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Stiftungen zwischen Beharren und Mindsetwechsel

Eine Nachlese vom Österreichischen Stiftungsfrühling 2026

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Nachlese Österreichischer Stiftungsfrühling
Lesezeit: 4 Minuten

Salzburg, Mondsee, Schloss, Sonne. Klingt nach Urlaub, aber manchmal braucht es solche Offsides, um Dinge mit anderen Augen anders zu sehen. Manfred Wieland, Initiator hinter dem Österreichischen Stiftungsfrühling und Macher hinter Stiftung Nextgen ruft Stiftungs- und Unternehmensverantwortliche einmal im Jahr idyllische Salzburger Land. Ihm ist es ein Anliegen, über Stiftungsmanagement nicht nur nachzudenken, sondern Impulse zu setzen, Stiftungen zu aktivieren und Stiftungskapitalien zum Arbeiten zu bringen. Unsere drei take aways vom ÖSF26.

Beim Österreichischen Stiftungsfrühling merkt man als Gast immer sehr schnell, dass hier die Mischung eine andere ist als auf deutschen Stiftungsveranstaltungen. Es treffen sich hier oft Stiftungsverantwortliche, Stiftungsgründerinnen und -gründer sowie Vertreter von Familien, die sich rund um das Thema Stiftung informieren möchten.

Natürlich ist die Stiftungslandschaft in Österreich mit ihren 2.300 Privatstiftungen und gut 700 gemeinnützigen Stiftungen eine andere als jene in Deutschland oder der Schweiz. Aber sie ist eben eine, in der Unternehmensvertreter und -verantwortliche gefühlt näher dran sind an der Stiftungslandschaft, und diese beiden Kreise befruchten sich. Denn Unternehmerinnen und Unternehmer haben andere Fragen als Stiftungsverantwortliche, und sie schauen auf das tägliche Doing anders. Wo ein Stiftungsvorstand entscheidet, er könne das so nicht machen, schüttelt der Unternehmer mit dem Kopf und meint: Wenn ich mein Unternehmen so geführt hätte, würde es die Stiftung, in der Du Vorstand bist, nie geben. Das bedeutet, das auch andere Fragen gestellt werden, und das die Stiftungsblase nicht als DIE EINE BLASE gesehen wird, sondern eine Blase in einer sehr sehr großen Blase.

Take away Nummer 1: USA in der Zwickmühle, Europa vor neuen Allianzen

Womit sich der Blick dann auch schnell auf die Welt da draußen richtet. Zu dieser hatte Dr. Martin Weiss, ehemaliger Botschafter Österreichs in den USA und heute Chef des im wunderschönen Schloss Leopoldskron beheimateten Think Tanks Salzburg Global, einige stichhaltige Gedanken mitgebracht. Beispielsweise jenen, dass er in den Tenor der Zeitenwende nicht uneingeschränkt einstimmt.

Wo er zustimmt, dass es einen Krieg wie in der Ukraine seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf europäischem Boden nicht gegeben hat. Dies sei ein „massiver Krieg“, mit massiven Verlusten. Russland hat Analysen zufolge bereits 1,3 Millionen Soldaten verloren, dazu 11.800 Panzer und mehr als 430 Flugzeuge. Zum Vergleich zog der den Vietnamkrieg heran, in dessen Verlauf die USA knapp 48.000 Man verloren. Gleichzeitig habe sich seit 2023 an der Front nichts getan, hätten die USA seit 2025 ihre Unterstützung komplett zurückgefahren.

Die Zeitenwende bezog er nun auf Europa. Es wurde immer gesagt, Europa könne die Ukraine nicht allein unterstützen. Wie sich seit 2 Jahren zeigt, können die Europäer es doch. Mit Europa sei es wie im Leben, „man müssen im Leben wissen was man will“, Europa muss diesen Kraftakt wollen, dann wird es das auch hinbekommen. Positive Worte, die wie Balsam auf die Zuhörer wirkten. Damit einher ginge, dass diese neue Realität auch eine neue industrielle Chance für Europa bedeutet.

Dass die USA weniger Partner sind als jemals zuvor, auch das sei in gewisser Weise etwas Neues, aber, dies habe sich angedeutet. Europa müsse sich daran gewöhnen, auch dass die USA eigene Probleme mit dem Iran und den Midterms hätten. Die Amerikaner stecken für Weiss in einer Zwickmühle, eine die sich sie selbst zusammengebastelt hätten. Für das „Danach-Szenario“ sieht Weiss neue Allianzen für Europäer am Horizont aufscheinen und auch ein Iran-Regime, das fürs Erste fester im Sattel sitzt als gedacht. Was Stiftungen hier mitnehmen? Für mich die Erkenntnis, dass der Wind auch Stiftungen a bisserl stärker ins Gesicht blasen wird. Von Regierungen wird künftig mehr erwartet werden, von Privilegienträgern, wie sie Stiftungen nun mal sind, ebenso.

Take away Nummer 2: Deutsche Stiftungen und die europäische Produktivitätslücke

Stiftungen könnten an einer zentralen Schwäche der europäischen Industrie bzw. des europäischen Geschäftsmodells die Rolle eines Enablers einnehmen. In seinem Impuls im Rahmen des Österreichischen Stiftungsfrühlings benannte Prof. Teodoro Cocca von der Johannes Kepler Universität Linz einer Analyse zufolge diese eine zentrale Schwäche: den Zugang zu Risikokapital. Allen untersuchten 80 Industrie-Clustern gemein ist dieser Risikokapital-Connex. Cocca sprach hiernach auch von einem Mindset-Wechsel, den es bräuchte. A bisserl mehr VC aus den USA und a bisserl weniger Bewilligungsausschuss, das wäre ein erster Schritt.

Stiftungen als Kapitalpool, der bereits vorhanden ist, und der qua Erbmasse erheblich wachsen wird in den kommenden 15 Jahren, kann hier a bisserl a größere Aufgabe zuwachsen. Stiftungen können Kapital verfügbar machen. Start-ups oder junge Unternehmen brauchen Zeit und Geld, Stiftungen ihrerseits haben Zeit und Geld. Stiftungen müssen nicht bereits beim Einstieg in Richtung Exit schielen, sie können geduldiges Risikokapital zur Verfügung stellen. Da Stiftungen zudem in Europa überall vertreten sind, kann die Annahme, dass Stiftungen bei Bereitstellung von Risikokapital eine Rolle zukommt, als eine spannende angesehen werden. Wir lernen: Nur weil wir heute in der Stiftungslandschaft die Wege nicht sehen, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Die getroffene Annahme hat was.

Take away Nummer 3: Stiftungen und die falsche Rationalität

In vielen Stiftungsgremien bahnt sich die Erkenntnis den Weg, dass die Zeiten, die vor uns liegen, risikoreicher werden. Die Welt ist außer Rand und Band, das Recht des Stärkeren gilt wieder vermehrt, als Stiftung gilt es womöglich, noch risikoaverser anzulegen. Es wird geschlussfolgert, dass „risky times ahead“ auch heißt, dass risikobehaftere Anlagen sich signifikant schlechter entwickeln werden. Denn Anleger scheuen Risiken. Tun Sie das?

Immer noch legen viele Stiftungen eher sicher als ertragsreich an, sie halten eine sichere Anlage für die rational beste. Nur hat sich diese rationale, absolute Sicherheit zuletzt, also in den letzten 5 oder 10 Jahren, nicht ausgezahlt. Dieses Beharren, und diesen Gedanken fanden wir spannend, ist eine Schwäche, und letztlich eine Wette darauf, dass es die Anleihe schlussendlich doch reißt. Anleihen gehören zwar ins Portfolio, aber die Herangehensweise vieler Stiftungen passe einfach nicht mehr in die Zeit. So ist das also, wenn man mit besten Absichten so sicher wie möglich gehen will und dabei ziemlich schlechte Entscheidungen trifft, die sich auch rational nicht ehr erklären lassen.

vtfds26-Das-Ticket

Zusammengefasst

Der Österreichische Stiftungsfrühling lieferte wieder sehr spannende Einblicke und Anstöße, über die man a bisserl länger nachdenkt, wenn man wieder gen Salzburg in die städtische Welt abdüst. Die falsche Rationalität, der Gegenwind für Privilegienträger und Stiftungen als Geber geduldigen Kapitals, das waren drei Denkrichtungen, die es weiter aufzugreifen und zu vertiefen gilt. Vielleicht auch mal bei einer Yoga-Session, denn anderes Denken und Machen bedarf, raus aus der Komfortzone zu treten. Wir danken #ÖSF26 Initiator Manfred Wieland und dem Team von Stiftung NextGen herzlich für das abwechslungsreiche Setup, sind beim #ÖSF27 sicher wieder mit an Bord. Bei allem unsicheren, das ist (ziemlich) sicher.