„Private Markets: Jetzt die Renditen von übermorgen einkaufen“

Auf ein Eintracht Frankfurt-Frühstück mit Uwe Rieken, Geschäftsführer von FAROS Consulting

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Uwe Rieken
Lesezeit: 5 Minuten

Er ist ein glühender Fan der Frankfurter Eintracht. Was war da naheliegender, als uns mit ihm auf ein Eintracht-Frankfurt-Frühstück zu treffen. Gleichzeitig ist Uwe Rieken, Geschäftsführer des Beratungshauses FAROS Consulting, glühender Verfechter von Private Market Investments im Stiftungsvermögen. Er zitiert hierbei das Vorgehen der großen US-Universitätsstiftungen, fundiert deren Ansatz wissenschaftlich und nennt den zentralen Eckpfeiler, den Stiftungsvermögen langfristig unbedingt braucht.

FondsFibel: Wir wollen über Private Market Investments sprechen, warum diese gerade für Stiftungen – erst recht jetzt – spannend sind. Daher die Frage, warum ist das so?

Uwe Rieken: Im Gegensatz zu Public Market werden Private Market Investments eben nicht jeden Tag am Markt bewertet. Das ist auch nur folgerichtig, denn der Anlagehorizont bei Private Markets ist deutlich länger als etwa bei Aktien oder Anleihen. Infrastrukturanlagen hält ein Anleger eben einfach eher Jahre oder Jahrzehnte und eben nicht nur Wochen oder Monate. Daher sind institutionelle Anleger wie Sozialkassen oder Pensionseinrichtungen immer stärker im Bereich Private Markets unterwegs und wir sehen hier auch immer häufiger Stiftungen. Wobei wir sagen müssen, dass Stiftungen etwa in den USA seit Jahrzehnten schon auf Private Markets setzen und damit sehr gut fahren, insbesondere auch durch schwierigeres Fahrwasser hindurch.

FondsFibel: Das zeigte ja auch jüngst wieder die Nacubo-Befragung. Private Markets sind also für Langfristanleger obligatorisch?

Uwe Rieken: Würde ich schon sagen, ja. Sie dürfen ja nicht vergessen, dass es wissenschaftliche Studien gibt die belegen, dass es Sinn macht, in solche illiquiden Anlagen zu diversifizieren, weil ich als Anleger die so genannte Illiquiditätsprämie vereinnahmen kann. Für Stiftungen als Ewigkeitsanleger ist das die eine gute Botschaft, auf der anderen Seite sind Private Markets aber eben auch gering oder gar nicht zu den regulären Märkten wie Aktien oder Renten korreliert. Das sind Faktoren, die Stiftungen in die Karten spielen.

FondsFibel: Aber durch die Zinswende ist das Spiel bei den Private Markets schon auch ein Stück weit ein anderes geworden, oder?

Uwe Rieken: Ja, wir erleben bei den Private Markets in gewisser Weise eine Trendwende. Die Frage aus Investorensicht ist ja, ob sie sich weiterhin für 10 Jahre in illiquiden Anlagen binden sollen, wenn sie bei den liquiden Anlagen eigentlich auch wieder ganz ansehnliche Renditen vereinnahmen können. Allerdings ist das nie eine strategische Betrachtung, sondern eine dem Markt geschuldete taktische Betrachtung. Als Anleger kann ich auf das neue Umfeld reagieren, aber aus strategischen Überlegungen heraus ist es sinnvoll, einen strukturellen Anteil des Portfolios in Private Market Investments zu halten. Wir reden ja auch nicht von 100% Private Markets, sondern von einem Anteil am Portfolio. Dieser sollte strategischen Überlegungen folgen.

FondsFibel: Auch weil die Asset Allocation ja an und für sich DER Faktor für den langfristigen Anlageerfolg ist?

Uwe Rieken: Es gibt Studien, die genau das zeigen. Das ist das klassische und bekannte Bonmot „Don’t put all your eggs in one basket“. Die Asset Allocation macht 80% des Anlageerfolgs aus. Das muss ich als Anleger und als Stiftung wissen. Dementsprechend ist es umso wichtiger, eine strategische Asset Allocation zu haben oder eine zu erstellen. In Deutschland tun das viel zu wenige Anleger und agieren stattdessen à la Gusto oder eben danach, was der Markt gerade spricht. Eine konzeptionelle Analyse, welches Risiko-Rendite-Profil mein Stiftungsvermögen haben sollte, halte ich für enorm wichtig, halte ich für zeitgemäß. Stiftungen bekommen ein Bild davon, wie sie in den liquiden und den illiquiden Märkten investiert sind und können dann an dieser Aufteilung arbeiten. War ich bisher nur in Aktien und Anleihen investiert, habe ich keine illiquiden Anlagen und verschenke hier deren Vorzüge für mein Stiftungsvermögen. Wenn ich weiß, wissenschaftlich fundiert, dass Asset Allocation so wichtig ist, dann verstehe ich nicht, warum sich Anleger nicht damit beschäftigen. Einen Schritt weiter gedacht wäre es aus Stiftungssicht vielleicht eine Idee, bei der Entwicklung der strategischen Asset Allocation noch ein weiteres Paar Augen drüber schauen zu lassen. Eine zweite Meinung einzuholen, kann bei so einem wichtigen Thema nie schaden, insbesondere da Stiftungen ja immer den Diskurs nominale Rendite versus reale Rendite führen.

Uwe Rieken

FondsFibel: Auch weil die Asset Allocation ja an und für sich DER Faktor für den langfristigen Anlageerfolg ist?

Uwe Rieken: Es gibt Studien, die genau das zeigen. Das ist das klassische und bekannte Bonmot „Don’t put all your eggs in one basket“. Die Asset Allocation macht 80% des Anlageerfolgs aus. Das muss ich als Anleger und als Stiftung wissen. Dementsprechend ist es umso wichtiger, eine strategische Asset Allocation zu haben oder eine zu erstellen. In Deutschland tun das viel zu wenige Anleger und agieren stattdessen à la Gusto oder eben danach, was der Markt gerade spricht. Eine konzeptionelle Analyse, welches Risiko-Rendite-Profil mein Stiftungsvermögen haben sollte, halte ich für enorm wichtig, halte ich für zeitgemäß. Stiftungen bekommen ein Bild davon, wie sie in den liquiden und den illiquiden Märkten investiert sind und können dann an dieser Aufteilung arbeiten. War ich bisher nur in Aktien und Anleihen investiert, habe ich keine illiquiden Anlagen und verschenke hier deren Vorzüge für mein Stiftungsvermögen. Wenn ich weiß, wissenschaftlich fundiert, dass Asset Allocation so wichtig ist, dann verstehe ich nicht, warum sich Anleger nicht damit beschäftigen. Einen Schritt weiter gedacht wäre es aus Stiftungssicht vielleicht eine Idee, bei der Entwicklung der strategischen Asset Allocation noch ein weiteres Paar Augen drüber schauen zu lassen. Eine zweite Meinung einzuholen, kann bei so einem wichtigen Thema nie schaden, insbesondere da Stiftungen ja immer den Diskurs nominale Rendite versus reale Rendite führen.

FondsFibel: Jetzt war deutsche Weg in der Breite bislang keiner in die Private Markets hinein. Wird sich in diesem Punkt etwas ändern im aktuellen Umfeld?

Uwe Rieken: Die Private Markets-Gewichtung wird sicherlich derzeit im Großen nicht ausgebaut, aber in Deutschland haben wir andererseits die Situation, dass die Anlageklasse Private Markets bei vielen Anlegergruppen immer noch unterrepräsentiert ist. Wir müssen uns aber eines vor Augen halten: Wir sprechen hierzulande über ein sehr niedriges Niveau bei der Gewichtung von Private Markets, von dem aus es mit den Quoten eigentlich nur nach oben gehen kann. Gerade jetzt kann es eine Idee sein, sich heute mit Private Markets oder Private Debt zu befassen, denn dann kaufst Du Dir morgen die Renditen von übermorgen ein. Wir reden ja über Abrufzeiträume von zwei bis drei Jahren und da dürften sich interessante Renditeparameter ergeben.

vtfds2023 - 4. Virtueller Tag für das Stiftungsvermögen

FondsFibel: Weil Sie es schon ansprechen. Lassen Sie uns doch noch ein wenig tiefer in einzelne Private Markets-Segmente im aktuellen Kontext blicken.

Uwe Rieken: Das Thema Immobilien ist im Moment sicherlich etwas schwierig, weil durch die Zinswende natürlich noch Bewegung in die Bewertungen kommen wird. Wohn-immobilien sehen etwas besser aus, Einkaufszentren eher weniger. Immobilien müssen jetzt sehr detailliert analysiert werden, da sich hier die Zinswende noch nicht durchweg in den Subsegmenten abgebildet hat. Andererseits könnten bei Private Equity-Anlagen im Secondary Bereich Opportunitäten entstehen, da ich mich als Anleger ja heute verpflichte, die Mittelabrufe aber erst später erfolgen, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Bewertungen wieder deutlich abgeschmolzen sind. Bei Private Debt bewegen wir uns wiederum auf der Seite der Verbindlichkeiten bzw. Schuldverschreibungen, bei denen es eine direkte Verbindung zwischen Darlehensgeber und Darlehensnehmer gibt. Im Kern sind dies nicht-öffentliche Schuldscheingeschäfte. Auch hier könnten sich derzeit Möglichkeiten ergeben, die durch die Zinswende in relativ kurzer Zeit entstanden sind. Solche Privatdarlehen werden mit dem Leitzins plus x verzinst. Durch das gestiegene Zinsniveau sehen die Renditen hier auf den ersten Blick attraktiv aus. Auch hier gilt aber, dass am Blick in die Details kein Weg vorbeiführt.

FondsFibel: Wenn wir über die Private Markets sprechen, dann müssen wir auch über Zugänge sprechen, nicht?

Uwe Rieken: Ja. Natürlich haben gerade kleinere Stiftungen Probleme, einen Zugang zu diesen Anlageklassen zu finden – das dürfen wir nicht ignorieren. Es fehlt an Transparenz, welchen Zugang es für welche Volumensgröße gibt. Genau hier setzen wir mit unserer FAROS
Private Markets Database an. Als Stiftung bekommt man hier einen Überblick, welche investierbaren und auf den deutschen Markt zugeschnittenen Produkte es im Bereich Private Markets und der einzelnen Sub-Assetklassen gibt. Wir bewerten hier zwar nicht, aber wir schaffen einen Überblick. Als Stiftung sehe ich das Marktangebot und kann mir hier einen ersten Überblick verschaffen. Danach muss natürlich die konkrete Analyse im Einzelfall folgen und das Einsortieren in meinen Portfolioansatz, wobei ich wieder bei der bereits erwähnten strategischen Asset Allocation lande.

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FondsFibel: Womit sich der Kreis wieder schließt, aber wodurch sich auch die Wichtigkeit solch strategischer Überlegungen zum Stiftungsvermögen nochmal deutlich wird. Wir danken Ihnen für Ihre Zeit und den spannenden Einblick in die Welt der Private Markets.