Stiftungsfundraising geht zurück auf Los

Drei stiftungsrelevante Fundraising-Trends für 2023

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Geht Stiftungsfundraising zurück auf Los? Vor drei Jahren um diese Zeit erreichten uns die ersten Meldungen, in Asien sei ein hochansteckendes Virus ausgebrochen. Kurze Zeit später wurde in Deutschland der erste Fall gemeldet. Was folgte war eine beispiellose Phase, in der im Stiftungsfundraising beispielsweise plötzlich alles digital werden musste. Jetzt, drei Jahre später, drehen sich die Uhren hier und da wieder ein Stück zurück. Das Jahr 2023 wird für das Stiftungsfundraising dennoch kein „Zurück auf Los“-Jahr werden.

Es gibt da diesen einen Satz, der in den täglichen Arbeitsprozess wie eine vor drei Jahren nicht für möglich gehaltene Selbstverständlichkeit Einzug gehalten hat. ‚Ich stelle uns mal ein Teams-Meeting ein‘ heißt der Satz, und vor gut drei Jahren hätten wir mit diesem nur sehr wenig anfangen können. Wer sprechen wollte, griff zum Hörer oder ging auf ein Event. Fundraising war Vertriebsarbeit, und die machten Stiftungen von Angesicht zu Angesicht. Die Stiftungswebsite war ein Projekt, das wir in absehbarer Zeit mal angehen werden, aber im Moment haben wir gerade andere Prioritäten. Genauso wie sich der Stiftungsalltag aber in den vergangenen Jahren verändert hat, wird sich die Uhr ein kleines Stückchen zurückdrehen. Nicht weil früher alles besser war, sondern weil sich zu den neuen digitalen Errungenschaften das alte Feld der Möglichkeiten hinzugesellt.

Stiftungsfundraising-Trend Nummer 1 im Jahr 2023: Veranstaltungen sind zurück

Sicherlich. Es ist keine Neuigkeit, aber Events feiern ein fulminantes Comeback. Menschen wollen sich austauschen, auch persönlich, und wo geht das besser als im Café oder bei einem Event. Als Person auf einem Event teilzunehmen hat für Stiftungsverantwortliche den Vorteil, dass der Weg zum Austausch ein sehr kurzer ist. Die Frage ist halt nur, ob ich zum Wiedersehen alter Kollegen auf ein Event gehe, oder zum Aussaugen fachlichen Inputs . Letzteres geht heute eben auch wunderbar im Digitalen, weshalb der persönliche Austausch womöglich das Argument ist, das bei einem Eventbesuch mehr zählt. Entsprechend vorbereitet muss ich sein, um meine Fundraising-Story passend für diesen Rahmen „vortragen“ zu können.

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Stiftungsfundraising-Trends Nummer 2 im Jahr 2023: Geben Sie Spendern Flexibilität in der Spende an die Hand

Das persönliche Gespräch führt vielleicht auch direkt in eine Spendenhandlung, zumindest wäre das heute nicht mehr sonderlich überraschend. Wer eine Stiftung cool findet, der guckt sich auf deren Stiftungswebsite um. Gefällt ihr oder ihm, was sie oder er dort sieht, dann ist der Weg zur Spende ein schneller. Abgeholt wird die neue Spenderin oder der neue Spender dann auch darüber, dass er entscheiden kann, wie oft gespendet wird, wie viel gespendet wird und über welchen Kanal gespendet wird. Hier muss eine Stiftung heute deutlich mehr Wege offenhalten als noch vor drei Jahren. Damals war der Spendenbutton so ein buntes Ding, das auch auf der Stiftungswebsite zugegen war, aber häufig mehr als Alibi getreu dem Motto „Wir sind auch online“. Heute ist das anders, Spenderin und Spender sind online-versierter, also muss eine Stiftungswebsite hier mithalten können.

Stiftungswebsite JER = jetzt erst recht

Heißt weitergedacht eben auch: Stiftungen müssen weiter an ihren Webauftritten arbeiten, und womöglich JER – jetzt erst recht. Es wird sich in 2023 vermutlich relativ deutlich zeigen, dass Stiftungen, die über einen modernen Auftritt im Netz qua ihrer Stiftungswebsite verfügen, sich leichter tun, niedrigschwellige Fundraising-Angebote zu unterbreiten. Spenderinnen und Spender werden es bei ihnen einfacher haben, zu spenden. Genau das hat sich verändert in den drei Jahren. Spenderinnen und Spender sind mehr digital natives geworden, der Anspruch ans Einfache – auch auf der Stiftungswebsite – ist gewachsen. Daher der Tipp an der Stelle: Allokieren Sie jetzt erst recht Budget auf die Entwicklung der eigenen Webpräsenz, die Stiftungswebsite muss gerade jetzt ein adäquates Informations- und Spendenangebot bereithalten. Wer hier jetzt nichts bieten kann, wird im Spendenwettbewerb zurückfallen.

Stiftungsfundraising-Trends Nummer 3 im Jahr 2023: Spielen für die gute Sache

Eine dritte „Sache“ dürfte 2023 einen Schritt nach vorne in die Wahrnehmung von Stiftungsverantwortlichen machen: das Spielen für die gute Sache, oder wie es auch heißt, Gaming for good. Wir hatten es schon ein paar Mal hier geschrieben, dass wir an die Verbindung von Gaming- und Fundraising-Aktivitäten glauben, dass wir hier auch einen Raum sehen, den deutsche Stiftungen bislang nur unzureichend besetzt haben. Gaming ist für viele junge Menschen völlig normal, wir die wir nicht Computer spielen sind die, die aus deren Sicht hier und da weltfremd daherkommen. Das Jahr 2023 könnte hier eine Art Startjahr sein, denn Gaming-Aktivitäten sind aus der Lebensrealität nachfolgender Generationen kaum mehr wegzudenken. Die problembeladene Welt wiederum hat bei diesen jungen Menschen auch eine Art Spenden-Bias aktiviert. Dies zu nutzen, kann für Stiftungen sinnvoll sein, und es kann auch ein Weg dahin sein, den Kreis der Freunde und Begleiter der Stiftung gezielt zu weiten.

Zusammengefasst

Das Jahr 2023 hat gerade erst begonnen, aber schon zeichnen sich erste Trends ab. Für das Stiftungsfundraising haben wir mal drei Trends herausgefiltert, wissend dass es sich hier um ein überschaubares Destillat handelt. Wieder auf Events zu gehen, an der Stiftungswebsite weiter zu arbeiten und Gaming als Quelle neuer Spenden nicht außer Acht zu lassen, das ist auch im Stiftungssektor nichts Neues. Wohl aber die Tatsache, dass diese losgelösten Aspekte sich kulminieren, dass sich der Besatz an notwendigen Erfolgsfaktoren im Stiftungsfundraising verschieben könnte. Ein „Zurück auf Los“ wird es eben nicht sein. Eher ist es ein Los!