Warum Stiftungen um die zweite Spende kämpfen sollten

Drei Lehren vom Stuttgarter Non-Profit-Forum in Stuttgart am 11.11.2021

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Rückblick Stuttgarter Non-Profit-Forum
Lesezeit: 3 Minuten

Beziehungen sind etwas Schwieriges, speziell für Stiftungen ist das Aufbauen von Beziehungen, deren Pflege und Weiterentwicklung scheinbar eine richtige Herausforderung. Nicht umsonst hören wir derzeit auf Veranstaltungen immer öfter, nicht zuletzt als eine Lehre aus der Corona-Pandemie, dass Stiftungen sich dem Thema Beziehungen widmen müssen. Weil Beziehungen notwendig sind, um beispielsweise im Fundraising erfolgreich zu sein, weil Beziehungen in schwierigen Zeiten helfen können. Beziehungen waren auch das Thema beim diesjährigen Stuttgarter Non-Profit-Forum, wir haben drei Lehren mitgebracht.

Es waren richtig gute Vorträge, die wir beim Stuttgarter Non-Profit-Forum zu hören bekamen, im großen Tagungssaal im Stuttgarter Rathaus und die auch via Livestream an mehr als 100 Zuschauer nach „draußen“ übertragen wurden. Einen sehr spannenden Aufriss bracht dabei Kai Dörfner von der Eva’s Stiftung mit, der Fundraising einmal von der Beziehungsebene aus betrachtete und Stiftungen sicherlich einige sehr wertvolle Tipps mit auf den gab – ihnen gleichzeitig aber auch ins Gewissen redete. Beispielsweise beim Thema Danke sagen. Womit wir schon bei Lehre Nummer 1 wären, die wir aus dem Ländle mitgebracht haben.

SAGT IHRE STIFTUNG DANKE FÜR EINE SPENDE?

Immer noch würden zu wenige Stiftungen zu viel Energie ins Spenden sammeln investieren, dagegen aber zu wenig Ressourcen für das Danke sagen aufwenden. Dabei sei, und dieser Gedanke erklärt genau die Denke hinter den Ausführungen Kai Dörfners, der Dankesbrief der vermutlich einzige direkte Kontakt zwischen Stiftung und Spender. Was wird Kindern als erstes beigebracht, fragte der Fundraising-Profi in die Runde? Na klar, das Danke sagen, wenn die Patentante das Weihnachtspräsent verschickt hat oder man an der Metzgertheke ein Scheibchen Gelbwurscht bekommen hat. Aber Danke sagen für eine Spende? Daran scheitern viele NPOen, daran wird vielleicht auch einfach zu wenig gedacht. Aber Danke sagen bedeutet eben auch, Fundraising vom Ende her zu denken.

LEHRE NUMMER 2: FUNDRAISING VON DER ZWEITEN SPENDER HER DENKEN

Lehre Nummer 2 dockt hier direkt an, denn Fundraising erfolgreich zu gestalten hat zur Gänze damit zu tun, einen Spender nicht nur einmal sondern dauerhaft zu gewinnen. Die Frage, wie sich Fundraising etwa von Stiftungen verändern würde, wenn von vorn herein die zweite Spende im Zentrum der Bemühungen stünde, ist eine äußerst spannende, aber eine, die definitiv zu anderen Ergebnissen führt als das schnöde „Spendenbutton-auf-die-Stiftungswebsite-setzen“. Kai Dörfner zitierte den Spruch „Spender kommen wegen des guten Projekts und gehen wegen des schlechten Service“ und warf damit mit dem Brennglas einen Blick auf viele Fundraising-Bemühungen, die einfach im zweiten Schritt an der Nicht-Beziehung zum Spender scheitern.

STIFTUNGSSPENDER HABEN AUFGABEN

Entsprechend kann es sein, dass der Dankesbrief aus Stiftungssicht künftig vielleicht eine eminent wichtige Rolle spielen kann, und es sich damit gegenüber vielen digitalen Tools durchsetzt, die eine ach so direkte und persönliche Beziehung zum Spender vorgaukeln. Beziehung heißt eben auch, einen Spender ernst zu nehmen, seine Motive zu kennen, seine Bedenken vorwegzunehmen und zu entkräften und ihm ggf. sogar eine ihm gestellte Aufgabe zu lösen. Wenn ein potentieller Spender mit dem Wunsch an eine Stiftung herantritt, dass er ein Testament braucht, dann ist die 100-Seiten-Testaments-Broschüre vermutlich die falsche Antwort. Denn eine Broschüre löst das Problem des Spenders nicht, das Zuhören (das ernst nehmen) dagegen schon.

LEHRE NUMMER 3: AUCH STIFTUNGEN SIND ZIELE VON HACKERN

Lehre Nummer 3 nehme ich für mich mit aus einer Einlassung eines Gastes. Der sprach über Chancen er Digitalisierung, aber auch über deren Risiken. Ein Risiko aus Stiftungssicht kann es auch sein, gehackt zu werden. Der Gast wies darauf hin, dass es mittlerweile eine regelrechte Hacking-Industrie gäbe mit Hacking-Listen, auf denen auch gemeinnützige Organisationen stehen. Was passiere nun, wenn eine Stiftung, ihre Stiftungswebsite, ihr System gehackt würde? Wer hilft in solch einem Fall, wie gehe ich als Stiftung mit solch einem Fall um? Die Anregung die wir mitnehmen lautet, sich hier als Stiftung Gedanken zu machen und einen Notfallplan aufzustellen, denn solch ein Problem kann von jetzt auf gleich auftauchen, wenn es da ist, muss ich präpariert sein.

CHECKLISTE FÜR DEN FALL DER FÄLLE

Interessant war aber, dass dieses Thema überhaupt auf einer Stiftungsveranstaltung aufgebracht wurde, denn zu oft wird Digitalisierung nur auf die Werkzeugebene übersetzt, wo also Stiftungen einen Prozess nach dem anderen im Digitalen umsetzen können. Dass Digitalisierung auch bedeuten kann, sich den Gefahren der digitalen Welt auszusetzen, angreifbar zu sein, und dass es Stiftungen und NPOen auch zu Angriffszielen digitaler Piraten und Wegelagerer geschafft haben, das ist doch ein bislang wenig beleuchteter Aspekt. Es bräuchte eine Hacking-Kit für Stiftungen, eine Checkliste, eine Gebrauchsanleitung, 1) was ich sofort tun kann, 2) wen ich kontaktieren kann, 3) wie ich die Arbeitsfähigkeit der Stiftung aufrechterhalte. So etwas in der Art wäre für viele Stiftungen sicherlich eine wertvolle Hilfe.

ZUSAMMENGEFASST

Das Stuttgarter Non-Profit-Forum im Jahr 2021 war sicherlich ein besonderes, denn durch das hybride Durchführen war die Resonanz nicht so zu greifen wie bei einem rein physischen Event, aber die Umstände ließen Anderes nicht zu. Was wir mitgenommen haben, waren einige wertvolle Erkenntnisse beispielweise rund um das Fundraising, die Stiftungen beherzigen sollten, dass es eben wichtig ist, mit einem Ziel fundraisen und für das Fundraising nicht alles zu akzeptieren. Das Motto der Veranstaltung war sehr passend gewählt, denn das zeitgemäße Kommunizieren ist die Basis für das Aufbauen von Beziehungen, und dieses Vitamin B kann auch für Stiftungen nur befruchtend sein. Dass Beziehungen bei allem viel Arbeit sind, das wurde in den Vorträgen sehr deutlich herausgearbeitet. Aber, da ist’s in Stiftungen wie im richtigen Leben.