Das digitale Erwachen

Warum für die Stiftungswebsite nach der Pandemie noch wichtiger wird

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Das digitale Erwachen
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Die Pandemie wird eines Tages vorüber sein, oder zumindest werden wir dank Impfstoff mit dem Corona-Virus in täglicher Koexistenz leben können. Das Virus wird also bleiben, und so manches Webinar wird gehen. So viel lässt sich sagen. Aber was wird nach der Pandemie für Stiftungen aus dem in den vergangenen 12 Monaten reichlich ausprobierten digitalen Fundus bleiben? Der Versuch einer Einordnung für Stiftungswebsite & Co.

Schaut man sich viele Webinare an, dann ist es nicht schade, dass es viele von diesen vermutlich nicht in die Zeit nach der Corona-Pandemie schaffen werden. Das Ganze hat doch etwas dröges, manchmal ist das Schauen eines Webinars sogar ein wenig langweilig. Aber Webinar ist eben andererseits auch nicht digitale Welt allein und damit auch nicht Maßstab für all das, was eine Stiftung künftig mit und in der digitalen Welt alles machen wird. Stiftungen werden sich aber damit auseinandersetzen müssen, dass der digitale Honeymoon vorbei ist.

DER DIGITALE HONEYMOON IST VORBEI

Was ist mit digitalen Honeymoon gemeint? Das Ausprobieren, das Testen, das Anschauen verschiedener digitaler Werkzeuge, die Stiftungspraxis besser und Stiftungswebsites attraktiver machen sollen. Mittlerweile sollte klar geworden sein, dass digitale Tools die Stiftungspraxis besser machen können, etwa wenn eine Vorstandssitzung mit allen Mitgliedern stattfinden kann und damit beschlussfähig ist, weil die beiden abwesenden Gremienmitglieder via Videokonferenz zugeschaltet werden. Das sind Dinge, die werden sicher bleiben, und Beispiele wie eine digitale Vorstandssitzung haben stiftungspraktische Relevanz, weil sie die Stiftung entscheidungsfähig halten auch in Zeiten etwa von Reisebeschränkungen.

STIFTUNGEN WERDEN DIGITALE TOOLS NUTZEN

Also ist hier ein digitales Tool sicherlich ein Baustein einer Resilienzstrategie einer Stiftung, und so eine weitere Pandemie kommt, wird man diesen Resilienzplan aus der Schublade ziehen, um in der Krise entscheidungs- und handlungsfähig zu bleiben. Derlei wird ziemlich sicher bleiben, und Stiftungen werden solche Tools vermehrt nutzen, oder gar ihre Abstimmungsprozesse dahingehend verändern, dass ein fixer Termin anberaumt wird und den Gremien dann ein verwendbarer Konferenz-Link gesendet wird. So etwas wird die Pandemie überlegen, weil es die tägliche Stiftungspraxis einfacher und auch besser macht.

DIE STIFTUNGSWEBSITE WIRD ZUR BAUSTELLE

Ebenfalls wird in unseren Augen der neue Blick auf die eigene Stiftungswebsite bleiben. Jetzt, wo die Menschen Zeit haben, auf Websites zu surfen, oder zumindest eher mal ein Zeitfenster dafür finden, braucht es eben genau die authentischen, lebendigen und relevanten Internetauftritte. Genau das können viele Stiftungen aber noch nicht bieten, weshalb viel Interesse im Digitalen an ihnen bzw. ihren Webauftritten vorbeigeht. Die Pandemie hat gezeigt, dass viele Stiftungen auf so eine Zeit, in der sie selbst proaktiv auf Menschen zugehen müssen, und sei es „nur“ über einen solchen frischen Internetauftritt, noch nicht richtig vorbereitet sind.

STIFTUNGSWEBSITE ALS SPRACHROHR

Viele Stiftungen werden sich fragen, ob sie junge Menschen erreichen, ob sie mit ihren Projekten bei ihren Zielgruppen durchdringen, ob ihre Stiftungswebsite den Nerv der Zeit trifft und ggf. zum Spenden anregt. Die Antwort wird in vielen Fällen ein Nein sein, verbunden mit der Erkenntnis, dass Website eben nicht gleich Website ist. Die Pandemie hat zudem gezeigt, dass eine Stiftungswebsite nicht nur Hort für Informationen zur Stiftung ist, sondern auch Sprachrohr nach außen sein muss. Viele Stiftungswebsite sind genau das nicht, sie sind zwar im Netz, aber man bleibt nicht bei ihnen kleben. Nutzer bauen zu diesen Websites keine Bindung auf.

DORTHIN WO DER NUTZER IST

Um das zu ändern, dürfte die Stiftungswebsite zur Baustelle werden – und das ist auch gut so, eine Stiftungswebsite ist gelebte Veränderung. Nicht zuletzt werden Stiftungen nach der Pandemie überlegen, sich insgesamt strukturierter in der digitalen Welt und dort vor allem auf Plattformen zu bewegen. Stiftungen werden verstanden haben, dass sie mit ihren Aktivitäten dorthin müssen, wo potentielle Begleiter oder Spender unterwegs sind – und sie müssen dort eigene Aktivitäten entfalten. Die Pandemie hat den Wert solcher Ökosysteme für Ideen- und Informationsaustausche offengelegt, und Stiftungen dürften derlei künftig weiter bzw. intensiver nutzen.

ZUSAMMENGEFASST

Ist nach der Pandemie vor dem Relaunch der Stiftungswebsite? Vielleicht ja, vielleicht nein, auf jeden Fall werden nach der Pandemie zwei Dinge aus Stiftungssicht nicht mehr so einfach werden verschwinden können. Einmal das Nutzen digitaler Tools auch im Stiftungsalltag, als Teil einer Resilienzstrategie für eine Krisenzeit, die eine Stiftung handlungsfähig in einer solchen bleiben lässt. Zum zweiten werden Stiftungen künftig dorthin gehen (müssen), wo ihre potenziellen Spender, Unterstützer und Begleiter sich bewegen. Und das gute alte Webinar? Wir sagen nur: Floppy Disk und Datasette.