Stiftungsfonds im sicher-ist-sicher-Modus

Ukraine-Krise AKTUELL: So schlagen sich unseren neuen #fondsfibel-Fondsideen für Stiftungen bei politischen Börsen

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Update zum Krieg - DIE NEUEN
Lesezeit: 7 Minuten

Ukraine-Krise AKTUELL: Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine intensiviert sich, die Verwerfungen auf den Kapital- und Energiemärkten drohen sich damit zusehends auszuweiten. Heute schauen wir, wie sich die neuen Fondskonzepte, die wir in regelmäßigen Abständen auf www.fondsfibel.de vorstellen, in diesem Umfeld schlagen.

HAC Marathon Stiftungsfonds: Neues Allzeithoch erreicht

Stiftungsfonds im sicher-ist-sicher-Modus, dafür könnte der HAC Marathon Stiftungsfonds Pate stehen im aktuellen Umfeld. Der Fonds vertraut als regelbasiertes Angebot dem so genannten Pfadfinder-System. Dabei handelt es sich um ein selbstentwickeltes, mehrfach ausgezeichnetes Analysetool. Dieses Tool hat während des Coronacrashs im März 2020 hervorragend gearbeitet – und auch aktuell sorgt es für außergewöhnlichen Erfolg: Der Fonds hat am Montag ein neues Allzeithoch erklommen! In der jüngsten Überprüfung des Aktienportfolios im Marathon Stiftungsfonds ist der Anteil europäischer und amerikanischer Aktien signifikant geschrumpft und der Anteil von Qualitätsaktien aus Asien deutlich gewachsen.

Das berichtet Fondsmanager Daniel Haase: „Auf die Wertentwicklung des Stiftungsfonds hat sich diese Veränderung sehr positiv ausgewirkt. Zwar mussten auch unsere Aktien Rücksetzer hinnehmen, doch diese fielen kleiner aus als die Erträge der vom Pfadfinder-System veranlassten Absicherungsmaßnahmen. In der Folge legte der Stiftungsfonds in dieser Woche zu.“ Auch wenn dies nur eine Momentaufnahme sei, die keine Garantie für zukünftige Entwicklungen bietet, so verdeutlicht sie doch ziemlich eindrücklich, dass Qualität bei der Aktienauswahl und aktives Risikomanagement im aktuellen Umfeld große Vorteile bietet.

Grundsätzliche Ausrichtung überdenken – Abhängigkeit von Europa minimieren

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr und folgt zwei grundlegenden Gedanken: „Schon seit Jahren predigen wir bei HAC, dass jeder, der sein laufendes Einkommen in Euro bezieht, dessen Immobilienvermögen in Deutschland/Europa steht und dessen Unternehmen ebenfalls in Europa beheimatet ist, zumindest in seinem Wertpapierdepot einen internationalen Ansatz verfolgen sollte, um so wenigstens in Teilen seine Abhängigkeit von den Entwicklungen in Europa zu reduzieren“ lässt Haase wissen. Und der zweite Gedanke: Aktien zu besitzen, wenn die Kurse fallen ist mit Risiken zu behaftet. Mindestens genauso groß ist das Risiko, Aktien nicht zu besitzen, wenn sie steigen. Hier dürfte das Pfadfinder-Tool – wie 2020, rechtzeitig die Signale senden, die Absicherungen aufzulösen, was wiederum Zusatzerträge verspricht.

Handicap-International - Nothilfe Ukraine

Conservative Concept Gamma Plus: Leichter Gewinn auf Monatsbasis

Der Gamma Plus konnte im Februar 0,16% zulegen und somit das Versprechen halten, in Krisenzeiten als Anker zu dienen. „Der Abverkauf fand sehr kontrolliert statt, und der große sell-off blieb aus. Ebenso ist der Markt nicht in den Panikmodus gewechselt, wie wir es zum Beispiel vor knapp 2 Jahren beim „Corona-Crash“ gesehen haben“ analysiert Fondsmanager Markus Buchmann. Sehr gut zu erkennen ist dies an der Volatilität. Diese lag im Februar am Hauptmarkt S&P 500 im 30er Bereich, teilweise sogar darunter.

Vor 2 Jahren dagegen haben wir sehr schnell Vola-Niveaus von 50, 60 und später sogar über 80 gesehen, was seinerzeit auch zu Erträgen beim Gamma Plus geführt hatte. „Daher würde ich dieses Event zurzeit (!) auch nicht als Schwarzen Schwan, systemischen Schock oder Tail-Event bezeichnen. Vor allem, da sich die Märkte außerhalb Europas recht stabil zeigen.“ An der Grundausrichtung in dieser angespannten Zeit hat sich nichts geändert. Wie immer ist der Gamma Plus „netto Long Put“. Das heißt, sollte sich die Ukraine-Krise weiter verschärfen und die Märkte weltweit in den Panikmodus versetzen, mit gleichzeitig stark ansteigender Volatilität, ist der Gamma Plus nach Einschätzung Buchmanns in der Lage vom Crash zu profitieren und ein Gesamtportfolio etwas zu federn.

FAROS Frühling 2022

Steigende Märkte derzeit nicht das Wunschszenario für den Gamma Plus

So komisch sich das anhört: Steigende Märkte sind derzeit nicht das Wunschszenario für den Fonds. Sie würden zwar zu einem schnelleren Anstieg des NAV führen. „Auch wenn dies positiv klingt, ist es definitiv nicht das Wunschszenario, da sich das Umfeld für neue Positionen etwas verschlechtern würde“, so Buchmann. Gründe: abflachende Volatilitäts-Schiefe, fallende Vola. „In etwa auf aktuellem Niveau oszillierende Märkte würden ein interessantes Umfeld für zukünftige Positionseröffnungen bieten, auch wenn der NAV dann dementsprechend einigen Schwankungen ausgesetzt wäre.

Weiter fallende Märkte, vor allem aber eine stark ansteigende Volatilität, würden nicht nur das Umfeld für das Positionsmanagement in der Zukunft verbessern, sondern auch die Möglichkeit bieten, außerplanmäßige Erträge zu generieren“ erläutert der Fondsmanager. Diese möglichen Erträge setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: Positiver innerer Wert und Volatilität. Beide naturgemäß hervorgerufen durch den Long Put Überhang. Ganz wichtig ist es Buchmann zu betonen, dass der Gamma Plus nach unten offen ist: „Das heißt, es gibt kein Level im Markt und der Volatilität, an dem sich die Ertragskomponente umkehren würde. Sprich, je tiefer der Markt fällt, und je höher die Volatilität steigt, desto besser.“

Squad Aguja Opportunities: Kurzfristig im Minus, langfristig hohes Plus

Der Mischfonds mit ESG-Komponente hat in den ersten beiden Monaten gut 7% an Wert eingebüßt, ist langfristig seit Auflage 2016 aber weiterhin mit 57% im Plus. „Mit der aktuellen Kriegs-Eskalation hatten wir nicht gerechnet“ teilt das Fondsmanagement mit. Und weiter: „Speziell europäische Aktien gerieten teils heftig unter Druck. Aus rationaler Investorensicht ist es unserer Meinung nach dennoch wichtig, wie auch in der Corona-Krise, Ruhe zu bewahren.

Grundsätzlich befindet sich die Wirtschaft aktuell in einer guten Verfassung. Wir beobachten sehr genau den weiteren Verlauf dieser tragischen Lage. Eine Auswirkung steht jedenfalls schon fest: Es wird wesentlich mehr in Rüstung und Energieversorgung investiert werden (Konjunkturprogramm) und wahrscheinlich den Zusammenhalt Europas stärken. Höhere Rohstoffpreise, Sanktionen und der Wegfall von Absatzmärkten werden die Wirtschaft natürlich belasten, aktuell erscheint dies aber noch verkraftbar. Aus diesem Grund wurde aktuell keine signifikante Änderung an der Positionierung vorgenommen.“ (Stand 28.2.)

Überwiegend positive Nachrichten aus den Unternehmen im Portfolio

Zum Monatsbeginn berichtete Spin Master (u.a. Paw Patrol Franchise) sehr gute Zahlen für das 4. Quartal. Im Rahmen des darauffolgenden Kurssprungs von rund 10% wurde die Position verkauft. EG7 legte starke Zahlen für das 4. Quartal 2021 vor, die mit einem organischen Wachstum von 28% weit über den Erwartungen lagen. Auch der Ausblick geht von weiter attraktivem Wachstum aus. Für 2022 handelt die Aktie bei einem KGV von 10 (Analysten Konsens).

Natürlich wurde auch im aktuellen Kontext versucht zu antizipieren, welche direkten Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf Unternehmen im Portfolio hat. „Zu nennen ist hier in erster Linie die Global Fashion Group, die eine E-Commerce Plattform unter anderem in Russland und der Ukraine betreibt (Umsatzanteil ca. 36%). Dieses Geschäft ist sicherlich massiv betroffen, zumindest temporär, doch vermutlich auch längerfristig. Doch unserer Ansicht nach ist die Aktie aktuell auch ohne Wert für diesen Geschäftsteil massiv unterbewertet“, so die Fondsmanager. Profitieren vom Schritt zu weniger Abhängigkeiten von russischem Öl und Gas sollten die Energie-Werte im Portfolio: Abo Wind, Energiekontor, Pacifico Renewables Yield, La Française de l’Energie und UmweltBank (Finanzierung von Wind und Solar).

Hilfreich für das Portfolio: Bereits seit Mitte 2019 wird in Xetra-Gold investiert. Diese Position bringt nicht nur Stabilität, sondern in der aktuellen Phase sogar Gewinnbeiträge ins Portfolio. (Zur neuen Rolle des Goldes im Stiftungsvermögen)

vtfds2022 -Virtueller tag für das Stiftungsvermögen

FU Bonds Monthly Income: Ausschüttungen werden wie geplant vorgenommen

Im Februar 2022 wurde eine Performance von -1,58% erzielt. Damit hielt sich der Fonds deutlich besser als ein High Yield Vergleichsindex wie etwa der ICE BofA Euro HY, der um -3,2% nachgab. Ohnehin sind die laufenden Erträge von den Notierungen der einzelnen Anleihen nicht betroffen. Im Februar verdiente der FU Bonds Monthly Income wie schon im Januar 33 Cent.

Das bedeutet: Nicht nur die angestrebte monatliche Ausschüttung von 0,25 EUR wurde verdient, sondern darüber hinaus bereits 16 Cent für die Sonderausschüttung. Am 15.02.2022 wurde die 30. Ausschüttung in Folge geleistet. Im April 2022 erfolgt die nächste Sonderausschüttung (0,50 Euro pro Anteil zzgl. 0,25 Euro Basis-Ausschüttung). Aufgrund der frühzeitigen Positionierung in den Branchen Energie, Containerschifffahrt und Stahl erachtet das Fondsmanagement das Portfolio als robust gegenüber den aktuellen Entwicklungen. Die Zahl der Einzeltitel wurde leicht gesenkt, dadurch erhöhte sich der Durchschnittscoupon leicht. Weiterhin überzeugt der Fonds die Anleger, die Mittelzuflüsse halten an. Mit der Sonderauszahlung bietet der Fonds eine Auszahlung in Höhe von 3,5%.

Fondita Healthcare: Überraschend Hoher Rückschlag

Einen überraschend hohen Rückschlag in Höhe von mehr als -12% musste der Fonds des finnischen Anbieters hinnehmen. Das ist ein noch größerer Draw-down als im März 2020, als der Fonds -11,5% verzeichnete. Dies hat offenbar wenig mit dem Angriffskrieg Russlands zu tun, denn der Verlust entstand bereits im Januar. So hat die größte Position Siegfried Holding seit Jahresanfang etwa 20% verloren. Dabei wurden inzwischen sehr gute Geschäftszahlen vorgelegt, worauf es ganz offenbar auf ein „sell on good news“ hinausläuft.

Eine ähnliche Situation bei der Straumann AG, die ebenfalls gut 20% im Januar verlor, obwohl die berichteten Zahlen und Ausblicke gut waren. Straumann betont in einer Mitteilung, in der Ukraine keine direkten Mitarbeiter zu haben, dennoch wurden 100.000 CHF an das Rote Kreuz zur Hilfe vor Ort gespendet. Zusammen mit der Marktschwäche der übrigen Titel im Januar entstand also das Minus im Fonds. Dass das Management weiterhin von der Titelauswahl überzeugt ist zeigt sich im geringen Cashbestand von 1,9% zum Ende Januar.

Metzler European Dividend Sustainability: Erhebliche Umschichtungen im Januar

Der Fonds hat YTD (7.3.) etwas mehr als 9% an Wert eingebüßt. Ein Großteil davon musste allerdings bereits im Januar quittiert werden.

Auslöser waren nach Auffassungen des Managements Befürchtungen, dass aufgrund der anhaltend hohen Inflationszahlen weltweit die Zentralbankpolitik deutlich strikter werden könnte mit mehreren Zinsanhebungen im Jahresverlauf, insbesondere der US-Notenbank Fed. Der Ukraine-Konflikt hatte demnach zumindest im Januar für die Rückgange keine entscheidende Bedeutung. „Anleger positionierten sich daher in Sektoren, die von steigenden Zinsen profitieren werden, Rohstoffwerten sowie in günstig bewerteten Aktien. Dagegen wurden überdurchschnittlich bewertete Qualitäts- und Wachstumstitel massiv abverkauft“ benennt das Fondsmanagement seine Marktsicht.

Kurse der Fondspositionen aus dem Bereich Qualität und Wachstum sanken dagegen besonders stark, zum Beispiel alternative Asset-Manager, Novo Nordisk, IMCD, Schneider Electric oder Atlas Copco. „Wir passten die Positionierung des Fonds im Januar signifikant an die aktuellen Marktgegebenheiten an. So reduzierten wir deutlich die Untergewichtung in Value-Titeln innerhalb verschiedenster Sektoren und kauften bei Versicherern sowie Minenbetreibern zu. Dafür reduzierten wir Qualitäts- und Wachstumstitel in diversen Sektoren, insbesondere bei Finanz-, Industrie- und Technologiewerten sowie Immobilien- und Medienaktien.“

TV-TIPP:
Folge 1 von #fondsfibel AKTUELL , dem TV-Talk rund um Stiftungsfonds & Co., widmet sich dem, was Stiftungen heute in punkto Diversifikation beachten müssen, und welche Rolle die Anlagerichtlinie dabei spielt.

Zusammengefasst

Es ist ordentlich was los bei den NEUEN, also den Fondsideen, die es durchaus auf die Ideenliste einer Stiftung für ihr Fondsportfolio schaffen könnten. Natürlich wird sich das Doing in den Fonds erst nach einiger Zeit final beurteilen lassen, aber es ist gut zu wissen, dass es Konzepte gibt, die Krisen wie die aktuelle „gut abkönnen“. Stiftungen brauchen ja diese Felsen in der Brandung, wohlwissend dass jede Krise auch irgendwann einmal vorbei ist und dann die Stärken einer breiten Asset Allocation (Stichwort: Diversifikation des Stiftungsvermögens wieder ins Blickfeld rücken.