Stiftungen in der Froschperspektive

Würden Stiftungswebsites so ausschauen wie heute wenn…

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Checkliste Stiftungswebsite
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Es gibt da diese eine Geschichte, die jeder Physiklehrer seinen Schülern eines Tages einmal erzählt. Setzt man einen Frosch in ein Wasserglas und erhitzt das Wasser, dann wird der Frosch im Wasserglas bleiben und durch die Hitze sterben. Setzt man einen Frosch jedoch in ein Glas mit heißem Wasser, wird er sofort wieder herausspringen. Übertrüge man dies auf die Stiftungswebsite, es ließe sich eine vermutlich recht stimmige Analogie finden.

Der Frosch, das sind in dieser Analogie die Stiftungen. Viele betreiben ihre Stiftungswebsite so wie sie es immer gemacht haben und so wie es die meisten ihrer Kollegen auch tun, das Ganze passt also. Sie sitzen im Wasserglas und merken womöglich gar nicht, wie wenig die Zeit gerade beim Thema Webpräsenz stehenbleibt. Natürlich habe viele Stiftungsverantwortliche die Zeichen der Zeit erkannt, aber würde sie per heute das erste Mal auf ihre Stiftungswebsite schauen, sie würden ganz rasch etwas verändern wollen – so wie der Frosch, der bei der ersten Berührung mit dem heißen Wasser sofort die Flucht aus dem Wasserglas ergreift. Wir haben uns dazu ein paar Gedanken gemacht und eine kleine Checkliste mit sechs Kennzeichen erstellt, wann eine Stiftungswebsite eine Frischzellenkur vertrüge.

1) DIE STIFTUNGSWEBSITE IST „TEXTLASTIG“

Viele Stiftungswebsite sind gut gefüllt mit Inhalten, oder Content, wie es so schön heißt, aber dieser Inhalt wird rein als Text zur Verfügung gestellt. Nicht dass wir uns falsch verstehen, Text ist gut, aber Text und Bewegtbild und Audioschnipsel ist eben noch besser. Texte lassen eine Stiftungswebsite schnell schal erscheinen, insbesondere wenn die Text nur mäßig formatiert sind, also auf Absätze verzichten und in der Regel zu wenig Tiefe bieten. Viel Text ist gut, klar, aber er muss einfach die Themen der Stiftung ausführlich beleuchten und eine aus Nutzersicht notwendige Tiefe liefern. Denn ohne Tief in den Inhalten keine Relevanz der Stiftungswebsite.

2) DIE STIFTUNGSWEBSITE STELLT DEN SPENDENBUTTON NACH UNTEN

Es ist keine Schande oder nichts, worüber es sich zu schämen gilt: das Auffordern zur Spende. Viele Stiftungen verstecken ihren Spendenbutton regelrecht, verzichten auf jeglichen Hinweis und fahren das Thema Spende extrem defensiv auf ihrer Stiftungswebsite. Defensiv ist zwar gut, aber viele Spender wollen proaktiv adressiert werden. In den USA oder in Großbritannien finden sich Aufrufe wie „Hey, wir brauchen 150.000 Dollar für das Projekt #homesforkids, warum bist Du noch nicht dabei? Spende jetzt, spende hier“, und der Spendenbutton hat dann meist auch eine auffällige Farbe. Die Lust zur Spende muss eine Stiftungswebsite auf den ersten Blick wecken nicht auf den letzten.

3) DIE STIFTUNGSWEBSITE ERZÄHLT KEINE GESCHICHTE

Wir haben es schon oft skizziert, aber das Erzählen einer Geschichte ist auf einer Stiftungswebsite ein zentrales Element. Geschichte heißt dann nicht, dass man die Geschichte der Stiftung erzählt, zumindest nicht in erster Linie, sondern dass man auf eine aktuelle Aufgabe referenziert, auf die Ziele, auf die Probleme, auf die Menschen, die mitarbeiten, und das in schön konsumierbare Mediahappen packt. Dieses Storyteling dürfte eine der zentralen Disziplinen sein, einer Stiftungswebsite richtig Leben einzuhauchen und Nutzer zu begeistern. Oder begeistern Sie sich für ein geschwurbeltes Etwas? Eben.

4) DIE STIFTUNGSWEBSITE GIBT SICH ALS MONOLITH

Viele Stiftungswebsites verzichten auf Sozial Media Einbindungen, getreu dem Motto „Das brauchen wir nicht, das haben wir noch nie gemacht.“. Ignoranz kann in Zeiten der Plattform-Ökonomie eine zwar verständliche aber doch auch teure Haltung sein. Denn wer kein Teil der Plattform-Ökonomie ist, der ist draußen. Es gibt im Internet nicht n bisschen drin oder n bisschen draußen, aber dafür muss ich meine Stiftungswebsite eben auch dahingehend aufgleisen. Letztlich bedeutet dies nicht, gleich auf allen Kanälen präsent und aktiv zu sein, aber doch auf einigen, und diese sollten dann auch mit Inhalten bespielt werden, womit wir bei Punkt 3, dem Storytelling, wären.

5) DIE STIFTUNGSWEBSITE VERZICHTET AUF NUTZWERTE

Manchmal fühlt man sich als Leser einer Stiftungswebsite richtiggehend verarscht. Da werden Themenblöcke groß angeteasert, dann folgen drei vier Sätze dazu, das was kommt, und das war es dann auch schon. Die Themen an sich wären interessant, aber sie werden nicht vertieft und sie liefern damit nicht nur wenig, sondern gar keinen Nutzwert. Das Dumme aus Sicht einer Stiftungswebsite ist dann aber, dass der Nutzer die Seite nicht nutzen wird, und er wird auch niemandem erzählen, dass er die Seite nutzt. Nutzwerte sind auf einer Stiftungswebsite wie die Schauwerte eines guten Films, sie sind unverzichtbar.

6) DIE STIFTUNGSWEBSITE IST NICHT AKTUELL

Nichts ist schlimmer als wenn eine Stiftungswebsite zwar einen Aktuell-Button enthält, diesen aber nicht mit Leben füllt. Und füllt sie ihn mit Leben, dann mit 8 Inhalten, die zum gleichen Termin eingestellt bzw. veröffentlicht werden. Der Nutzer interpretiert: Das tut sich nichts, die Stiftung macht nicht wirklich viel. Daher gilt es, die Stiftungswebsite, wenn eine Stiftung diese ernsthaft bewirtschaften will, aktuell zu halten. Auch ein Grund, warum wir Podcasts aus Stiftungssicht für gar kein sooo schlechtes Medium halten. Wer gerade nicht zum schreiben kommt, kann schnell eine Datei einsprechen, dafür ist immer Zeit.

ZUSAMMENGEFASST

Viele Stiftungswebsite sind irgendwie noch nicht im Hier und Jetzt angekommen, bei zu vielen Stiftungswebsites weht noch der Geist der Wandzeitung. Es wird – ob bewusst oder unbewusst – auf Schau-, Nutz- und Kontaktwerte verzichtet, in dem Glauben und Wissen, es entweder nicht besser zu können oder nicht zu brauchen. Viele Stiftungen sind also in der Rolle des Froschs im Wasserglas. Aber stellen Sie sich vor, Sie würden heute mit dem Wissen um die Plattform-Ökonomie das erste Mal auf ihre Stiftungswebsite schauen, würden Sie diese dann so belassen wie sie ist? Ziemlich sicher nicht, sie würden – um im Bild der Frosch-Analogie zu bleiben – springen.