So und jetzt SpeedDating

Eine kleine Rückschau auf das Stiftungsnetzwerk in Bad Soden

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Stiftungstag Bad Soden
Lesezeit: 3 Minuten

Irgendwann im Januar bekam ich einen Anruf. Es sei ein Stiftungstag geplant, und zwar aus dem Kreis von Stiftungen, es sollten also die Themen besprochen und diskutiert werden, die Stiftungen derzeit ganz massiv umtreiben. Auch ein SpeedDating sei geplant. Das machte mich neugierig, hatten wir doch selbst im Rahmen des MünchnerStiftungsFrühlings unsere Erwartungen mit so einem Kennenlernen in 2 Minuten gemacht. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Angekommen in Bad Soden mit der S3 aus Frankfurt erwarteten mich 3 Grad Außentemperatur, Schneefall und eine Hand voll motivierte Stiftungsmacher. Etwa Jörg Christmann von der Carls Stiftung, Michael Rosenberger von der Roland-Stiftung (hören Sie hier auch den Podcast mit Michael Rosenberger) oder auch Ilona Freudenreich, die Stiftungen seit Jahren schon mit Rat und Tat als Beraterin zur Seite steht. Das Teilnehmerfeld füllt sich dann am frühen Nachmittag langsam, und schon in den ersten Gesprächen zeigt sich, was Stiftungen derzeit umtreibt. Ein Stiftungsvorstand erzählte mir, dass das Geld für ihn nicht das Problem sei, sondern eher, dieses auch gut unterzubringen. „Uns fehlen die guten Projekte, wir suchen weltweit, aber wir sind mit unseren Möglichkeiten jetzt an einem Limit angekommen.“ Angesprochen auf das Thema Geldanlage meinte er nur: „Mein Gott, man muss das Auf und Ab einfach aussitzen, wer Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.“ Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen, und Recht hat er.

FUNDRAISING BRAUCHT HANDWERK

Das liebe Geld war auch von einer anderen Perspektive aus Thema in Bad Soden. Ilona Freudenreich, ihres Zeichens Stiftungsberaterin etwa in Fragen der professionellen Kommunikation oder eben im Einwerben von Mitteln zeigte in ihrem Impulsvortrag sehr schön auf, was es braucht, um heute erfolgreich zu fundraisen. Es braucht eine knackige Geschichte, die gut verpackt in verschiedenen Kanälen zirkuliert und die Spender anzieht wie ein Magnet das Metall. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, und Ilona Freudenreich hatte sich auch die Mühe gemacht, sich die Websites der anwesenden Stiftungen vorab anzuschauen, um ein wenig Manöverkritik anzubringen. Das kam sehr gut an, das weckte so manchen auf. Dass etwa der Spendenbutton nicht irgendwo unten rechts auf der Website unterzubringen war, dass man selbstbewusst um Spenden bitten sollte und gerade die Stiftungswebsite keine Wüste aus Text und nochmal Text sein darf.

DIE ZINSEN WERDEN ERSTMAL NICHT STEIGEN

Genau das waren dann die Impulse, die die anwesenden Stiftungsvertreter mit in das SpeedDating nahmen. Hier ging es dann etwas chaotischer zu, aber je unklarer wurde, wohin wer jetzt weiterzurutschen hatte, desto angeregter wurden die Gespräche. Ich selbst stand für drei Durchgänge am selben Tisch, hatte ich doch ein Gegenüber gefunden, mit dem ich trefflich über eben das richtige Fundraising streiten konnte. Und auch darüber, ob das nun der richtige Fokus für die Einnahmeseite sei oder aber einfach ein etwas professionelleres Anlegen des Stiftungsvermögens. In der Politik würde man sagen, wir hatten ein gutes Gespräch und es gibt Berührungspunkte für weitere Gespräche, ich würde sagen wir waren uns vor allem darin einig, dass etwas getan werden muss. Dass die Zeit vorbei ist, in der Stiftungen darauf warten können, dass sich die Zinssituation wieder zu ihren Gunsten verändert.

KOOPERATIONEN BÜNDELN KRÄFTE

Man merkte, dass das Kapitalanlageumfeld die anwesenden Stiftungsvertreter umtreibt, dass sie aber auch willens sind, sich dem Thema zu stellen und ihre Stiftung darauf eben ein Stück weit reagieren müsse. Es war aber auch zu sehen, dass Stiftungen hier schon ein gutes Stück weiter sind als gemeinhin vermutet wird. Ich nehme aus den Gesprächen mit den Stiftungen in Bad Soden mit, dass die Motivation eine hohe ist, die Belange der Stiftung frischer aufzubereiten und zu adressieren, dass die Macher in den Stiftungen Spaß daran haben, sich auch mit Themen wie Online-Fundraising zu beschäftigen. Auch nehme ich mit, dass Stiftungen auf vielerlei Art Anknüpfungspunkte für Kooperationen suchen, und genau dafür warb auch Michael Rosenberger von der Roland-Stiftung. Zusammen sei man viel stärker, Stiftungen müssten da scheuklappenfreier agieren. Wer ihm zuhört, und ich hatte das Vergnügen, das Stiftungshaus der Roland-Stiftung zu besichtigen, der versteht, was eine Kooperation für ihn ausmacht. Das gemeinsame Anpacken, das Beiseitelassen von Egoismen, das Bündeln von Kräften.

ZUSAMMENGEFASST

Drei Dinge nehmen wir aus Bad Soden vom dortigen ersten Stiftungstag mit. 1) Das Zusammenarbeiten von Stiftungen ist in vielen Fällen keine Wunschvorstellung mehr, sondern es ist Realität. Dennoch muss rund um das Thema Kooperation mehr Welle gemacht werden, denn die positiven Effekte gemeinsamen Wirkens werden hier und da immer noch unterschätzt. 2) Die digitale Welt ist für viele Stiftungen noch ein Mysterium, gleichzeitig ist vielen klar, dass sie – um beispielsweise im Fundraising erfolgreich zu sein und junge Spender zu erreichen – ein Teil dieser Welt werden müssen. Eine frische Website ist der erste Schritt, für den ein externer Impuls häufig Gold wert sein. 3) Das SpeedDating müssen Stiftungen noch üben, aber das kann ja beim zweiten Stiftungstag in Bad Soden direkt umgesetzt werden. Denn es wird definitiv einen nächsten Stiftungstag in Bad Soden geben.