Gerade läuft ein Film im Kino, über den Aufstieg Putins. Mit „Der Magier im Kreml“ ist jedoch nicht er gemeint, sondern sein Helfer Wladislaw Surkow (im Film Vadim Baranow). Der Film basiert auf dem Bestseller von Giuliano da Empoli, und ja, er ist ob seiner dystopischen Töne, seines die dunkle Seite der Macht zeigenden Aufrisses, seines melancholisch-brutalen Subtextes richtig schwere Kost. Der Hauptfigur aber, man kommt ihr nahe. An einer Stelle im letzten Drittel sagt die Leitfigur in einem Gespräch, er habe früher nur in der Zukunft gelebt, seine Tochter habe ihm die Gegenwart geschenkt. An anderer Stelle will der Protagonist seinem Leben nicht nur zuschauen, sondern es gestalten. Diese Sätze sind es wert, über sie nachzudenken.
Angst ist kein guter Herr
Sind es nicht oft Ängste, die Zukunft betreffend, die einen Entscheidungen im Hier und Jetzt nicht treffen lassen? Zeigen Geschichten wie jene verfilmte nicht sehr schön, dass Angst kein guter Herr ist, insbesondere nicht vor der Zukunft?
Diese Ängste sind genauso unbestimmt wie unnötig, denn was letztlich wirklich zählt ist das Hier und Jetzt. Wir reden immer viel darüber, was wir für die Zukunft brauchen, auch im Stiftungssektor, was Stiftungen alles machen müssen, um in Zukunft schlagkräftiger zu werden. Sie müssen professioneller werden, um künftig noch mehr zu reüssieren. Sie müssen sichtbarer werden, um den Großspender von morgen anzulocken. Und und und…
Wenn das alles so wichtig ist, dann fragt man sich, warum der Satz „Wir machen das jetzt“ so selten fällt. Will ein Major Donor hören, was in Zukunft in der Stiftung passieren soll, oder will er hören, dass jetzt im Hier und Heute dieses oder jenes konkret gemacht wird. Es dürfte letzteres sein, und viele Stiftungen haben hier jede Menge zu liefern.
Was will Major Donor?
Dennoch landen wir bei Fragen, die sich Major Donors heute stellen, und die wir schon mit einer Portion „Heute“ beantworten müssen. Wird ein Major Donor, also jemand der 1, 5, 20 Mio. Euro oder mehr gibt, einer Stiftung sein Geld geben, die nicht professionell ihr Vermögen verwaltet? Nein. Wird ein Major Donor einer Stiftung sein Geld geben, die das gemeinsam Erreichte dann nicht auch kommuniziert? Nein, also vielen Gebern wird das ein Anliegen sein. Wird ein Major Donor sein Geld einer Stiftung geben, die nicht relevant ist im Tun, die nichts bewirkt mit dem ihr zur Verfügung stehenden Geld? Auch hier dürfte die Antwort Nein sein.
Aus dreimal Nein wird dreimal Ja Uns treibt die Mechanik hinter diesen Neins gerade sehr stark um. Wie schaffen wir es, dass der Sektor weniger mit sich selbst als viel mehr mit seinem Gelingen befasst ist, wie kriegen wir es hin, dass nicht Narrative das Handeln bestimmen, sondern konkretes Wirken und das Zeigen dessen. Wie baut ein Sektor Selbstvertrauen auf, indem er mit Dienstleistern auf Augenhöhe agiert. Das sind Fragen, die sich aus Gesprächen herausgeschält haben, die uns umtreiben, und die in drei konkreten Erkenntnissen münden:
- Wer im Hier und Jetzt Stiftungsvermögen investiert, muss die Angst vor der Anlageentscheidung und vor dem „Anders machen“ überwinden. Es gibt keinen Grund, Stiftungsvermögen nicht anders, nicht entlang anderer Anlageziele, zu investieren. Der größte Fehler wäre es, genau über Anlageziele, Anlagekonzepte und Anlageräume nicht neu nachzudenken.
- Das neue Geben, New Giving wie es so schön heißt, braucht natürlich eine Vision, aber vor allem braucht es Handfestes im Hier und Jetzt. Großspender, Major Donor, wollen professionelles Machen sehen, es in den handelnden Personen spüren, und nicht nur davon hören, dass professionelles Machen die Zukunft „unserer Stiftung“ ist. Ein Major Donor wird dann sofort fragen, warum nicht jetzt schon.
- Es lässt sich darüber streiten, ob jede Stiftung einen starken Außenauftritt braucht, ob jede Stiftung kommunikative Feuerwerke abbrennen soll. Aber Kommunikation, also das Zeigen des Erreichten, des Bewirkten, des Gelingens, ist der stärkste Ausdruck von Selbstbewusstsein des Gebraucht-werdens und von Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

16.6., 17.6., 25.6., 7.7., 8.7. 10.7., 3.11., 4.11., …
Um das mal zusammenzubinden, könnte die folgende Terminreihe eine für Ihren Stiftungskalender sein: 16.6., 17.6., 25.6., 7.7., 8.7. 10.7., 3.11., 4.11., das sind die Zahlen, die Veranstaltungen dahinter sind Deutschlands erstes Networking Festival für Stiftungsvermögen, die StiftungsApéro SommerTour und Deutschlands erstes Werkstatt Festival für Stiftungskommunikation, digitale Werkzeuge für die Stiftungspraxis und KI im Stiftungsalltag.
Das finale Apercu
Vielleicht sind die Astronauten und Kosmonauten der 60er Jahre ja gute Vorbilder für Stiftung im Deutschland anno 2026. Was hatten jene Raumeroberer und Raumseefahrer, was einte sie? Eine Vision, eine Idee, den Weltraum zu erkunden, auf einem Erdtrabanten herumzulaufen.
Ja, sie hatten jene „Bring a man on the moon and return him safely to the earth“-Vision. Diese Vision begeisterte anfangs niemanden. Aber je mehr Fortschritte erzielt wurden, je mehr die Entwicklung voranschritt und das Erreichbare sichtbarer, ja konkreter, wurde, desto mehr faszinierte das „Space Race“ die Massen.
Was anfangs begann als Satz in einer Rede, wurde zu einem DER Ereignisse des ausgehenden Jahrhunderts. Kosmonauten wie Astronauten haben durch ihren Wettbewerb das anfangs unmögliche Erscheinende möglich gemacht. Führt man sich das vor Augen ist man fast geneigt so etwas wie „Der Engagement Astronaut“ für Stiftungsthemen als gedrucktes Teil zu machen. Fast.

Nun lässt sich die vor uns liegende Stiftungsblüte 3.0 nicht mit der Mondlandung vergleichen, aber die Vision für den Sektor wie er heute ist und wie er in 15 Jahren sein wird kann schon eine ambitionierte sein. Ein moderner Stiftungssektor kann ein Standortfaktor für eine moderne Volkswirtschaft sein, denn wo ein Teil der Wertschöpfung wie automatisch in Stiftungs- und Engagementstrukturen fließt, dort ist das gesellschaftliche Vorankommen nicht nur Teil- sondern Kernziel wirtschaftlicher Aktivitäten.
Ein moderner Stiftungssektor sieht sich zudem verantwortlich, start-up-Aktivitäten wie selbstverständlich zu unterstützen, social start-up sprechen in solch einer Welt Stiftungen bei Investorenrunden zuerst an. Nicht zuletzt steht ein moderner Stiftungssektor damit dafür, gesellschaftlichen Fliehkräften zu begegnen. Denn dort wo Zukunft heute entsteht, sind Menschen im Heute für Morgen optimistisch. Das wiederum ist ein ungemein einendes Moment.
Waren es einzelne, die die Mondlandung im Juli 1969 verfolgt haben, oder waren es viele Menschen. Ja, es waren extrem viele, ganze Nationen saßen vor dem Fernseher, ja, nahezu die ganze Welt. Merken Sie was?












