Start #stiftungenstärken Stiftungsvermögen & Stiftungsfonds Ein Renditeziel von 4% ist ambitioniert, aber grundsätzlich erreichbar

Ein Renditeziel von 4% ist ambitioniert, aber grundsätzlich erreichbar

Auf einen Deep Dive mit Volkswirt Dr. Harald Preissler, Bantleon AG

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Interview mit Dr. Harald Preissler
Lesezeit: 4 Minuten

Stiftungsvermögen muss angelegt werden, aber genau dafür braucht es den Blick für das große Ganze. Genau dafür sprachen wir mit Dr. Harald Preissler (Bantleon AG), denn wenn Stiftungen heute ihre Anlagerichtlinie überarbeiten, dann braucht es jenen Realitätscheck, für den der erfahrene Volkswirt seit Jahren bekannt ist. Ein PRE #vtfds26 Gespräch über Anlageziele, Anlageräume – und mögliche Anlagefehler.

Sehr geehrter Herr Preissler, viele Stiftungen streben bei möglichst geringem Risiko eine Ausschüttungsrendite von 4% an. Ist das im aktuellen Umfeld bei gebotener Diversifikation realistisch?

Dr. Harald Preissler: Ein Renditeziel von 4% ist ambitioniert, aber grundsätzlich erreichbar – vorausgesetzt, das Portfolio weist ein ausreichend offensives Risikoprofil auf. Für konservative Investoren, die traditionell stark in Anleihen engagiert sind, dürfte es im aktuellen Zinsumfeld allerdings schwierig sein, dieses Ziel zu erreichen. Ein breit diversifiziertes EUR-Anleiheportfolio erzielt derzeit Renditen von etwa 3,0%. Selbst Unternehmensanleihen mit BBB-Rating liegen nach Kosten im Durchschnitt kaum über 3,5%. Kupons vn 4% und mehr erfordern daher eine spürbare Beimischung von Nachrang-, Hochzins- oder Wandelanleihen. Realistisch wird eine Gesamtrendite von 4% allerdings erst, wenn darüber hinaus auch noch eine Aktienquote von mindestens 30% gehalten wird.

Welche Strategie empfehlen Sie Stiftungen, wenn es um die mittelfristige Positionierung des liquiden Vermögens geht?

Dr. Harald Preissler: In einem Umfeld mittel- bis längerfristig steigender Kapitalmarktrenditen nehmen die Risiken bei illiquiden und intransparenten Assetklassen überproportional zu. Wir empfehlen daher einen klaren Schwerpunkt auf liquide Anlageformen. Darüber hinaus plädieren wir für einen aktiven Bewirtschaftungsansatz, der sich am Konjunkturzyklus ausrichtet. In Phasen einer anziehenden Konjunktur werden Risikoanlagen übergewichtet, im umgekehrten Fall entsprechend untergewichtet. Ein solcher Ansatz kann zusätzliche Erträge von rund 0,5 % pro Jahr generieren und gleichzeitig das Risikoprofil des Portfolios glätten.

Für kleinere und mittlere Stiftungen empfehlen wir dies in einem Multi-Asset Fonds mit hoher Ausschüttungsrendite, wie z.B. in unserem BANTLEON Changing World (Ausschüttungsziel 3,25% für 2026) umzusetzen. In der Fondsfibel wird der Fonds als „ein moderner Multi Asset-Fonds, wie ihn Stiftungen zur Bewältigung des Dreiklangs aus Ausschüttung, Performance und Nachhaltigkeit/Impact benötigen“ beschrieben.

Großen Stiftungen mit umfassend Know-how in der Kapitalanlage empfehlen wir auf Basis einer soliden Strategischen Asset Allokation (SAA) sortenrein und breit diversifiziert in liquide und illiquide Assetklassen zu investieren. 

Welche Rolle können dabei Private Equity/ELTIFs und weitere alternative Assets spielen?

Dr. Harald Preissler: Ein Teil der genannten Aktienquote kann grundsätzlich auch über alternative Anlagen abgebildet werden. Ein wesentlicher Faktor für das erfolgreiche Investment in Alternative Assets ist die Manager Auswahl. Studien hierzu weisen eine massive Dispersion in den Returns auf, mit Lücken zwischen Top- und Bottom-Quartil von bis zu 15 Prozentpunkten z.B. bei Private Equity. Dies unterstreicht, dass bei dieser Assetklasse Manager-Auswahl entscheidend ist. Aufgrund der begrenzten Transparenz solcher Investments und ihrer häufig ausgeprägten Zinssensitivität empfehlen wir jedoch nur Investoren mit entsprechender Expertise – und auch dann lediglich in moderatem Umfang – in diese Assetklasse zu investieren.

Dr. Harald Preissler beim Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen, an Tag 2 um 10 Uhr in „The battle of the Volkswirte“

vtfds Referenten Leipzig

Sie sehen an den Aktienmärkten trotz hoher Bewertungen weiteres Aufwärtspotenzial. In welchen Regionen, Branchen?

Dr. Harald Preissler: Bewertungsrelationen, wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), zeichnen sich durch eine hohe Prozyklizität aus. Das bedeutet: In Phasen einer positiven Konjunkturentwicklung werden bereits hoch bewertete Indizes, Branchen oder Einzeltitel häufig noch teurer. Erst wenn sich die konjunkturellen Perspektiven eintrüben, kehrt sich dieser Trend um. Unser Konjunkturausblick ist insbesondere für Europa, Asien und Lateinamerika optimistisch, dort sehen wir mehr Überraschungspotenzial als in den USA. Zudem sind viele Investoren in diesen Regionen stark untergewichtet. Auf Sektorebene erwarten wir vor allem bei Finanzwerten, Grundstoffen, Infrastruktur und Industrieunternehmen eine dynamische Entwicklung. Technologieaktien dürften dagegen im Verhältnis zum Gesamtmarkt vorerst eine Verschnaufpause einlegen.

Welche Entwicklungen stimmt Bantleon für Mid und Small Caps optimistisch, so dass Sie deren Übergewichtung anraten?

Dr. Harald Preissler: Zwar sind auch die Bewertungen von Mid- und Small Caps zuletzt gestiegen, im Vergleich zu Large Caps besteht jedoch weiterhin ein Aufholpotenzial von rund 30 %. Historisch zeigt sich zudem, dass gerade in konjunkturellen Aufschwungsphasen Unternehmen aus der „zweiten Reihe“ verstärkt aus dem Schatten der Blue Chips treten und überdurchschnittlich profitieren können.

Thema Fixed Income: Bantleon erwartet sinkende Risikoprämien bei Unternehmensanleihen im Investment Grade, dafür höhere Attraktivität bei Inflation Linked Bonds. Sehen wir bald wieder höhere Preissteigerungsraten?

Dr. Harald Preissler: Die Inflationsraten in Europa befinden sich seit Herbst 2022 zwar im Abwärtstrend, das 2 %-Ziel der EZB ist jedoch weiterhin ausser Sicht. Und das nicht nur wegen des jüngsten Inflationsschubs im Zuge des Nahostkriegs. Vielmehr bewegt sich die Kerninflationsrate seit einiger Zeit in einer Spanne zwischen 2 % und 2,5 % seitwärts. Die hohe Persistenz der Inflation ist vor allem auf die Preise im Dienstleistungssektor zurückzuführen, die im Durchschnitt um etwa 3 % steigen. Dahinter steht insbesondere der Lohndruck, der wiederum mit der rekordtiefen Arbeitslosenquote in der Eurozone von derzeit rund 6,1 % zusammenhängt. Die positiven Konjunkturaussichten dürften die Knappheiten am Arbeitsmarkt mittelfristig eher noch verstärken und damit weiteren Lohndruck erzeugen. In einem solchen Umfeld bieten inflationsindexierte Anleihen einen wirksamen Schutz, da ihre Kupons an die Preisentwicklung gekoppelt sind und ihre Performance daher deutlich über der vergleichbarer Nominalanleihen liegt.

Bantleon ist optimistisch für Industriemetalle. Über welche Vehikel und in welcher Dosis sollten Stiftungen partizipieren?

Dr. Harald Preissler: Die Industriemetallpreise werden aus mehreren Gründen steigen. Ein struktureller Faktor ist die energetische Transformation der (Welt-)Wirtschaft. Der Ausbau der Infrastruktur für Stromerzeugung, -transport und -speicherung erfordert grosse Mengen an Kupfer, Lithium, Kobalt und anderen Metallen. Während die Nachfrage überproportional steigt, kann das Angebot nur langsam ausgeweitet werden. Gleichzeitig sind die Vorratsbestände historisch tief. Hinzu kommt, dass die globale Industrie nach Jahren der Stagnation allmählich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, was die Nachfrage nach Metallen zusätzlich befeuert. Anlegern stehen verschiedene Wege offen, um von dieser Entwicklung zu profitieren: Entweder über die Investition in Aktien aus dem Grundstoffsektor (Einzeltitel oder ETFs). Oder über den Kauf von Terminkontrakten, was allerdings mit wiederkehrenden Rollaktivitäten verbunden ist. Die komfortablere Variante wären daher sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC), also börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen, die den Basiswert von Rohmaterialien 1:1 abbilden. 

vtfds26-Das-Ticket

Und Ihre Meinung zu Gold – geeignet für Stiftungen?

Dr. Harald Preissler: Wir betrachten Gold als wichtigen Risikodiversifikator bzw. Versicherungsschutz, der seinen grossen Nutzen in den vergangenen Jahren unter Beweis gestellt hat – was man von klassischen Safe-Haven-Assets, wie Staatsanleihen, nicht behaupten kann. Die rasant steigende Staatsverschuldung, die hohe Inflation, die geopolitische Zeitenwende und das wachsende Misstrauen gegenüber dem US-Dollar liefern auch zukünftig gute Gründe, für einen Bodensatz von 5% bis 10% an Gold in jedem Portfolio. 

Sehr geehrter Herr Dr. Preissler, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.