Diversifizierung fördert den Ertrag

Gerade in Marktphasen wie derzeit sollten Stiftungen breiter streuen

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Diversifikation
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Zur Kapitalanlage von Stiftungen existieren verschiedene Wahrheiten. Eine davon lautet, dass Stiftungen dem Diversifikationsgebot folgen müssen, sie ihre Kapitalanlage also recht breit streuen sollten. Global aufgesetzte Mischfonds kommen dem entgegen, generieren aus unterschiedlichsten Quellen ordentliche Erträge und haben damit klassischen Stiftungsfonds vielleicht etwas voraus. Aber auch aus anderen Erwägungen heraus ist Diversifikation das Gebot der Stunde.

Ein Blick auf das derzeitige Marktumfeld verdeutlicht dies. In Kürze dürfte es kaum noch attraktive, regelmäßige Erträge bei Festverzinslichen geben, die Anleiherenditen als traditionelle Ertragsquelle sind auf historische Tiefstände gesunken. Darüber hinaus verzeichnen global Anleihen im Wert von rund 17 Bio. USD inzwischen Negativrenditen. Das heißt, Anleger, die sie bis zur Fälligkeit halten, droht ein Anlageverlust. Globale Dividendenaktien bestechen nach wie vor durch relativ solide Renditen. Die Preisniveaus befinden sich in bestimmten Sektoren und Märkten jedoch auf historischen Höchstständen.

DAS UMFELD MACHT ES STIFTUNGEN SCHWER

Auf der Suche nach erstklassigen, ertragsstarken Anlagen muss dementsprechend das gesamte Spektrum von Anlageklassen durchsucht werden. Dazu zählen nicht nur „traditionelle“ Anlagen wie Anleihen und Dividendenaktien, sondern auch Immobilien und alternative Anlagen. Bei den Alternativen Anlagen dürften Anleger zum Beispiel auch bei Infrastruktur fündig werden. Alternative Anlagen spielen eine wichtige Rolle und bieten unabhängig von der Marktlage solide Diversifizierungsvorteile. Das hat sich im letzten Jahr bestätigt, als die Volatilität aufgrund des Handelskonflikts zwischen den USA und China, der Krise in der Eurozone und der unendlichen Brexit-Geschichte die Märkte schwer belastete. Aber nicht nur geopolitische Themen bereiten Anlegern Kopfschmerzen. Die Angst vor einer weltwirtschaftlichen Abkühlung hat die Zentralbanken zu einer Lockerung ihrer Geldpolitik bewegt, um die Märkte zu beruhigen. Die Aktienmärkte verzeichneten daraufhin 2019 eine Rally, während die Anleiherenditen noch stärker nachgaben.

In diesem Klima beschert ein alternatives Anlageportfolio wertvolle Diversifizierungsvorteile. Neben Infrastruktur gehören noch erneuerbare Energien zu den Alternativen Anlagen, aber auch direkte Anlagen in Einzeltitel im Bereich Immobilien, Windturbinen oder Mautstraßen gehören unter anderem dazu. Diese Anlagen bieten in der Regel solide, vertraglich gesicherte Renditen mit nur geringer Korrelation zu traditionellen Anlageklassen. Hierzu gehören Einzelaktien wie Greencoat UK Wind, Ferrovial und Vinci, die Wertzuwächse und kontinuierlich ordentliche Erträge in Form von Dividenden liefern.

Fondsfibel 2019

DIVERSIFIKATION MACHT ZIELE ERREICHBAR

Solch eine Diversifikation liefert auch für Stiftungen zweierlei: Einmal in Phasen steigender Kurse deutlich positive Kapitalrenditen bei gleichzeitig sukzessive fließenden ordentlichen Erträgen, da riskante Anlagen wie Aktien und Hochzinsanleihen wie erwartet Wertzuwächse bescheren. Des Weiteren werden mögliche Risiken auf verschiedene und verschieden breite Schultern verteilt. Gepaart mit aktivem Anlagemanagement, bei dem Wertpapiere verkauft werden, deren Kurse stark steigen und in Anlagechancen mit besserem Relative Value und höheren Renditen angelegt wird, sind die Renditeziele von Stiftungen auch heute noch erreichbar.

Das wiederum bringt uns zu der Frage, ob Stiftungen hier selbst in die Umsetzung gehen sollten. Als Manager eines Fonds muss ich das natürlich verneinen, aber zwei Gründe sprechen aus Stiftungssicht für eine Übertragung dieser Aufgaben an Fonds. Einmal sind die komplexen Zusammenhänge für Stiftungsverantwortliche kaum mehr zu greifen, es ist ihnen ohne eine tägliche Beschäftigung mit der Materie eigentlich nicht möglich, vernünftige Allokationsentscheidungen zu treffen. Genau das müssen sie aber. Andererseits ist Stiftungen, so sie selbst beispielsweise nach Alternativen suchen, dieses Feld nicht so zugänglich wie Fonds, die ob ihrer Größe bestimmte Anlageideen auch tatsächlich umsetzen können. Sprich: An viele Infrastrukturanlagen oder Anleiheemissionen kommen Stiftungen einfach nicht mehr heran. Auch das sind Wahrheiten, die eine Stiftungsverantwortliche bzw. ein Stiftungsverantwortlicher kennen muss und die eine Entscheidung pro Delegation an einen Fonds untermauern. Selbst wenn man das Stiftungsportfolio diversifizieren wollte, stehen einem also Faktoren entgegen, die eine Stiftung nicht mehr beeinflussen kann.

ZUSAMMENGEFASST

Diversifikation ist heute das Gebot der Stunde. Während es für Stiftungen früher ausreichte, auf Anleihen und Aktien zurückzugreifen, reicht dies heute nicht mehr aus, um die Renditeziele einer Stiftung in erreichbare Nähe zu holen. Diversifikation bedeutet heute, mehr als zwei Anlageklassen in ein Portfolio zu packen, und dies mit einer aktiveren Anlagepolitik zu verknüpfen. Beides macht eine Delegation der Kapitalanlage einer Stiftung zu einer guten Idee, und vermutlich zu einer neuen Wahrheit.

Hinweis: Vince McEntegart ist Manager des Kames Global Diversified Income Funds, der für die FondsFibel für Stiftungen & NPOs als stiftungsgeeignetes Fondsprodukt analysiert wurde. Der Fonds verfolgt ein Ertragsziel von 5% Ausschüttung p.a., das auch seit Auflage des Fonds im April 2016 stets erreicht wurde. Die Gesamtrendite aus Wertentwicklung und Ausschüttung lag seitdem bei 6,8% p.a. bei einer Volatilität von 4,7% (46% der Aktienmarktvolatilität). (Quelle: Lipper 08.11.07 bis 08.11.17, NIW zu NIW, Mittagskurse, bei Wiederanlage der Erträge, nach laufenden Gebühren, ohne Ausgabeaufschläg oder Rücknahmegebühren. Zu beachten ist, dass am 1. Mai 2017 die Hauptanteilklasse von B (Acc) EUR in B (Inc) EUR geändert wurde.)

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Vincent McEntegart
ist Investment Manager der Multi-Asset-Group von Kames Capital und verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. Verantwortlich ist er auch für den Kames Global Diversified Income. Er kam 2013 zu Kames Kapital, davor war er für verschiedene Investmenthäuser tätig. Vince McEntegart ist studierter Mathematiker und hat an der Universität von Strathclyde diplomiert, dazu hält er ein Diplom in Versicherungsmathematischen Techniken vom Institut for Actuaries.