Verfügt eine Stiftung über 500.000 Euro Stiftungsvermögen, ist die Frage nach der Anlage dieses Betrages oft schnell geklärt. Vermeintlich. Die Stiftungsverantwortlichen sagen oft, mit 500.000 Euro kann man eh nicht viel machen, die Bank bietet Festgeld, Stiftungsfonds verstehen wir nicht, mit Aktien brauchen wir dem bisschen Geld nicht anfangen. Die Bank sagt oft, da können wir nicht viel machen. Festgeld vielleicht, vielleicht ein Mischfonds, aber zu viel dürfe man nicht erwarten. Stifterwille hin oder her. Doch, ganz so einfach ist die Sache weder für Stiftungsverantwortliche noch für Stiftungsberater in den Banken nicht.
Zuerst nehmen wir einmal die Perspektive der Banken ein. Klassischerweise hat die Stiftung dort, weil Hausbank, ein Girokonto und ein Depot. Für das Depot wurde mal besprochen, kein Risiko einzugehen, ein wenig zu streuen (das soll ja gut sein), und wenn wir 2% Rendite kriegen, dann ist das doch toll. Aus Bankensicht ist dieses standardisierte Vorgehen nachvollziehbar, und was wir aus den Banken hören, könnte man auch tiefer in den Besteckkasten reingreifen, wären die Ziel einmal klarer und dann eben auch ambitionierter formuliert. Für 2% ordentlicher Ertrag braucht ein erfahrener Stiftungsberater den Besteckkasten nicht mal aufmachen. Er macht Termingeld, kauft evtl. eine Bundesanleihe, fertig. Wäre das Ziel mit 4% Ertrag plus Kosten formuliert, und hieße es nicht vorsichtig sondern würde der (immer ins Hier und Jetzt übersetzte) Stifterwille ins Zentrum der Herangehensweise gerückt, viele Stiftungsvermögen würden anders angelegt werden.
Wesentliche Verhältnisse gecheckt?
Wir finden es schwierig, dass Banken immer gebasht werden dafür, dass sie maue Ergebnisse in vielen Fällen produzieren, aber das macht es den Stiftungen zu leicht. Man ist mit den Ergebnissen aus der Kapitalanlage heraus nicht zufrieden? Die Bank wars. Man selber habe ja Vorgaben gemacht. Dass diese häufig Mist sind, und aus anderen Zeiten stammen, dabei den Stifterwillen genau nicht im Blick haben und die wesentlichen Verhältnisse schon gar nicht abgeglichen wurden, so weit gehen die wenigsten Stiftungsverantwortlichen nicht. Wer den Bankprofis, unter denen auch einige Stiftungsprofis sind, klare Vorgaben macht, die auch Ambition und Freiheitsgrade enthalten, dann könnte Stiftungsvermögen in etlichen Fällen anders aufgespurt werden.
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Der Stifterwille gibt die Richtung vor, der Bankberater nimmt diese auf
Wichtig beim Austausch mit einer Hausbank ist immer, dass eine Stiftung darauf insistiert, einen Mix aus hauseigenen und hausfremden Produkten zu kaufen. Hauseigene Produkte können meist etwas, aber sie können selten alles. Bei hausfremden Produkten ist das ähnlich, aber ein Mix beispielsweise von Fonds führt verschiedene Anlageideen, Ausschüttungsgebirge und Herangehensweisen in einem Portfolio zusammen. Hieran kann dann auch gearbeitet werden, und solch ein Portfolio entspricht auch der Ursprungsvorgabe des Stifters. Das Vermögen soll der Stiftung dienen, kann es das entlang der alten Parameter nicht, weil die Welt eine andere geworden ist, müssen die Parameter angepasst werden. Daraus resultiert, das Portfolio anzupassen. Der Stifterwille ist sakrosankt, ja, aber er muss eben auch erfüllbar sein.
Wer 5 Autozeitungen wälzen kann für den neuen Kombi, der kann auch drei Fondskonzepte vergleichen
Ein Stiftungsvermögen, das seit 20 Jahren in Festgeldern investiert wird, wird den wenigsten Stifterwillen entsprechen können. Denn Stifterwille, das war und ist immer eine große Idee für eine Stiftung, eine noch größere Idee, wo die Stiftung in 20 der 50 Jahren stehen soll. Früher hieß es im Auto zu den Kindern festhalten, heute heißt es anschnallen. Die Zeiten sind andere, die Auto sind sicherer, man ist mit der Zeit gegangen bei dem Thema. Überhaupt. Wer 5 Autozeitungen wälzen kann für den neuen Familienkombi, der/die kann in ihrer/seiner auch drei Fondskonzepte vergleichen, etwa von Stiftungsfonds, ob diese für die Anlageziele und die Ambition der Stiftung passen. Für viele Stiftungen mit 500.000 Euro Stiftungsvermögen können Stiftungsfonds in vielen Fällen eine perfekte Lösung sein, um ihr Stiftungskapital auf der Höhe der Zeit und auch zeitlos anzulegen.
Fondsanbieter warten auf Stiftungen – umsonst
Viele Stiftungsfonds, jene hinter denen banken-unabhängige Vermögensverwalter stehen, sind oft eng an Stiftungen dran, kennen deren Wehwehchen im Management von Stiftungsvermögen. Schwanken darf nix, Ertrag kann, muss nicht maximal, darf halt nicht wehtun, will mich nicht groß kümmern, so dieser Blues ist jener, den Vermögensverwalter oft hören. Sie sind nahe dran an Stiftungen, sind näher dran als viele andere, die Stiftungsfonds oder stiftungsgeeignete Fonds lanciert haben. Und sie sind auch diejenigen, die sich zur Zielgruppe comitten. Viele Fondsanbieter finden Stiftungen spannend, warten aber lieber, dass Stiftungen kommen, um ihren Fonds zu kaufen. Nur, die Stiftungen kommen nicht, weil sie diese Fonds eben nicht finden, weil sie mit niemandem über die Fonds sprechen können. Stiftungsfonds aber wie jene von Hansen & Heinrich aus Berlin, Spiekermann aus Osnabrück, Freiburger Vermögen oder der beiden Schwergewichte Flossbach von Storch und DJE Kapital sind in Übersichten präsent, liefern zudem Informationen, die Stiftungen in der Entscheidungsfindung unterstützen.
Ausschüttungshistorie und Ausschüttungsreserve müssen Stiftungen erfragen
Es ist für Stiftungen wichtig, Ausschüttungshistorien an die Hand zu bekommen. Ausschüttungen sind in Zeiten, in denen auch qua sonstigem Vermögen thesaurierende Fonds eine echte Idee für Stiftungsportfolien sein können, trotzdem der erste Pfeiler, an dem ich meine Ausgabenplanung aufhänge. Ausschüttungshistorie und Ausschüttungsreserve sind für 500.000 Euro Stiftungsvermögen die wichtigste Kenngröße. Brauche ich bspw. 15.000 EUR an ordentlichen Erträgen für meine Zwecke, dazu noch 5.000 EUR für Verwaltungskosten, liege ich bei 4% Ertrag, die mein Vermögen abwerfen müssen. Schafft mein Stiftungsfonds schon mal solide 3% p.a., seit Jahren, verlässlich, kann ich hier schon mal locker und kostengünstig 50% allokieren. Die andere Hälfte muss entweder beim ordentlichen Ertrag Richtung 5% tendieren, oder aber ich fokussiere auf eine Mischung aus 5%er und Thesaurierer. Das Fenster für das Nichterfüllen der Ertragsvorgabe ist damit zwar da, aber es ist kleiner als wenn ich 100% in meinen 3% ausschüttenden Stiftungsfonds investiere.
Augen auf bei Fondsanbietern, die stiftungsgeeignetes Produkt haben, Stiftungen aber nur Mitnahmezielgruppe sehen
Ein Blick auf den Aktienmarkt verrät zudem: In den vergangenen 12 Jahren hätten die Wertzuwächse locker ausgereicht, um das Fenster zu schließen. Eine Reserve wäre zudem angehäuft worden. Es gibt auch Stiftungsfonds, die 4% als ordentlichen Ertrag anpeilen, das steht Stiftung nicht drauf, aber da ist Stiftung drin. Leider möchten die Anbieter dieser Fonds Stiftungen ihre Produkte nicht proaktiv zeigen, hier fehlt die Phantasie, dass Stiftungen als Langfristanleger durchaus sehr spannend sein können. Was uns immer wieder überrascht ist, dass es S-Tranchen von tollen Stiftungsfonds gibt, also Tranchen speziell für Stiftungen, in denen sich 10 Jahre kein Euro von Stiftungen eingefunden hat.
Für Stiftungen sind diese Fonds damit keine Idee, kein Investment, da das Comittment zum Sektor fehlt, die Ansprechpartner dort Stiftungen als Mitnahmezielgruppe sehen, nicht als Kernzielgruppe. Wenn Stiftungen hier „aufschlagen“, sollten Sie drei Sachen erfragen: Eine komplette Fondshistorie für Ausschüttungen, Performance, Drawdowns und Fondsmanager (ist der Fondsmanager seit Anbeginn an Bord oder nicht), einen Ansprechpartner, eine Liste mit den Stiftungen, die sonst noch investiert sind (ob eine Stiftung also hier wirklich unter ihresgleichen investiert).

Zusammengefasst
Hat eine Stiftung 500.000 Euro Stiftungsvermögen, kann sie dies auch mit ambitionierteren Anlagezielen investieren. Eine 3 vor dem Komma, auch eine 4, sind machbar, relativ problemlos sogar. Manche Stiftungsfonds eignen sich als gute Basis, manchmal gar als Alleinanlage. Wo die Basis belastbar ist, kann mit Thesaurierern nachgelegt werden. Alles ist dem Ziel unterzuordnen, das Stiftungsvermögen in jene dienende Funktion zu versetzen, die der Stifter ihm einst zugedacht hat. Einen Fehler dürfen Stiftungsverantwortliche dabei nicht machen: ihre 500.000 Euro ohne Anlageziel und ohne Anlageambition anzulegen. Die Hoffnung hier muss sein, dass deutsche Stiftungen ihre Gewohnheiten beim Schopfe packen und „ertragreich und sicher“ durch „zeitgemäß und zeitlos“ ersetzen. Denn auch 500.000 Euro können handwerklich so angelegt werden, dass die Ergebnisse vertretbar sind, und zwar aus Sicht des Stiftungssektors. Über lange Anlagezeiträume nicht vertretbar sind jedoch 2% Ertrag im Jahr









