Stiftungsvermögen kann Impact

Rote Ampel war gestern – Eine kleine Replik auf ein Impact Investing Online-Meeting

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Nachlese Runder Tisch
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Für das Stiftungsvermögen über Impact Investments nachzudenken, ist ein alter Hut. Stiftungsvermögen ist geradezu prädestiniert, mit seiner Kapitalmasse auch nach Wirkmasse zu fragen. Die Wege aber können unterschiedlich sein, die für die jeweiligen individuellen Stiftungsziele passende Herangehensweise zu finden. Das zeigte auch ein Runder Tisch, an dem ich jüngst zur Thematik als stummer Beisitzer teilnehmen durfte. Ein paar Gedanken aus dem Gehörten möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Neulich bekam ich eine Mail. Absenderin war Dr. Katharina Meyer von capacura. Das Unternehmen, das im Segment der Impact Investments unterwegs ist, war auch Partner unseres Werkstatt Festivals für Stiftungsvermögen VTFDS im Juni in Leipzig. Wir hatten erstmals ein ImpactLab als ProgrammTrack beim VTFDS installiert. Mich persönlich treibt schon seit Jahren eine Frage zum Thema Impat Investing um: Warum geht der größte Stiftungsstandort der Welt, die USA, Nordamerika, so selbstverständlich mit Impact-Quoten und Asset in motion um? Und warum tut sich der zweitgrößte Stiftungsstandort der Welt so schwer mit dem Themenkreis Impact Investing? In Deutschland versteckt man sich hinter Gutachten, hinter Regelwerken, hinter Definitionen. Warum? Mir gefällt der amerikanische Ansatz dabei recht gut. Denn der ist pragmatisch.

Stiftungen und das Impact-Kapital

Impact hat demnach Ausprägungen. Ich kann versuchen, Unternehmen zu finden, die verantwortungsvoller wirtschaften, deren Aktien kaufe ich dann. Ich kann versuchen, Staaten zu finden, in denen die Menschen ein besseres Leben haben, in dem Regierungen verantwortungsvoller mit den ihnen zur Verfügung gestellten Ressourcen umgeht. Deren Anleihen kann ich dann überlegen zu kaufen, sofern es diese Staaten noch gibt. Oder ich kann Geschäftsmodelle finden, die klar auf das Lösen eines gesellschaftlichen Engpasses, einer gesellschaftlichen Herausforderung ausgerichtet sind, die aber darunter leiden, dass niemand ihnen Geld gibt. Diese Geschäftsmodelle haben aber Impact in reinster Form, also das Ändern von Verhaltensweisen, zum Ziel. Ihnen Kapital zu geben, zahlt damit auf das Urziel jeder Stiftung ein. Ihnen Kapital zu geben bedeutet aber auch, andere Pfade als Aktie oder Anleihe zu beschreiten, und ja, solche Investments sind oft unternehmerischer Art und damit mit anderen Risiken behaftet. Machen tun es Stiftungen in den USA und Kanada trotzdem. Warum? „Wofür gibt es uns denn sonst, wenn nicht wir wer dann…?“ Das ist die Antwort auf jene Frage.

Knowhow? Ja! Hürden? Oh ja!

Würden deutsche Stiftungen auch so antworten? Bin ich mir nicht sicher, sie würden aber auf jeden Fall viele Gründe kennen, warum sie diesen Impact Venture Capital-Weg, um ein Kind mal beim Namen zu nennen, nicht machen. Den einen guten Grund, dass sie nämlich etwas bewirken würden, kennen sie alle, aber sie ziehen ihn nicht. Der Runde Tisch, den Katharina Meyer für capacura aufsetzte, gab hier eine Indikation. Stiftungsvermögen wird zu oft formal gedacht, zu wenig in Form der Möglichkeiten, Behörden stehen der Aktivierung von Stiftungskapitalien im Weg, und das Kreieren einer Zweckvermögenssphäre könnte eine Lösung sein, hier voranzukommen. Es passiere hier gerade viel, war die positive Botschaft. Das Knowhow haben wir, keine Frage, aber die Schritte sind noch zu klein. Mir kamen während der Diskussion eine These und ein Gedanke in den Sinn.

Gemeinwohl-Investment-Vehikel als Chance?

Die These lautet: Impact Investing ist vielleicht DIE Chance, als Stiftungssektor zu zeigen, was gebündelte Finanzkraft und damit auch gebündeltes Stiftungsknowhow für das Gemeinwesen bewirken kann. Wir können nicht von jeder der 29.000 Stiftungen verlangen, dass sie eine Impact-Quote in ihrem Stiftungsvermögen definiert. Dass sie aus dem sonstigen Vermögen heraus auch Impact Investments macht. Man muss verstehen, was man tut, gerade bei Investments, die anders sind als eine Aktie oder eine Anleihe. Zu verlangen, dass jedes Stiftungsgremium hier binnen einer Dekade sprechfähig wird, ist naiv und unrealistisch. Aber von jeder Stiftung zu verlangen darüber nachzudenken, ob nicht 20% ihres Stiftungskapitals auch in ein Gemeinwohl-Investment-Vehikel (GIV) eingebracht werden können, aus dem heraus dann Investments mit Gemeinwohl-Ansatz getätigt werden, das können wir zumindest anstoßen. Dafür braucht es dann auch keine Zweckvermögenssphäre, sondern einfach das Poolen von Knowhow, das Erklären dessen und die Voraussetzung, aus dem sonstigen Vermögen heraus auch agieren zu können.

Steuerprivilegiertes Kapital als Gemeinwohl-Proxy

Wenn wir über Chancen des Sektors sprechen, dann könnte das eine sein, insbesondere weil hier ein Gedanke mit dranhängt. Sofern auch Stiftungen künftig vermehrt mit Fragen zu ihrer Legitimation konfrontiert werden, wäre Impact Investing ein starkes Argument, den Fragen sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wer in Geschäftsmodelle investiert, die das Gemeinwohl voranbringen, wer steuerprivilegiertes und nicht bezuschusstes Kapital verantwortungsbewusster einsetzt, dem gewähre ich jedes Steuerprivileg das er will. Denn das Gemeinwohl voranzubringen, das ist Staatsziel Nummer eins. So Stiftungen dies in ihrem Investment-Aufsatz berücksichtigen, zahlen sie voll auf dieses Ziel ein. Niemand käme mehr auf die Idee, Stiftungen zu hinterfragen. Stiftungen würden für diesen Beitrag gefeiert. So gesehen macht es durchaus Sinn, sich weiterführend und -gehend mit Impact Investing als Stiftung auseinanderzusetzen – aber auch ab einem Punkt ins Machen zu kommen.

Zusammengefasst

Was Mails und Einladung wie die von Katharina Meyer von capacura (DANKE an der Stelle für den Impuls) manchmal mit einem machen. Es war ein Runder Tisch, der fachlich auf der Höhe der Zeit war, der aber auch Anknüpfung braucht. Drüber zu reden, was Impact ist und ob Impact geht, ist das eine. Zu hören, wie Impact geht, ist das andere. Stiftungen die Impact hierzulande machen, gehören an diesen Tisch, in diese Runde – und als Protagonist ins Impactlab beim VTFDS27. Wir werden den Themenkreis weiter ventilieren, weil es richtig ist, dass jede Stiftung zum Themenkreis Impact Investing inspiriert wird. Meine Vision hier ist, dass der zweitgrößte Stiftungsstandort der Welt künftig beim Impact Investing vorangeht, dass der Satz „Impact können wir als Stiftung nicht machen“ nicht mehr gilt. Ob ich mit dieser Vision zum Arzt muss? Werden wir denke ich schneller sehen als uns lieb ist.