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Braucht Stiftungsvermögen mehr Vorbilder?

Wir blicken zurück auf das VTFDS26-Festival durch die Brille der Begegnungen

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Nachlese II VTFDS26
Lesezeit: 5 Minuten

Stiftungsvermögen und die Suche nach Vorbildern, müsste man einen Titel für den sechsten Teil der Indiana Jones-Filme finden, er käme für mich in die engere Wahl. Aber Spaß beiseite. Stiftungsvermögen braucht Vorbilder, damit Stiftungsverantwortliche verstehen, welche Möglichkeiten sie haben und welche Möglichkeiten sie verschenken, wenn sie nicht auf der Höhe der Zeit agieren. Beim Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen VTFDS26 waren einige dieser Vorbilder in der Future Fabrik in Leipzig-Plagwitz vor Ort. Der Boden war somit bereitet für Begegnungen der besonderen Art.

Vor allem bei der Verleihung des #VTFDS26 Awards an Florian Becker-Gitschel kam mir der Gedanke, ob es diese Vorbild-Awards braucht. Beim Lauschen der Laudatio von Olaf Krumnack auf den Preisträger wusste ich: Ja, brauchen wir. Die deutsche Stiftungslandschaft hat wie unser Land Viele, die zum Vorbild taugen, die über ihr vorbildhaftes Tun, ihren Fleiß, ihre Bereitschaft zu teilen, auch Impulse für Viele setzen (können). Warum tun sich viele Stiftungen beim Umsteuern im Stiftungsvermögen so hart? Sie haben niemanden, der ihnen wie ein Leuchtturm den Weg weist. Sie fahren durch schwere See ohne dieses blinkende Licht am Ufer, das auf Untiefen hinweist. Sie haben keine oder keinen, der ihnen beim Reflektieren unter die Arme greift. Denn diese Reflektion auf das bisherige Tun ist die erste Hürde, über die Stiftungsverantwortliche drüber müssen, wenn sie umsteuern möchten.

Stiftungsvermögen braucht die Leuchttürme

Letztlich braucht aber nicht nur die Stiftungslandschaft fürs Umsteuern diese Leuchttürme, unser Land braucht sie braucht sie auch, dringend. Denn wir alle fühlen die schwere See, aber die wenigsten von uns haben (so nehme ich das wahr) das Leuchtturm-Gefühl – weil der Leuchtturm, die Leuchttürme im Effektgewitter der Potemkin’schen Dörfer untergehen. Dort wo Vorbilder fehlen, dort wo Menschen mit positiven Eigenschaften und konstruktiven Gedanken fehlen, dort beginnt sich das Denken zu verengen. Auf das was nicht geht, auf das was das Einfachste wäre, auf das was das gestern so hochhält. Im Management von Stiftungskapitalien ist aber das Gestern, also der Rückspiegel, die falsche Maßgabe. Denn das was war, kann niemand mehr verändern, das was kommt schon. Daran entzweien sich nicht nur Gesellschaften, sondern auch Stiftungen. Die die das Morgen gestalten wollen, die das Wohl der Stiftung fest im Blick haben, die sehen, dass sie heute die Weichen stellen müssen.

LeseTipp:
And the VTFDS26 Award goes to… Florian Becker-Gitschel.Wir gratulieren herzlich, hier geht’s zur Nachlese zum VTFDS26 Award.

Wenn eine Börsenlegende neben Dir steht

Eine weitere Begegnung beim VTFDS26 hat mich ungemein gefreut, jene mit Dr. Jens Ehrhardt. Bei der offiziellen Festival-Eröffnung auf der Europlaette an Tag 1 um 13:45 Uhr erzählte ich eine Anekdote von Jens Ehrhardt und mir. Er war einst mein erster Interview-Partner als Journalist gewesen, vor inzwischen mehr als 20 Jahren. Es war eines dieser Gespräche, die mich prägten, und die uns immer wieder zusammenbrachten. Das Tolle an Dr. Jens Ehrhardt ist: Er kann die Menschen mit „Börse“ immer noch fesseln, heute besser als je zuvor, ist ein Vorbild dafür, die Börse „zu lesen“. Und mit Fesseln meine ich Begeistern, die deutsche Begeisterung für Börse ist da, auch in den Stiftungsgremien. Der „Offen gesprochen“-VTFDS26-EröffnungsTalk mit Dieter Lehmann von der Volkswagen-Stiftung zeigte das deutlich, auch diese Begegnung ist eine, die mich zusehends geprägt hat.

Dr. Jens Ehrhardt (DJE Kapital AG) und VTFDS-Initiator Tobias Karow
Dr. Jens Ehrhardt (DJE Kapital AG) und VTFDS-Initiator Tobias Karow

Von Dieter Lehmann lernen heißt Stiftung lernen

Denn von Dieter Lehmann, auch so ein Vorbild, habe ich viel vom Blick der Stiftungsverantwortlichen auf eine Stiftung gelernt. Diesen Blick, den er auch mit in den EröffnungsTalk brachte, ist ein anderer als einer, den Privatanleger haben. Diesen Blick gilt es aber zu schärfen, und wir alle müssen uns gewahr sein, welchen Konflikt jeder Stiftungsverantwortliche mit sich selbst führt.

Er ist als Mensch Privatanleger, würde viele Dinge nicht machen, muss es aber als Stiftungsverantwortlicher anders sehen. Er muss den Blick weiten, er muss die Resilienz der Stiftung im Blick haben. Er muss verstehen, dass Investieren als Ewigkeitsanleger etwas gänzlich anderes ist als Anlegen als Privatanleger. Denn gerade beim langfristigen Investieren sind die 4Ds total schlagend: Diversifizieren (und zwar handwerklich auf höchsten Niveau), Delegieren (an die besten für eine Assetklasse, eine Ertragsvorgabe), Dokumentieren (so dass die Nachfolger auch Entscheidungen nachfassen können) und Durchhalten (so dass das Spielvermögen nicht Spielball von Gremieninteressen und -„feelings“ wird.

Welche Aktienstrategie passt am besten zum Stiftungsvermögen?

Eine weitere Begegnung führt ins Jahr 2021 zurück, als ich Thorben Pollitaras von Comgest Deutschland kennenlernte. Sein Blick auf die Aktie ist ein besonderer. Es ist ein entspannter Blick, ein klarer Blick, aber eben auch ein fokussierter Blick. Auch Stiftungen schauen bei Aktieninvestments oft und gerne die Dinge neu machen, oder anders gedenken zu machen. Unternehmen, die Dinge immer gut machen und gewillt sind, ihre Geschäftsmodelle noch besser zu machen, die fallen da mal raus aus dem Raster. Das geht auch bei Stiftungsverantwortlichen recht schnell. Von Thorben Pollitaras habe ich gelernt. Was es im Kern mit Qualitätswachstumsaktien auf sich hat, und warum diese so gut geeignet sind für ein Stiftungsvermögen – weil sie speziell in der langen Frist ihre Stärken, also die ihrer dahinterliegenden Geschäftsmodelle, voll ausspielen. Auch hierüber sprachen wir beim VTFDS26, im Livestream-Talk und in der Fishbowl, das Thema muss ankommen in den Stiftungsgremien.

Mit KI im Quadrat in die Fishbowls

Noch eine Spur persönlicher sind die Begegnungen mit Kathrin Succow und Kathrin Hartkopf gewesen. Erstere lernte ich auf einer Floßfahrt kennen, zweitere so richtig auf einer Projektreise nach Vietnam. Ob es unsere Festival VTFDS und die Schwester SOKOMS gäbe, wenn die beiden nicht wären? Ich fürchte nicht. Also arbeiten wir seit anderthalb Jahren mit KI, mit Kathrin Intelligence im Quadrat. Denn Kathrin Succow und Kathrin Hartkopf haben starken Einfluss darauf genommen, dass unsere Festivals Orte von Begegnungen sind, die hängen bleiben, die nachhallen, die Gespräche auslösen, die so noch nie geführt wurden. Wie bei den Fishbowls, die sich zum Fishbowl-Track gemausert haben während VTFDS26.

Sollen wir Stiftungsvermögen klassisch verschulen?

Wir hatten Insights mit Praktikern aufgesetzt im Programm, wir hatten Stiftungsprofis gewinnen können, die ihre Sicht auf die Stiftungsvermögensdinge mitbringen. Was ist in den Fishbowls passiert? Es wurde informiert, es wurde inspiriert, es wurden Insights geliefert, die dann wiederum jeder für sich in seine Stiftungsarbeit übersetzen kann. Fishbowl heißt auch, sich in der Diskussion mal treiben zu lassen, und genau das ist an vielen Stellen passiert. Unsere Lehre aus dem Fishbowl-Track: Wir können Knowhow rund um Stiftungsvermögen klassisch verschult Principal-Agent-mäßig vermitteln, oder aber wir können es mit Profis und Vorbildern greifen und jedem damit ganz niedrigschwellig zugänglich machen. VTFDS wird letzteren Weg gehen, die Fishbowls an der Esse waren demgemäß augenöffnend für alle, die diese mitgestaltet haben.

vtfds26 in Leipzig

Zusammengefasst

Das Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen hat einen extrem starken inhaltlichen Anspruch, aber VTFDS tritt auch an, Begegnungen zu schaffen, für Begegnungen zu stehen. Begegnungen die prägen, Begegnungen die die anstoßen, Begegnungen die Augen öffnen. Denn wir verstehen alle, dass Stiftungsvermögen nicht mal nebenbei besser oder anders gemacht werden kann, und dass die allermeisten Stiftungsverantwortlichen zum Themenkreis Stiftungsvermögen eine andere Art von Inspiration brauchen. Eine die fachlich ist, eine die intensiv ist, eine die vertraulich ist. Am Stiftungsvermögen hängt das Wohl der Stiftung, und man will auf gar keinen Fall etwas verkehrt machen. Andererseits stecken im Stiftungsvermögen durch die Freiheitsgrade Ertragsmöglichkeiten, wie sie sonst kein deutscher Kapitalkörper aufweist. In diesem Spannungsverhältnis zu agieren ist schwierig, ja herausfordernd. Aber, und das zeigte VTFDS26 an vielen Stellen deutlich, so anspruchsvoll die Aufgabe auch sein mag, sie ist definitiv und unzweifelhaft auch dank zahlreicher Vorbilder lösbar.