortfaktor für eine Stadt sein dürfte.
Bild: Berlin awakening, Quelle: Archiv stiftungsmarktplatz.eu

Vier Wörter des Jahres zum Stiftungsvermögen

Es gibt wieder Zinsen! Wir müssen es konstatieren, dass sich in 2022 Historisches zugetragen hat. Der Zinsanstieg, den wir in 2022 gesehen haben, war so weder vorauszusehen und hat so auch noch nie stattgefunden. Parallel dazu fielen die Aktienkurse, teilweise wie Steine, was zur Folge hatte, dass egal ob ein Stiftungsvermögen zu 70% in Anleihen und 30% in Aktien investieren war, oder zu 60% hier und zu 40% dort, oder zu 80% hier und 20% dort, es von allen Seiten „reinregnete“. Das ganz klassische Anlegen des Stiftungsvermögen hat vermutlich das schlechteste Jahr hinter sich ever.

Bei unserem 3. Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen habe wir uns demgemäß nicht umsonst mit dem Thema Resilienz des Stiftungsvermögens befasst. Denn urplötzlich machten sich Stiftungen Sorgen um ihr wirtschaftliches Stehvermögen.

Auf einmal rückte das Thema Umschichtung auf die Agenda, was auch hinsichtlich der am 1.7.2023 in Kraft tretenden Stiftungsreform an Relevanz gewinnen wird.

Und natürlich tritt hier dann auch die Diversifikation auf den Plan. Bin ich richtig diversifiziert? Wohin soll ich diversifizieren? Wenn ich diversifiziere, sichere ich dann die Einkommensströme meiner Stiftung? Diese Fragen befassten uns 2022, und werden uns auch 2023 beschäftigen. Bei aller Unsicherheit: Das ist sicher.

vtfds2023 Save the Date

Das finale Apercu

Dieses eine Wort des Jahres gibt es für uns aus Stiftungssicht nicht. Wohl aber den einen oder anderen Gedanken, der uns deutlich weiter tragen wird. Auf unserer #FreitagsPodcast-Sommerreise sprachen wir zum Beispiel mit Stiftungsexpertin Kathrin Succow. Für sie ist klar, dass die Zeiten der Altherren-Runden in den Stiftungsgremien vorbei sind. Was richtig ist, denn neue Zeiten brauchen neue Denkmuster, und eben nicht das gerne zitierte und oftmals gutherrnhaft bemühte „Das haben wir schon immer so gemacht“.

Irgendwie sind diese 7 Worte ei kleines Spiegelbild für Deutschland als Ganzes, oder wie geht es Ihnen damit, dass Sie (wie mir geschehen) im Rahmen der Projektreise mit Handicap International nach Nepal gefragt werden, warum wir nur mehr Lastenräder, und keine Schnellzüge mehr bauen? Es dreht sich zu wenig um die Frage des künftigen Geschäftsmodells unseres Landes, und das tangiert Stiftungen zu Gänze. Am Punkt Ihres Entstehens. Diese Bräsigkeit, und vielleicht ist das für mich das Wort des Jahres, geht mir an Deutschland ein bisschen auf den Keks. Manchmal aber eben auch im Stiftungssektor. Dieser könnte viel mehr bewegen, er könnte viel sichtbarer sein, er könnte seine Vermögensmasse weit besser anlegen, könnte noch viel relevanter sein, aber er agiert gefühlt mit angezogener Handbremse. Oder nehmen Sie dies anders wahr? Vielleicht tauschen wir uns dazu ja im kommenden Jahr einmal aus. Zu reden gibt es sicher viel, zu machen noch viel mehr.

Frohe Weihnachten

Wir, das Team von stiftungsmarktplatz.eu, wünscht Ihnen ein frohes wie besinnliches Weihnachtsfest und dann einen beschwingten Rutsch ins neue Jahr 2023.