Die Zwei

RenditeWerk zeichnet Stiftungsfonds des Jahres aus

917
Die Zwei
Lesezeit: 4 Minuten

In den 70er Jahren war eine Fernsehserie in Großbritannien ein richtiger Knüller, mit Roger Moore und Tony Curtis in den Hauptrollen. Ihre Rollen waren die des Lord Brett Sinclair und Daniel „Danny“ Wilde. Sie waren ganz unterschiedliche Typen, aber sie vereinte doch so viel, dass sie gemeinsam so manches Abenteuer bestanden. Auch den Bethmann Stiftungsfonds und den Merck Finck Stiftungsfonds verbindet viel – und um es vorweg zu nehmen: Beide wurden zu Recht Stiftungsfonds des Jahres.

Wir wollen die Begründung gar nicht großartig kommentieren, man kann aus verschiedenen guten Gründen gut nachvollziehen, warum die beiden Stiftungsfonds von RenditeWerk aufs oberste Treppchen gehoben wurden. Sie gehören dorthin, weil ihre Leistung seit Jahren zu den solidesten unter allen Stiftungsfonds gehört, weil Stiftungen sie kennen und schätzen, und weil viele Stiftungsvermögen mit ihnen schon so einige Schlachten geschlagen haben. Sie sind der Brett Sinclair und der Danny Wild unter den Stiftungsfonds. Ein Blick in die Details der beiden Fondskonzepte zeigt das, was funktioniert, und auch das, was aus Stiftungssicht n bisschen geschliffen werden müsste.

ESG GEHÖRT IN DIE STIFTUNGSFONDS-DNA

Bleiben wir bei einem Thema, das in die DNA eines Stiftungsfonds heute mehr denn je rein muss, weil Stiftungen ihrer DNA danach verlangen müssen. Die Rede ist vom Thema Nachhaltigkeit, von der Notwendigkeit, ESG-Kriterien in das Anlagekonzept einfließen lassen zu müssen. Dies ist heute, oder besser: ab heute, keine Frage des Könnens mehr, sondern eine des Müssens. Gerade Stiftungsfonds müssen ESG beherrschen, müssen ihr Anlagekonzepte dahingehend entwickeln. Umso erstaunlicher ist es, dass viele Stiftungsfonds damit Probleme haben. Nicht so jedoch der Bethmann Stiftungsfonds, der schon mit Auflage vor 10 Jahre ein nachhaltiges Anlagekonzept eingeimpft bekam.



VIDEOTIPP: Was im Stiftungsvermögen und bei Stiftungsfonds & Co. 2021 wichtig wird, dazu haben finden Sie in unserer Video-Kolumne zur FondsFibel für Stiftungen & NPOs einige praktische Anregungen. https://www.youtube.com/watch?v=N46QiKG_xx0

Ein Blick in den letzten Jahresbericht per 30.9.2020 zeigt dann auch, dass das Portfolio relativ „sauber“ ist und hier nicht viele möglicherweise zukünftig problembehaftete Positionen enthalten sind. Was auffällt ist, dass der ESG-Filter augenscheinlich vor allem niederländische, französische und dänische Aktien neben US-Titeln herausselektiert, und diese Aktien sind vor allem marktschwere Aktien. Immerhin schaffen es auf der Aktienseite SAP und Deutsche Telekom durch den Filter, deutsche Aktien sind also präsent im Fonds, mehr aber auch nicht. Da der Fonds aber auf große Unternehmen setzt, werden viele nachhaltig noch bessere Nebenwerte gemieden.

DAS EXPOSURE HAT LÜCKEN

Das Ganze ist hier aber Konzept, es ist konsequent, und das dürften Stiftungen zu schätzen wissen, bzw. die die investiert sind, werden es zu schätzen wissen. Der ESG-Score auf der Aktienseite dürfte hoch ausfallen, auf den Aspekt Best-in-progress wird aber bewusst verzichtet. Auf der Aktien- wie auf der Anleiheseite vermisst man allerdings die Emerging Markets, hier hat der Fonds kein Exposure aufgebaut. Auch das könnte ein Thema sein, dass den Fonds in den kommenden 10 Jahren in seinen Leistungsdaten nicht zum Vorteil gereicht. Aber vielleicht muss eine strategische Allokation in den Schwellenländern auch gar nicht sein, denn die Ausschüttung konnte zuletzt sogar ausgebaut werden, es braucht hier womöglich keine weiteren Impulse. Wissen müssen es Stiftungsverantwortliche aber schon.

BETHMANN STIFTUNGSFONDS UND MERCK FINCK STIFTUNGSFONDS STECKEN CORONA-DELLE GUT WEG

Ebenfalls fällt ins Auge, dass der Fonds die Corona-Delle wirklich sehr gut weggesteckt hat, das neue Hoch vom November vergangenen Jahres spricht hier eine deutliche Sprache. Allerdings hat dies der Merck Finck Stiftungsfonds sogar noch etwas besser gemacht, mit einer einfachen Begründung. Der Merck Finck Stiftungsfonds, der Brett Sinclair der Stiftungsfonds, konnte im Januar ein neues Hoch machen, weil er durchaus signifikant auf Titel aus dem Technologiesektor setzt, die in jedem Fonds zu finden sind. Wir sprechen von den Paypals, den Microsofts, den Amazons, den Alibabas, den Tencents dieser Welt. Praktisch kein Fonds konnte zuletzt auf diese Aktien verzichten, denn die liefen einfach.

LESETIPP: Alles zu den Stiftungsfonds des Jahres und den Beurteilungen der Experten von Renditewerk finden Sie hier.

ESG-FUSSABDRUCK NOCH AUSBAUFÄHIG

Die Corona-Pandemie hat das Umfeld für diese Aktien nochmals verbessert, die Umsatz- und Ertragszahlen dieser und noch anderer Technologieunternehmen haben regelrechte Sprünge gezeigt, was die Börsennotierungen immer wieder aufs Neue befeuert hat. Abzuleiten ist daraus auch, dass der Merck Finck Stiftungsfonds global aufgestellt ist, sich den Emerging Markets nicht verschließt und damit einen konzeptionellen Schritt gemacht hat, der auch im Stiftungsvermögen allgemein vollzogen werden muss. Jedoch kommen wir um ein Aber nicht herum. Die genannten Titel können sicherlich jede nur denkbare Reportingpflicht hinsichtlich ESG erfüllen, aber nachhaltige Unternehmen sind sie deshalb auch ob ihres disruptiven und dabei teils rücksichtslosen Charakter noch nicht – und deshalb ist der ESG-Fußabdruck im Merck Finck Stiftungsfonds noch ausbaufähig.

N‘ BISSCHEN MEHR DANNY WILDE WÄRE SCHÖN

Dies zeigt sich auch auf der Anleiheseite, hier sind Papier mancher Player aus dem Finanzbereich enthalten, die gehören einfach nicht in ein konsequent nachhaltiges Portfolio. Und was Stiftungen wie wir vermissen sind die schlauen, die wendigen, die authentischen nachhaltigen Investments, hierfür müsste der Fokus aber eben etwas mehr in die Breite und hin zu eher kleineren Unternehmen gelenkt werden. Die USA forcieren den New Green Deal, warum fehlen dann die Recycler, die Verwerter, die Kreislaufwirtschaftler im Depot des Merck Finck Stiftungsfonds? Europa und Asien treiben die Energie- und Mobilitätswende voran, wo findet dies Ausdruck im Fonds? N‘ bisschen mehr Dany Wilde würde uns gefallen.

ZWEI STIFTUNGSFONDS AUF DEM WEG

Zugegeben, das sind Fragen, die lassen sich beantworten, aber vielleicht werden künftig auch Stiftungen diese Fragen stellen und einfach etwas mehr ESG-Profil erwarten als einen hohe ESG-Score auf der Aktienseite. Weil sie diese Fragen stellen müssen. Einfach nur Amazon und Co. über einen Fonds zu kaufen, da kann durchaus ein gewisses Reputationsrisiko für eine Stiftung drin schlummern. Gleichwohl wissen wir, dass auch Stiftungsfonds irgendwo mal anfangen müssen. Insofern sind beide Fonds auf dem Weg, bzw. der eine, der Bethmann Stiftungsfonds, muss einfach etwas nachschleifen, der andere muss einfach noch sein finales Setup finden.

ZUSAMMENGEFASST

RenditeWerk zeichnet jedes Jahr den Stiftungsfonds des Jahres aus, und das in verschiedenen Kategorien. Sowohl der Merck Finck Stiftungsfonds als auch der Bethmann Stiftungsfonds verdienen die Auszeichnung, weil sie über viele Jahre hinweg das geliefert haben, was Stiftungen brauchen. Und das unaufgeregt und mit viel Verlässlichkeit. Damit das so bleibt, braucht es das berühmte Neuerfinden an der einen oder anderen Stelle. So wie Brett Sinclair und Danny Wilde, die mussten auch immer neue Abenteuer bestehen.