Stiftungswebsite 2030

Was eine Stiftungswebsite von heute mit einer Kassette von 1990 zu tun hat

427
Was eine Stiftungswebsite von heute mit einer Kassette von 1990 zu tun hat
Lesezeit: 4 Minuten

Denken Stiftungen an Digitalisierung, stehen sicherlich verschiedene Aspekte im Blickpunkt. Einer davon ist vermutlich immer die Stiftungswebsite, die die erste Visitenkarte der Stiftung im großen weiten Netz ist, die aber natürlich auch etwas darüber aussagt, wie 4.0 eine Stiftung schon unterwegs ist. Dabei wird die Stiftungswebsite in 10 Jahren nicht mehr die Stiftungswebsite sein, die sie heute ist, und die Versionen aus den 90ern, die sich immer noch bestaunen lassen, die wird es auch nicht mehr geben. Ein paar Gedanken zur Zukunft der Stiftungswebsite.

Die Stiftungswebsite ist in vielen Fällen so etwas wie die gute alte Kassette. Kennen Sie sicher noch, die Dinger, die man häufig mit dem Bleistift vorgespult hat, bei denen man den Anfang eines Liedes niemals perfekt aufnehmen konnte und die nach 5 Jahren in der Kassettenbox irgendwie nach Klostein gerochen haben. Aber gerade, weil sie nicht perfekt war, die Kassette, hatten wir alle noch ins Herz geschlossen. Nicht wenige dürften auch noch irgendwo eine haben, mit den Hits, die während des Campingurlaubs 1986 liefen, oder einer Aufnahme von The Steve Miller Band mit ihrem Song The Joker, bei der Erinnerungen wach werden. Bei vielen Stiftungswebsites ist es ganz ähnlich, wobei die Zahl derer, die die 90er überwunden haben, merklich kleiner wird. Hier hat sich der Stiftungssektor auf den Weg gemacht.

DIE STIFTUNGSWEBSITE WIRD BUNTER

Viele Stiftungswebsites nutzen Bilder immer noch zu wenig, fast schon rudimentär. Bilder sprechen eine Sprache, sie erzählen beispielsweise aus den Stiftungsprojekten. Häufig erzählen sie auch von den Lösungen, die eine Stiftung herbeiführt. Wenn ich wissen will, was eine Stiftung tut, dann schaue ich mir auch Bilder an, denn die sind nicht so geduldig wie die textlichen Beschreibungen der Aktivitäten der Stiftung. Der Einstieg in die Stiftungswebsite 2030 wird mit einem starken, professionell fotografierten Aufmacherbild bewerkstelligt, unter dem drei, vier zentrale Anliegen der Stiftung mit einem Satz und einem Symbol formuliert werden. Danach erzählen Testimonials, wo die Stiftung ihnen geholfen hat, gibt der Stiftung im Podcast seinen quartalsweisen Einblick in das tägliche Tun der Stiftung.

Bunt heißt also, eine Stiftungswebsite wird viel mehr mit optischen Elementen arbeiten und die Textelemente reduzieren, bzw. in eine weitere Ebene verschieben. Angerissen werden die Texte damit schon, aber eben nicht auf der Startseite. Bunt heißt daneben auch, dass die Inhalte sich um alle Aktivitäten der Stiftung drehen, und das schließt die interne Stiftungspraxis mit ein. Eine Stiftung wird auf ihrer Stiftungswebsite anfassbar, nicht bis in den letzten Winkel, aber doch so, dass ihre Projekte und ihre engagierten Mitarbeiter etwas beim Betrachter auslösen, nach Möglichkeit eine Emotion. Darüber baut sich dann eine Bindung zur jeweiligen Stiftung auf.

DIE STIFTUNGSWEBSITE WIRD BEWEGTER

Zu den Inhalten werden sich künftig viel mehr Bewegtbild-Formate gesellen, also Videos. In den USA gibt es Prognosen – wobei man mit Prognosen ja vorsichtig sein sollten, insbesondere weil sie die Zukunft betreffen – nach denen schon in fünf viele Websites zu mehr als zwei Drittel aus Video-Formaten bestehen. Das mag vielleicht weit weg klingen, aber auch durch die Corona-Pandemie dürfte das Gewicht von Videoinhalten merklich steigen, und dem werden sich auch Stiftungen nicht verschließen können. Für eine Stiftung bedeutet das letztlich nicht, ein Videostudio einrichten zu müssen, doch aber im Blick zu haben, wie effektiv sich Videos einsetzen lassen. Schon mal die Kommunikation der Deutschen Stiftung für Ehrenamt und Engagement verfolgt? Hier passiert viel mit Video, und diese Videos finde ich zwar auch auf der Stiftungswebsite, vor allem aber schwirren sie auf den verschiedensten Plattformen umher.

STIFTUNGEN WERDEN AUF PLATTFORMEN PRÄSENT SEIN

Und auch das wird Stiftungen betreffen: Sie werden neben einer Strategie für die eigene Stiftungswebsite auch eine für die Sichtbarkeit ihrer Inhalte auf den relevanten Plattformen brauchen. Nur die wenigsten Stiftungen werden selbst eine Plattform bauen können, sie werden mit ihrem Portal schon genug zu tun haben. Aber sehr viele Stiftungen können und werden Plattformen nutzen, was den Aufwand für die eigene Stiftungswebsite, und auch deren inhaltliche Ausgestaltung beeinflussen wird. Denn wer von einer coolen Plattform auf die Stiftungswebsite kommt, der wird dort nur verweilen, wenn diese auch cool gestaltet ist. Die Präsenz von Stiftungen, etwa mit Bewegtbildinhalten, wird auch deren eigene Webpräsenz in Form der Stiftungswebsite tangieren.

DIE STIFTUNGSWEBSITE WIRD SERVICE-HUB

Außerdem wird die Zeit der Stiftungswebsite als erweitertes Impressum vorbei sein. Diejenigen Stiftungswebsites, die Mindeststandards an Informationstiefe und -güte nicht werden liefern können, werden vom Nutzer künftig komplett ignoriert werden. Stattdessen werden diejenigen Stiftungswebsites reüssieren, die Services rund um die Stiftung für den Nutzer bereithalten. Was kann das sein? Die einfachsten Dinge sind ein Newsletter, eine animierter Jahres- oder Tätigkeitsbericht, eine Spendenfunktion, die mit als Spender offen lässt, ob ich der Stiftung allgemein oder einem Projekt speziell meine Unterstützung zuteilwerden lassen möchte.

Service meint aber auch, dass Stiftungen beispielsweise zu ihren Themen Hintergründe oder Datenbanken oder Newssammlungen bereithalten, einfach um den Nutzer der Stiftungswebsite zu suggerieren: Hier kannst Du Dich „zum Thema XY schlau machen, und nur hier, denn unser Thema ist so spitz, dass sich da kein anderer rantraut.“ Stiftungen haben hier über ihre Projekterfahrungen extrem viel zu bieten, sie müssen diesen Schatz nur heben. Service könnte aber auch sein, Linksammlungen themenbasiert zur Verfügung zu stellen, Online-Chats zur Spende oder aber lösungsorientierte Apps anzubieten. Man denke nur an die App zum Arzt der Felix Burda Stiftung.  

ZUSAMMENGEFASST

Die Stiftungswebsite wird sich verändern, so wie sich das Internet ständig verändert so wie sich die digitale Realität jeden Tag verändert. Stillstand bedeutet im Internet- und Plattformzeitalter Rückschritt. Stiftungen werden künftig mehr Zeit mit ihrer Plattformstrategie verbringen als mit dem Aufhübschen der eigenen Stiftungswebsite, und sie werden dafür andere Inhalte brauchen als sie diese heute haben. Gut daran ist, dass jede Stiftung dadurch anfassbarer wird, dass die Lebendigkeit und vor allem auch die Relevanz des Stiftungssektors noch besser transportiert wird. Der weniger Gute daran ist, dass so manche Stiftungswebsite aus der Zeit fallen wird, Retro-Trend hin oder her. Wie die gute alte Kassette einst auch.