Wie trendy ist Ihre Stiftung

Müssen Stiftungen jeden Trend mitmachen?

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Trendyness von Stiftungen
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Manches Wort wird gelassen ausgesprochen und löst doch etwas aus. Trendyness ist so eines, das ich neulich in einem Webinar hörte, und brachte mich zum Nachdenken. Muss ich jedem Trend folgen, muss ich alles mitmachen im Netz, muss ich alles ausprobieren, um meinen Weg zu finden, muss ich auf jeder Plattform performen? Für die Antwort musste ich diesen Gedanken gar nicht bis zum Ende bringen, sie lautet: Nein. Manchmal ist trendy sein cool, manchmal anstrengend, und manchmal eben auch am Ziel vorbei. Stiftungen dürfte es oft ähnlich gehen.

Ich gebe es zu: Auch wir haben schon so manchen Trend mitgemacht und uns hinterher gefragt, warum wir das gemacht haben. Außer Spesen nichts gewesen hieß es früher, heute heißt es trial and error. Es ist dieses Ausprobieren, das einen in der digitalen Welt schon mürbe machen kann, und letztlich ist es wie im Kaufhaus. Da gibt es 40 Paar Schuhe, keines passt zu tausend Prozent, aber eines nimmt man dann doch mit. Im Internet finden Stiftungen mannigfaltige Möglichkeiten, zu funraisen, Software zu kaufen, zu kommunizieren, aber alles auszuprobieren, das schaffen selbst die größten deutschen Stiftungen kaum. Dafür ist das Angebot an Tools viel zu groß.

BIN ICH TRENDY ODER LEMMING?

Stiftungen, die trendy sein wollen, sollten vielleicht gerade deshalb nicht alles ausprobieren sondern für sich einen Weg suchen, mit dem sie sich wohlfühlen. Mache Ihnen ein Beispiel. Praktisch jeder Zweite erzählt mir, dass man auf LinkedIn sein müsse, was dort abgehe sei der Wahnsinn, ein Post, 3.000 Leser, das schafft kein anderes Medium, heißt es gerne. Aber ist das für mich und meine Belange zielführend, so viel Quantität wie möglich anzuhäufen und die Qualität der Ansprachen außen vor zu lassen? Vielleicht bin ich trendy, wenn ich mich auf LinkedIn registriere, aber ich bin eigentlich wieder nur ein Lemming.

FUNDRAISING KANN EINE SCHICKE SACHE SEIN

Oder nehmen Sie die „Sache“ mit dem Fundraising. Praktisch jeder hat jetzt Fundraising für Stiftungen als Lösungsansatz entdeckt, die Probleme auf der Einnahmeseite zu lösen. Es mag sein, dass manche Stiftungen hier sogar erfolgreich sein werden, aber es werden deren nicht unendlich viele sein und sie werden Wege gehen müssen, die sie bisher noch nicht gegangen sind. Wenn sie also trendy sein wollen, müssen sie auf einen Trend aufspringen und das machen, was viele andere machen – mit dem Ergebnis, dass sie vielleicht durch das Tun der Vielen nur ganz wenig Ernte einfahren. Denn was alle machen ist nicht zwangsläufig von Erfolg gekrönt.

WIE HEBT SICH IHRE STIFTUNG AB?

Natürlich ist es wichtig, sich der neuen Welt nicht zu verschließen und im Fundraising auch mal Sachen auszuprobieren, aber Sie müssen es authentisch machen. Einfach zu fundraisen wie andere, das hebt die eigene Stiftung zu wenig von anderen ab. Einfach einen Spendenbutton auf die Website packen, am besten unten rechts, das ist vielleicht trendy, aber es ist nicht zielführend. Weil nur über den Spendenbutton allein kommt kein einziger Euro frisch aufs Konto. Natürlich müssen sich Stiftungen dem Spender öffnen, daran führt kein Weg vorbei, und speziell im Digitalen spenden die Menschen anders, aber das ist irgendwie nicht trendy sondern profan.

TRENDY IST WAS RELEVANT IST

Jeden Trend mitzumachen, das kann Stiftungen in die Irre führen, auch wenn das Erzählen der eigenen Story bzw. die Kommunikation als solche durch die vielen coolen neuen digitalen Tools natürlich fast schon dazu einladen. Wir ertappen uns selbst dabei, dass wir dieses und jenes ausprobieren wollen, und sind dann manchmal froh, dass unsere Partner uns einbremsen – mit der Folge, dass das Ergebnis am Ende besser ist als dass, was wir uns anfangs vorgestellt hatten. Wir haben in diesen Fällen meist zurück gefunden zum Kern dessen, was Aktivität im Internet sein soll: relevant. Und Relevanz, das ist nun mal wirklich ein Trend, auf den Stiftungen aufspringen sollten, wenn nicht müssen.

ZUSAMMENGEFASST

Trendy zu sein im Internet bzw. in der digitalen Welt und dabei nicht nur einfach jedem Trend hinterherzulaufen, das ist auch für Stiftungen eine recht große Kunst. Einem Trend jedoch, und damit ist auch eine Stiftung mit ihren Inhalten, mit ihrem kommunikativen Ansatz, mit ihrem Story Telling definitiv trendy, ist Relevanz. Wenn Stiftungen eines sein sollten, dann relevant. Denn für Relevanz gibt es keinen Plan B, relevant ist das neue trendy.