Wir zusammen, und keiner alleine

Der Tag der Stiftungen am 1ten Oktober und die Herausforderungen 4.0

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Tag der Stiftungen und Herausforderungen
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„Wir zusammen.“ So lautet das Motto für den Tag der Stiftungen. Am 1. Oktober 2020 Hier zeigen Stiftungen, dass sie sich – auch in der Krise – für die Gesellschaft – für das Wir – einsetzen, indem sie zusammen anpacken und die Herausforderungen der Zeit angehen“. Diese Worte formuliert der Bundesverband Deutscher Stiftungen, und hat sicher Recht damit. Dennoch ist Herausforderung ein großes Wort, das sich sehr facettenreich mit Leben füllen lässt.

Es gibt viele wichtige Themen für Stiftungen in und nach der Corona-Zeit, und auch für den Zustand „cum Corona“. Zum Beispiel die Stiftungsrechtsreform, die hoffentlich in diesem Jahr noch kommt. Sie gewährleistet nachhaltig bessere Bedingungen für die Stiftungsarbeit. Der Gesetzgeber könnte mit der Stiftungsrechtsnovelle für einheitliche Aufsicht, klare Haftungsregeln und vor allem verbesserte Möglichkeiten der Satzungsänderung und Zusammenlegung sorgen. Dass hier immer noch nicht der ganz große Wurf gelingt, ist so eine Herausforderung, denn wieder wird der Rahmen vermutlich nicht so gesetzt sein, dass Stiftungen vollends in einem modernen Rahmengerüst agieren können.

HERAUSFORDERUNG STIFTUNGSVERMÖGEN

Die Kapitaldecke der Stiftungen ist ein weiteres Thema. Niedrige Zinserträge sowie Spendenrückgänge bringen besonders kleine und mittlere Stiftungen in Bedrängnis. Stiftungen mit einer Million Euro Stiftungskapital haben es schwer, mit ihren Erträgen zumindest die Preissteigerung und die steigenden Verwaltungskosten auszugleichen, das hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen per Umfrage ermittelt. Knapp zwei Drittel der kleineren Stiftungen, 62% um genau zu sein, bleiben mit ihrer Rendite 2019 oberhalb der Inflationsrate, bei den großen Stiftungen waren es 84%. Das ist kein schlechtes Ergebnis, aber es ist eben auch noch nicht gut genug, um ruhig zu schlafen. Eines gilt aber auch: „Notleidend werden aufgrund der Pandemie muss keine Stiftung – selbst, wenn die Erträge zumindest dieses Jahr geringer ausfallen,“ meint Reinhard Vennekold, Geschäftsführer der Münchner Fundraising School.

HERAUSFORDERUNG ESG BZW. NACHHALTIGKEIT

Eine große Herausforderung wird auch das Thema Nachhaltigkeit sein. Denn in der Anlage des Stiftungsvermögens müssen künftig die Berater Auskunft über die Nachhaltigkeitsziele der Stiftung berücksichtigen. Diese tun gut daran, sich vorzeitig mit dem Thema Nachhaltigkeit zu befassen und möglicherweise die Anlagerichtlinien der Stiftung anzupassen. Als Anregung dafür könnte das Merkblatt der BaFin zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken sein.

Allerdings ist Nachhaltigkeit auch ein ganz stiftungsindividuelles Thema, denn jede Stiftung subsummiert unter nachhaltiger oder ESG-konformer Anlage etwas anderes. Letztlich sollte es mit einer Haltung anfangen, die ich als Stiftung zu bestimmten Investments habe, und die ich dann in die Anlagerichtlinie einbringe und in eine Anlagepolitik übersetze.

HERAUSFORDERUNG VERBRAUCHSSTIFTUNG

Verbrauchsstiftungen werden immer mehr ein Thema bei Stiftungen, die unter 2 Millionen Euro Stiftungsvermögen liegen, als Alternative zur Ewigkeitsstiftung. Dass die Verbrauchsstiftung bislang noch nicht unbedingt ein „Renner“ ist, heißt nicht, dass nicht früher oder später bestimmte Stiftungszwecke eher über eine Verbrauchsstiftung verwirklicht werden. Denn manche Probleme lösen sich irgendwann, und das kann einen Stiftungszweck ja auch obsolet machen. Hinzu kommt: Kleinere Stiftungen werden mangels Manövriermasse verschwinden oder müssen Kooperationen eingehen. Stiftungen müssen dazu in Zukunft digitaler und globaler auftreten, das hat die Krise auch gezeigt. Dafür benötigen viele Stiftungen ein zeitgemäßes Update, eine Repositionierung. Sie werden sich besonders in den Bereichen Strategisches Fundraising und Kommunikation professionalisieren müssen.

ZUSAMMENGEFASST

Auch wenn die Herausforderungen groß sind, Stiftungen bleiben ein großer und wichtiger Bestandteil der Zivilgesellschaft. Das zeigt auch das Programm des Tags der Stiftungen am 1ten Oktober:  www.tag-der-stiftungen.de. Eines ist aber auch klar: Die Corona-Krise ist eine Chance für den Stiftungssektor, das bisher aufgeschobene Abstreifen des Analogmantels anzugehen, denn durch Kommunikation und Vernetzung entstehen ganz neue Möglichkeiten, im eigenen Stiftungshandeln die Dimension Relevanz zu erweitern. Der Sektor als Ganzes hat aber gute Chance, diesen ganzen Herausforderungen Herr zu werden, denn hinter ihm stehen viele Menschen, die verstanden, dass eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Trotz Corona oder Dank Corona, das wird sich noch zeigen.