Stiftungswebsite heißt noch nicht ready

Ein Pulscheck zur Institutional Readyness von Stiftungen

3151
Institutional-Ready
Lesezeit: 4 Minuten

Es heißt immer so schön, Digitalisierung, da muss man nur mitmachen, und warum so viele Stiftungen das noch nicht machen, keine Ahnung. Diesem sehr einfachen Bild, das ja auch studieren befördern, nach denen gerade der deutsche Stiftungssektor im Digitalen hinterherhinkt, folgen wir nicht. Denn so einfach ist es nicht, Stiftungen auch im Digitalen über einen Kamm zu scheren. So wie wir es immer wieder betonen, und wie es für uns auch richtig ist dies zu tun, gibt es 24.000 Stiftungen hierzulande, und entsprechend viele Wege, sich instutional ready für die digitale Welt zu machen. Wir fühlen mal den Puls.

Institutional Ready, diese großen zwei Worte, dummerweise wieder ein Anglizismus, sind so etwas wie der rote Faden, auf den es ankommt, wenn eine Stiftung Teil der digitalen Welt werden will. Aber, und da ist das Entscheidende, es gibt hier eine Makrosicht und eine Mikrosicht. Die Makrosicht verlangt von allen Stiftungen und ihren Verantwortlichen, sich im Hier und Jetzt mit Schwung und Verve und wer weiß noch was in die digitale Welt zu begeben, sich hier nicht zu verschließen. Ob aus einem Guss oder Stück für Stück, das interessiert kaum, weshalb vermutlich auch das Sender-Empfänger-Problem einmal entstanden ist. Institutional Ready bedeutet in dieser Lesart, dass die Prozesse der Organisation so verändert werden, dass sie passgenau zu den Anforderungen der digitalen Welt werden. In dieser Makrosicht interessiert das Jetzt oder Nie, weniger das Wofür.

Wofür eigentlich soll unsere Stiftung in die digitale Welt

Stiftungen aber, aus ihrer Mikroperspektive heraus, fragen sich genau an vielen Stellen, wofür sie eine neue Website brauchen, wofür sie eine Spendersoftware brauchen, wofür sie Workloads in die Cloud verlagern sollen, wofür sie mit Stiftungskommunikation anfangen sollen. Dieses Wofür ist dabei eine ganz persönliche Frage, eine ganz sensible Frage, die jede Stiftung für sich – in der Mikroperspektive – beantworten muss. Diese Antwort jedoch passt womöglich nicht unbedingt auf das Jetzt oder Nie, weshalb bei Stiftungen durchaus die zurückhaltende Hand in punkto Digitale Welt zu erkennen ist. Es ist verständlich, dass Stiftungslenkerinnen und -lenker ihren Weg in die digitale Welt finden wollen, dass sie vor das Jetzt oder Nie das Wofür setzen. Finden wir jedenfalls.

Chief Digital Officer statt Digital-Fuzzi

Denn ich kann ja nur ‚institutional ready‘ sein, wenn ich das Ziel kenne, wenn ich weiß, wohin ich mit den digitalen Werkzeugen will. Die Wege eröffnen sich dann im Kleinen wie im Großen, es führen viele Wege ins digitale Rom. Institutional ready kann für Stiftungen demzufolge heißen, einmal aufzuschreiben, wo sie eigentlich stehen. Haben sie eine Stiftungswebsite, bilden sie ihre Stiftungskommunikation bereits über digitale Tools ab, haben sie sich Gedanken zur Marke gemacht, wissen sie um die verschiedenen Möglichkeiten, Spenden oder Vermögen im eigenen System zu controllen? Haben Sie einen Verantwortlichen benannt, der sich als CDO, also Chief Digital Officer, um die digitalen Belange kümmert – und eben nicht nur der Digital-Fuzzi ist? Ist solch eine Person überhaupt zu finden, ggf. aus dem eigenen Netzwerk zu rekrutieren? Wir digitale Welt von oben gelebt, vom Stiftungsvorstand her?

Stiftungen in der Thomas-Edison-Phase

Diese Bestandsaufnahme halten wir für extrem wichtig, denn zu wissen wo man als Stiftung im Digitalen steht, macht zweierlei klar: Einmal die Wege, die die Stiftung nicht mehr gehen braucht, und zum Anderen zeigt sie die Wege auf, die unbedingt zu gehen sind. Stiftungen werden so ein bisschen zu ihrem eigenen Thomas Edison, sie erfinden sich neu. Aber bevor sie hier an einem Ziel angekommen sind, skizzieren sie Wege, Möglichkeiten und Gegebenheiten, um bestmöglich ans Ziel zu gelangen oder um den einen oder anderen Irrweg unter Umständen auszuschließen. Aber erfahren Erfinde wissen, dass dies kaum zu vermeiden ist, dass man mit dem einen oder anderen Weg scheitert.

Die Bestandsaufnahme in vielen Stiftungen läuft

Viele Stiftungen sind unserer Beobachtung nach gerade mit dieser Bestandsaufnahme befasst, diskutieren intern, welches Stück sie sich vom digitalen Kuchen abschneiden wollen und wie ihr digitaler Fußabdruck künftig aussehen soll. Wir reden hier nicht nur von der Stiftungswebsite, bei der es ja nicht damit getan sie ins Netz zu stellen, sondern die gepflegt und entwickelt werden muss, damit sie nicht aus der Zeit fällt. Digitaler Fußabdruck ist für uns dasjenige digitale Ökosystem, das sich eine Stiftung baut, damit sie ihre Prozesse verschlankt, damit sie kommuniziert, damit sie Projekte skalieren und ihre Mittel gezielt einsetzen kann – um nur einige Bausteinen zu nennen. Hier machen sich immer mehr Stiftungen auf den Weg, das ist klar zu sehen, aber mancher Schritt muss eben auch mit Bedacht gegangen werden.

Digital Ready kommt auch bei Stiftungen voran

Wir haben für eine Ausgabe des Stifterfunks Friedemann Schnur von der Braunschweigischen Stiftung interviewt, er hat uns mit auf die Reise genommen, die „seine“ Stiftung unternommen hat, um im Digitalen Fuß zu fassen, um das eigene digitale Ökosystem zu entwickeln. Dr. Agata Klaus von der Deutschen Nationalstiftung wiederum erzählte uns im #FreitagsPodcast davon, wie sie beispielsweise durch die Corona-Pandemie hindurch ihre Stiftungswebsite zum Projekt gemacht haben. Oder nehmen Sie den Digital Social Summit, der mehr als 1.000 Zuschauer begeistert mit den Themen, die für viele Stiftungen zwar jetzt schon spannend, aber sicher erst in ein paar Jahren auf die Agenda des täglichen Doings rücken. Es gibt sie, die Bewegung hinein ins Digitale, nur wird das von außen noch zu wenig oft gesehen.

Zusammengefasst

Stiftungen machen sich auf in die digitale Welt, machen sich digital ready. Daran besteht kein Zweifel, aber eben auch nicht daran, dass viele Stiftungen eben noch nicht so recht digitale ready sind. Mit einer neuen Stiftungswebsite ist es hier noch lange nicht getan, es braucht mehr, es braucht eine Idee, wie das digitale Ökosystem der Stiftung aussehen soll. Dieses wird sich von Stiftung zu Stiftung unterscheiden, aber es wird – und davon sind wir fest überzeugt – Stiftungshandeln besser machen. Institutional ready sind zwei Worte, die immer mehr Stiftungen mit Leben und mit Inhalt füllen werden. Oder gibt es eine Alternative? Eben.