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Der Fußabdruck von Stiftungsvermögen

Toronto Insights – so gehen kanadische Stiftungen beim Impact Investing vor

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Jedes Stiftungsvermögen hat einen Fußabdruck.
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Jedes Stiftungsvermögen hat einen Fußabdruck. So „lernte“ ich es in Toronto auf der dortigen 2026er Stiftungskonferenz, die Impact Investing als Schwerpunkt gesetzt hatte. Was bei kanadischen Stiftungen aber eben die Kombination aus Impact und Investing bedeutet, wurde in Deutschland zu oft ideologisch überfrachtet. Impact ist dabei kein Gütesiegel, sondern eine Haltung. Aber eben eine Haltung, die der eines Investors entspricht. Das gute Wirken kann und muss auch ein gutes Geschäft sein, denn nur so verdient man sich als Stiftung die steuerliche Privilegierung. Drei Gedanken, die ich hierzulande gerne häufiger diskutieren möchte.

Impact Investing ist in Kanada keine Mode, nein, Impact Investing ist eine Art zu investieren, die es schon sehr lange gibt und die dort auch einen richtigen industriellen Überbau hat. Investment-Gesellschaften bieten Impact-Fonds an, sie gehen mit Konzepten auf Stiftungen zu. Stiftungen ihrerseits treten nicht als Grantiers auf, sondern eben als Investoren. Ein Stiftungsvorstand erklärte mir das in Toronto beim Kaffee so: Geben wir nur Geld, haben wir keinen Einfluss, etwa auf ein Social Business. Das Risiko, dass das Geld weg ist, ist höher als wenn wir investieren mit der Chance auf einen Return. Gemeint ist die finanzielle Rendite, die neben der Wirkung, die das gegebene Geld in beiden Fällen entsteht, resultieren kann. Impact Investing als Chancenpool anzusehen, der umso voller ist je mehr social start-ups sich um ein Investment bewerben, das ist eine andere Art von Herangehensweise.

Was will eine Stiftung, was ist ihr wichtig
Auch fand ich es spannend zu hören, dass der Umbau eines Stiftungsvermögen „from traditional investing to impact investing“ sehr gut funktionieren kann. Und so ein Prozess dauert keine 10 Jahre, sondern wie im Fall der Inspirit Foundation kaum 5 Jahre. Ausgangspunkt war die Analyse, was die Stiftung eigentlich für eine Mission hat. Wohin will sie auf der Zweckseite, was ist ihr hier ein Anliegen, und was ist ihr auf der Einnahmeseite wichtig. Woher kommen die Erträge, das war die Ausgangsfrage. Also wurden Investments identifiziert, die dem entgegenstehen, und konsequent veräußert. Im Gegenzug kam ein Prozess in Gang, der danach fragte, mit welchen Anlageprodukten lassen sich diese oder jene Ziele erreichen, lässt auf diesen oder jenen Aspekt unserer Mission einzahlen. Es war eine Art Fondauswahl „Best of Mission“. Was dazu aber auch hinterfragt wurde, war die Rolle der Stiftung als Kapitalinhaber.


FestivalTipp:
Im Rahmen von Deutschlands erstem Networking Festival für Stiftungsvermögen am 16ten & 17ten Juni in Leipzig ist das ImpactLab fester Bestandteil des Programms. Workshops. Talks, mit Stiftungsvertretern und Stiftungsexperten – mehr Impact Investing war nie!

Stiftungsvermögen und die Nähe zum Investment
Gehört zu dieser Verantwortung nicht auch, dass die Stiftung näher heran an ihre Investments rückt? Wer Wirkung produzieren will, muss vielleicht auch bei deren Entstehung näher dran sein. Ein spannender Gedanke, der automatisch die Frage aufwarf, ob Impact Investing immer qua Vehikel oder auch mal qua Direkteinsatz passieren kann. Oder ob bei Impact-Fonds das Spektrum nicht doch breiter ist als man für gemeinhin denkt. Siehe da, genau das passierte, durch das Schürfen nach weiteren Impact-driven Funds kamen Konzepte auf dem Tisch, die nicht alle investierbar waren, die aber allesamt spannend waren – und damit die Stiftung zum Lernenden in eigener Sache machte.

Asset in motion – schon mal drüber nachgedacht?
Eine weitere Betrachtung schloss sich hier dann an. Stiftungen haben Asset under Management, also verwaltetes (ok, mögen wir nicht mehr, gemanagtes) Vermögen. Was ist nun, wenn ich mein Vermögen unterteile in eben jene Asset under Management und Asset in Motion, also solche, mit denen ich als Stiftung unternehmerisch agiert und Dinge in Bewegung gebracht habe? Jene Bewegung, die Wirkung erzeugt und Renditen generiert, die aus Stiftungssicht jenen Fußabdruck produzieren, der Stiftungshandeln zusätzlich legitimiert? Diese Frage taucht nämlich auch in Nordamerika auf, ob es Stiftungen überhaupt braucht, die für ihren kleinen Kapitalstock nur kleine Ideen haben und damit dann auch nur kleine Dinge verändern? Es hört sich an wie der Diskurs, den wir hierzulande im vergangenen Jahr führten, aber er hat eine andere Flughöhe. Denn wenn ich weiß, dass Stiftungen in Nordamerika auch als Investoren etwa für social start-ups agieren, dann will man sich gar nicht ausmalen, welche Lücke entstünde, brächen diese Kreislauf-Anschieber weg.

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Zusammengefasst
Impact Investing wird auch in Deutschland mehr Gewicht bekommen in den Diskussionen in den Stiftungsgremien. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Nicht weil das jetzt „the hottest shit“ des Anlegens von Stiftungskapitalien ist, sondern weil es sehr gute Gründe gibt, Stiftungsvermögen auf seine Mission hin zu kanalisieren. Es darf ruhig ein neues Gefühl von Verantwortung entstehen, etwa für start-ups, die das Vorankommen des Gemeinwohls im Blick haben. Wegducken bei Mails und Anrufen von Gründerinnen und Gründern, das kann und muss Vergangenheit sein in deutschen Stiftungsgremien, denn Impact Investments bringen Dinge in Bewegung – innerhalb wie außerhalb einer Stiftung.