Unsere Stiftungswebsite muss neu! Muss sie?

Es gibt gute Gründe für einen Relaunch der Stiftungswebsite, aber eben auch das Gegenteil

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Pro und Contra neue Stiftungswebsite
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Gerade durch die Corona-Pandemie ist vielen Stiftungen bzw. vielen Stiftungsgremien klar geworden, dass eine Situation eintreten kann, in der ein funktionierender Webauftritt der Nukleus meines Seins im „Draußen“ ist. Entsprechend wurden viele Pläne und Ideen aus den Schubladen gekramt, nach denen ein Websiterelaunch gemacht werden müsste. Mit dem Neubauen der Stiftungswebsite ist es aber bei vielen Stiftungen nicht getan. Um diesen Prozess nun etwas zu ventilieren, haben wir ein paar Pro und Contras rund um die neue Stiftungswebsite zusammengetragen.

Der Relaunch der Stiftungswebsite ist für viele Stiftungen mittlerweile fester Tagesordnungspunkt, und viele Stiftungen gehen auch weit darüber hinaus, indem sie ihre Prozesse dahingehend abklopfen, ob sie sich nicht digitaler etwas schlanker darstellen lassen, und viele Stiftungen beginnen ihre Überlegungen auch bei der Marke ihrer Stiftung. Ist die DNA des Brands, wie es heute so schön heißt, erst einmal definiert, dann kommen häufig ganz andere Antworten beim Relaunch der Stiftungswebsite heraus. Muss auch so sein, denn wenn ich den Prozess meines Neu-Auftritt viel weiter vorne anfange aufzusetzen, dann sind auch die Ergebnisse hinten raus meist andere. Eine Stiftungswebsite als Plattform, etwa für modernes Lernen? Das kommt beispielsweise heraus, wenn man weggeht davon, über die Stiftungswebsite rein die eigenen Programme und deren Projekte zu beschreiben.

STIFTUNGSWEBSITE IST MEHR ALS EIN IMPRESSUM

Genau an diesem Punkt stehen aber viele Stiftungen, sie beschreiben, und das ist für uns das erste PRO zur neuen Stiftungswebsite, ihre Projekte, ihr tägliches Tun – und machen dieses darüber anfassbar. Das ist wichtig, das ist richtig, und das passt auch in die Zeit. Wer draußen nicht greifbar ist, dessen Angebote greift man nicht auf, als Spender, als Unterstützer, als Begleiter. PRO Nummer 2 flanscht sich daran an, eine neue Stiftungswebsite ist heute meist weit mehr als das profane erweiterte Impressum, sie ist heute zentraler Hub für alle Infos und Neuigkeiten rund um die Stiftungsarbeit. Damit ist sie Hub für das Darstellen der Stiftungsarbeit nach draußen, und auch Zugriffpunkt für Social Media-Aktivitäten, die ich ggf. hinzuschalte.

SOCIAL MEDIA BRAUCHT HUBS

Pro Nummer 3 zielt genau hierauf ab. Social Media ist für immer mehr Stiftungen nicht nur nett, sondern absolut notwendig. Wer aber auf seiner Stiftungswebsite keine Anker hat, auf die er via Social Media verweisen kann, wird es eng. Natürlich kann eine Stiftung für sich entscheiden, dass sie zentral Social Media für den Außenauftritt nutzt und die Stiftungswebsite eben nur Impressum ist, aber dann müssen die Gedanken rund um Marke, Zielgruppe und Inhalte erst recht stimmig sein. Die Stiftungswebsite als Nukleus der eigenen Darstellung zu begreifen hat zudem noch den Vorteil, dass ich zuerst selber meine Geschichten erzähle, dass meine Geschichte nicht (nur) mit einem coolen Tweet auf Twitter zusammengebracht wird, sondern eben mit meiner Stiftung.


PODCAST-TIPP:Warum die neue Stiftungswebsite ein so hohen Nutzen hat und wie die National-Stiftung den Relaunch zu Ihrem „Corona-Projekt“ gemacht hat, das erzählt die Geschäftsführerin Dr. Agata Klaus in Folge 55 unseres FreitagsPodcasts AHOI, NPO! hier auf #stiftungenstärken.

EINE STIFTUNGSWEBSITE ZEIGT DIE RELEVANZ

Das vierte Pro zur eigenen Stiftungswebsite ist sicherlich das Zeigen von Relevanz. Stiftungen, die relevant sind, zeigen das was sie tun auf der eigenen Stiftungswebsite, für sie ist Social Media eine Verbreitungsmaschine, die sie nutzen. Relevanz zu zeigen kann ein sehr starkes Argument für eine neue Stiftungswebsite sein, erst recht wenn der Stiftungssektor hier und da durchaus mal auf seine Relevanz hin abgeklopft wird. Neben der Relevanz ist es auch das Wort Reputation, das eng an der neu gemachten Stiftungswebsite hängt. Habe ich als Stiftung keine Stiftungswebsite, werde ich mich früher oder später fragen lassen müssen, ob es sein kann, dass ich zwar einen übergeordneten Auftrag erfülle, dies aber als Black Box.

ÜBER DIE STIFTUNGSWEBSITE ERZÄHLE ICH MEINE GESCHICHTE(N)

Mit einer Stiftungswebsite mache ich mich transparent, bis zu einem gewissen Punkt, ok, aber ich zeige mich und mein Tun – und meine Macher. Keine Stiftungswebsite beschädigt womöglich zu einem Zeitpunkt in der Zukunft meine Reputation als Stiftung. Ein weiteres starkes Pro für eine neue Stiftungswebsite knüpft hieran an. Eine Stiftungswebsite ist auch ein Schaufenster, ich öffne mich, mit Inhalten, mit Themen, mit Programmen – auch für neue oder künftige Mitarbeiter. Eine Stiftung ohne Stiftungswebsite wird womöglich gar nicht als Arbeitsplatz der Zukunft wahrgenommen. Wenn es denn das Problem das Nachwuchsfindens auch im Stiftungsbereich gibt, dann kann die veraltete Stiftungswebsite zum Problemkatalysator werden. Wer bewirbt sich auf einen Arbeitsplatz, den ich morgen mit Inhalt füllen soll, der aber im Gestern verhaftet ist? Eben.

IST REPUTATION SO WICHTIG?

Das erste Contra gegen die neue Stiftungswebsite setzt aber genau hier an. Wenn ich neues Personal nur finde, weil ich eine neue Stiftungswebsite habe, dann habe ich womöglich ein schlechtes Netzwerk oder biete einfach nicht Attraktives, da hilft dann die neue Stiftungswebsite auch nicht mehr wirklich weiter. Auch das Thema Reputation lässt sich wunderbar entkräften. Wenn die Reputation künftig an der Stiftungswebsite hängt, sich Freunde und Begleiter also rein auf diesen Eindruck verlassen, dann sind dies vielleicht nicht die richtigen Mitstreiter für meine Stiftung. Brauche ich die dann? Und wenn ich die nicht brauche, brauche ich dann eine neue Stiftungswebsite?

DAS DRITTE CONTRA BETRIFFT DIE PROJEKTPRAXIS

Das dritte Contra betrifft den Punkt der Transparenz. Eine Stiftung ist per se nicht zu Transparenz gezwungen. Manche Projekte gedeihen auch besser, wenn sie in der Stille entwickelt werden, etwa weil sehr sensible soziale Probleme bearbeitet werden, die besser keiner großen Öffentlichkeit bedürfen. Hier spricht sich Manches einfach herum, die Sich-rum-Sprechen gehört zu Konzept, und dieses Konzept würde durch eine neue Stiftungswebsite durchbrochen. Hier kann eine neue Stiftungswebsite sogar kontraproduktiv wirken. Gegen einen neuen Webauftritt einer Stiftung sprechen aber neben inhaltlichen Aspekten auch oft schlicht die Ressourcen. Eine Stiftungswebsite braucht eine Idee, ein Design, ein Konzept, das Ganze muss umgesetzt und danach mit Leben gefüllt werden. Vorne raus kostet also einen Stiftungswebsite Geld, hinten raus kostet die Zeit.

SOCIAL MEDIA KOSTETFAST NIX

Haben Stiftungen weder Geld noch Zeit, kann der Schuss mit der neuen Stiftungswebsite schnell nach hinten losgehen. Sagt sich eine Stiftung, dass sie keine 3.000 EUR für ein neues Template hat, und dass sie dazu dann keine 3 Stunden die Woche hat um das Ganze regelmäßig mit Inhalt zu füllen, dann kann die Entscheidung, einen Relaunch zu lassen, sehr schlüssig sein. Ein weiteres Contra betrifft Social Media. Auch wenn Social Media einen zentralen Hub für Inhalte braucht, so kann es für Stiftungen stimmig sein, sich direkt via Social Media draußen zu zeigen, die eigenen Geschichten direkt via Social Media zu erzählen, quasi ad-hoc, quasi live, quasi immer aktuell. Das ist ein niedrigschwelliger Weg, dieser kostet im Wesentlichen Zeit, aber Vieles, was für eine Stiftungswebsite teuer eingekauft werden muss, bringen die Social Media-Plattformen ja bereits mit.

ZUSAMMENGEFASST

Es gibt viele Gründe, keine neue Stiftungswebsite zu kreieren, sich über Marke, Logo, Content, Zielgruppe und Ressourcen keine Gedanken zu machen. Zu umfänglich, zu teuer, zu kleinteilig, alles Argumente, die sich ins Felde führen ließen – und die in Stiftungsgremien sicherlich verfangen können. Andererseits ist die eigene Stiftungswebsite auch ein Kleinod, hier kann ich meine Geschichten so erzählen, wie es mir gefällt, die Aspekte besonders betonen, die mir wichtig sind und muss mich eben nicht auf ein Bild und 270 Zeichen beschränken. Gerade Stiftungen mit ihren vielen Geschichten haben vielleicht genau das, was ganz verschiedene Zielgruppen anspricht. Daher spricht auch sehr viel dafür, heute einen Relaunch der Stiftungswebsite anzustoßen, für das Erzählen, für das Zeigen, für das Gewinnen, eben für das Morgen.