Wenn das Steigerlied alle von den Stühlen reißt

Wir waren bei der Verleihung des Bajazzo23 dabei – und blicken zurück

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Bajazzo 23 SteigerLied
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Wenn das Steigerlied alle von den Sitzen reißt, dann weiß ich, dass ich im Ruhrpott bin. Genauer gesagt war ich am vergangenen Samstag in Dortmund, jener Stahl-, Bier und – ja genau – Jazz-Metropole, in der ich vier Jahre wohnte und die ich mit jedem Monat mehr in mein Herz geschlossen hatte. Die Verleihung des Bajazzo23 im Orchesterzentrum in der Innenstadt stand an, und der Abend hielt sehr viel Herzlichkeit parat, prämierte 6 herausragende Nachwuchskünstler und zeigte Eines ganz deutlich: Dortmund ist Zukunft.

Der große Saal im Orchesterzentrum in Dortmund war sehr gut gefüllt, das Saallicht ging aus und die Show ging an. Das muss man wirlich so sagen, und das lag nicht zuletzt an Moderator Olaf Krumnack. Er gehört zum Vorstand der von den Theater- und Konzertfreunden Dortmund errichteten Bajazzo-Stiftung und war der Kopf hinter der Bajazzo-Verleihung. Ein Stiftungsmensch, wie er im Buche steht. Er erzählte mir von den Vorbereitungen des Bajazzo23, von den Fotomontagen im Bergwerksstollen, von den Aufnahmen vor einer Statue, bei der ein Hiphopper der eigentliche Star auf dem Fotomotiv war. Olaf Krumnack hatte auch die Idee, das Programmheft zum richtigen Magazin auszubauen, und was soll ich sagen, die Geschichten zu den Künstlern sind Klasse.

Bajazzo Maria Bovensmann
Von dieser Preisträgerin des Bajazzo23 werden wir noch viel hören: Maria Bovensmann Quelle: Bajazzo-Stiftung, Fotografin: Melanie Graas

Maria Bovensmann begeistert am Chello

Olaf Krumnack eröffnete den Abend mit einem sehr schönen Bild zu Dortmund. „Dortmund ist reich. Reich an Vielfalt. Und wenn Vielfalt Zukunft bedeutet, dann hat Dortmund eine tolle Zukunft vor sich.“ Dieses Bild zog sich wie ein Roter Faden durch den Abend, und es war ein Bild, das bezogen auf die 6 Preisträger des Bajazzo23 mehr als treffend gewählt war. Wir lernten Maria Bovensmann kennen, jene hochbegabte Cellistin, deren Auftrittsliste sich liest wie jene einer seit vielene Jahren etablierten Künstlerin. Man ist beeindruckt, und das steigert sich, wenn man sie spielen hört. Sofort als sie die Bühne betrat, ging ein Raunen durch den Saal, die Präsenz auf der Bühne war sofort da, ihr Spiel verzückte. Olaf Krumnack sprach anschließend, und wird damit Recht behalten, von einer großen Karriere, die Maria Bovensmann noch weit bringen wird.

Bajazzo Olaf Krumnack
Moderator in Höchstform und als Vorstandsmitglied der Bajazzo-Stiftung der Kopf hinter dem Bjazzo23: Olaf Krumnack. Quelle: Bajazzo-Stiftung, Fotografin: Melanie Graas

Die U11 des BVB war Teil des Schauspiel

Der Bajazzo23 wurde neben der Kategorie Klassik (an Maria Bovensmann) noch in fünf weiteren Kategorien vergeben: Tanz, Chorgesang, Jazz, Schauspiel und Neue Ausdrucksformen. So gewann die Kategorie Chorgesang die Akademie für Gesang NRW, und ich hatte das Glück in der Probe allein im Publikum sitzen zu dürfen. Hätte ich nicht gesessen, mir hätte es die Füße weggerissen. Es war einfach schön, was ich zu hören bekam, Guter Mond du gehst so stille. Das Publikum tat es mir dann nach und applaudierte begeistert. Gleiches passierte auch bei der Kategorie Schauspiel, die das Kinder- und Jugendtheater Dortmund abräumte. Unterstützt wurde sie dabei von der U11 des BVB, die in eine Szene aus einem Stück eingebunden wurde. Das Thema war Mobbing und die unterschiedlichen Perspetiven dabei. Die Jungs machten eine tolle Figur, das Ensemble baute die Jungfußballer sehr schön ein.

Bajazzo Jazzformation
Räumte den Bajazzo23 in der Kategorie Jazz ab: die Youth Masterclass der Glen Buschmann Jazz Akademie Quelle: Bajazzo-Stiftung, Fotografin: Melanie Graas

Yuto rockt mit Rap die Hütte

Und dann war da noch das Thema Rap bzw. HipHop. Ausgezeichnet wurde in der neuen Kategorie Neue Ausdrucksformen der junge Rapper Yassin Adoptante AKA Yuto. Sofort wurde es laut auf der Bühne, das Publikum ging mit, Yuto erzählt mit seinen Songs aus seinem täglichen Dasein und aus dem Alltag in seiner Stadt, in Dortmund. Er ist die Stimme, so steht es im Bajazzo-Begleitheft, einer „Generation, die Antworten hat noch bevor sie eine Frage gestellt hat“. Yuto redet von Basics des Täglichen und findet dafür sprachliche Bilder, „er fokussiert, ohne zu vergröbern“. Yuto war ein Höhepunt der anderen Art, aber hier schloss sich der Kreis zu Olaf Krumnacks Bild von der Vielfalt, die künftig zu Dortmund gehört wie früher eben Kohle, Schmelzofen und Thomas-Konverter.

Bajazzo23 Yuto
Brachte mit seinen Raps richtig Stimmung in die Bude, und fand ehrliche Worte zum Wert der musikalischen Vielfalt in Dortmund, die letztlich die Vielfalt der Menschen und Täglichen abbildet. Quelle: Bajazzo-Stiftung, Fotografin: Melanie Graas

Das Steigerlied fasst an

Kurz vor Ende der Bajazzo-Verleihung kam es dann aber noch zum emotionalen Höhepunkt des Bajazzo23. Es war Olaf Krumnacks Wunsch, und er wurde erfüllt. Der Saal intonierte das Steigerlied, und bei dem einen oder anderen wurde rasch das Taschentuch rausgezottelt. Der in diesem Klassiker eingebettete Blick in das Gestern der Ruhrmetrople Dortmund, das bis heute die DNA der Stadt prägt, fasste den einen oder anderen doch einigermaßen an. Die erste Strophe brachte selbst ich als lediglich gelernter Teilzeit-Dortmunder zusammen, dann musste ich ablesen. Es war dies ein Moment, der einen packte, das muss ich sagen, solch einen Gruß bei der Nacht gibt es nicht aus sehr vielen Veranstaltungen. Genau dieses Besondere wird hängenbleiben vom Bajazzo23, jeder der vor Ort war, hat das mit nach Hause genommen.

Bajazzo23 Impressionen
Ein toller Abend war, wir danken der Bajazzo-Stiftung und allen voran Olaf Krumnack dafür, an diesem in der Tat besonderen Abend dabei gewesen sein zu dürfen. Wie heißt es so schön, München sei immer eine Reise wert – gilt für Dortmund nicht minder. Quelle: Fotoarchiv stiftungmarktplatz.eu

Zusammengefasst

Was soll ich sagen, es war ein rundum gelungener Abend, der Bajazzo23 hielt alles bereit, was eine Preisverleihung liefern muss: Tolle Preisträger, herausragende Performances und einen Moderator in Top-Form. Das Team der Bajazzo-Stiftung um Olaf Krumnack hat diesen Abend zu etwas besonderem gemacht, das ließ sich auch beim Come together beobachten. Die meisten Gäste blieben länger, plauschten, lachten, sogar die Kulturministerin von Nordrhein-Westfalen, die gebürtige Dortmunderin Ina Brandes, ward noch gesehen. Für mich war es ein Abend, der mir zeigte, das der Hashtag wasmachenstiftungen genau durch solche Abende mit leben gefüllt wird. Deshalb freue ich mich auch bereits auf den Bajazzo25. Glück auf.