Viel Papier um nichts?

Wo Stiftungsverantwortliche sich zu Fonds informieren können

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Zu Fonds informieren
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Wer das erste Mal in ein Skigebiet fährt und den Liftplan anschaut, steht wie der Ochs vorm Berg. Genauso oder so ähnlich dürfte es sich mit dem Sammelsurium an Informationen rund um Fonds verhalten. Will jedoch eine Stiftung einen Fonds kaufen, sollte sie zuerst wissen, was sie kauft, entsprechend kommt sie an der Informationsrecherche nicht vorbei. Wir haben uns online, offline und auf Veranstaltungen dazu einmal umgesehen und zusammengetragen, wo Stiftungsverantwortliche neben unserer Fondsanlageplattform für Stiftungen, www.fondsfibel.de, welche Informationen bekommen.

Online

(1) Sicherlich eine Institution ist der Newsletter RenditeWerk, der unter www.renditewerk.net zu finden ist. Dort melden sich Stiftungen an, der Newsletter wird dann regelmäßig an den angemeldeten Verteiler versendet. Die Redaktion um Dr. Elmar Peine kürt auch den Stiftungsfonds des Jahres und hält etwa mit www.finanzausschreibung.de weitere Tools, die auch Stiftungen in der täglichen Kapitalanlagepraxis unterstützen, bereit. Ein Newsletter der Kategorie „MUST HAVE“ für das regelmäßige Grundrauschen zur Fondsanlage.

(2) Die einschlägigen Fondsportale wie etwa www.fondsweb.de halten Informationen zu sehr vielen Fonds bereit, jedoch sind die Informationen nicht unbedingt stiftungsspezifisch aufbereitet. Stiftungsfonds sind zwar zumeist gelistet, aber manche Profile wurden bislang nicht durchgepflegt, weshalb Angaben etwa zur Ausschüttungshistorie nicht selten fehlen. Performancedaten sind aber gut zu bekommen. Ein Webangebot der Kategorie „GUTES ERSTRECHERCHE-WERKZEUG“.

(3) Auf den Websiten der KVGen, also der Kapitalverwaltungsgesellschaften, sind in der Regel die notwendigen Basismaterialien enthalten. Natürlich ist hier der Verkaufsprospekt zu finden, natürlich sind hier das Factsheet oder der Jahresbericht (siehe auch offline) zu finden. Aus Stiftungssicht heißt dies, sie finden Informationen die belegen, dass sie sich mit dem Fonds befasst haben, dass sie eruiert haben, ob dieser zu ihren stiftungsspezifischen Zielstellungen passen würde. Weitergehende Reports braucht es aus Stiftungssicht nicht, denn die sachgerechte Entscheidung hängt nicht vom noch umfänglicheren Datenbesatz ab, sondern vom Abgleich der Leistungsdaten des Fonds mit jenen, die sie für sich bzw. Ihre Stiftung definiert haben. Sie nutzen diese Unterlagen also, um die Basis-Dokumentation zu einer ersten Fondsliste darzustellen, ein Prospekt taugt zum Abgleich, ob der Fonds grundsätzlich in Ihr investierbares Spektrum passt. Diese Unterlagen sagen aber noch nichts über eine stiftungsspezifische Eignung aus. Prospekt, Jahresbericht und Co. sind Infos der Kategorie „KENNENLERNEN JA, DURCHDRINGEN NEIN“.

FondsFibel

Offline

(1) Zugegeben, das Factsheet ist in der Regel auf der Website eines Fondsanbieter hinterlegt, trotzdem dürften sich viele Stiftungsverantwortliche derlei ausdrucken. Daher sortieren wir das Factsheet bei den Offline-Werkzeugen ein. Das Factsheet ist ein Faktenblatt zu einem Stichtag, mit allgemeinen Informationen zu einem Fonds. In kurzen Worten werden in der Regel das Anlagekonzept genannt, Zahlen zu Wertentwicklung und Risikorelationen aufgeführt und Angaben zur Aufteilung der Vermögenswerte im Fonds gemacht. Der Nutzen aus Stiftungssicht ist begrenzt, da weder Funktionsweise des Ansatzes nachvollzogen und die Ausschüttungspolitik nicht herausdestilliert werden kann. Eine Informationsquelle der Kategorie „EINSTIEGSLEKTÜRE“.

(2) Halbjahres- und Jahresbericht zu einem Fonds sind reine Bestandslisten in Form einer Übersicht zu den im Fonds gehaltenen Einzelpositionen plus einer Liste der Veränderungen im Fonds im Berichtszeitraum plus Gewinn- und Verlust-Rechnung (aus der ggf. die Ausschüttungshöhe entnommen werden kann). Der Nutzen für eine Stiftung ist recht gering, Stiftungslenkerinnen und -lenker können aber immerhin anhand der einzelnen Positionen ableiten, ob das was auf dem Fonds drauf steht auch tatsächlich drin ist. Eine Informationshilfe der Marke „ZAHLENFRIEDHOF“. Übrigens geht auch der praktische Nutzen des KIID, also des Beipackzettels zu einem Investmentprodukt, in ebenjene Richtung. Eine sachgerechte Entscheidung zu einem Fonds können Stiftungsmacherinnen und -macher mit diesen Dokumenten nicht getroffen werden.

(3) Mit einem ESG-Reportingerhalten Stiftungen eine neue Informationsquelle zur Hand. Über diese soll die Eckdaten einer ESG-Anlagepolitik bei einem Fonds sichtbar machen. Ein ESG-Reporting ist dann stiftungsrelevant, wenn die Stiftung ESG in ihre Anlagepolitik integrieren möchte und die Fondsanlagen mit ihren dazu formulierte Zielen abgleichen möchte. Andere Informationen wie etwa zur Ausschüttung können aus einem ESG-Reporting nicht herausgelesen werden, wohl aber Indizien, ob die Ausschüttungspolitik künftig konsistent im Fonds fortgeführt werden kann. Ein Informationstool der Kategorie „DAS ALLERNEUSTE“.

meinestiftungsexpertin Barbara Ditze

Veranstaltungen

(1) Um sich regelmäßig im Stiftungskontext zu Stiftungsfonds und stiftungsgeeigneten Fonds zu informieren, ist der Gesprächskreis Stiftungsfinanzen des Magazins DIE STIFTUNG sicherlich ein gut gewählter Anlaufpunkt. Das Format ist etabliert, Stiftungen bekommen, da die Lenker einzelner Fonds persönlich anwesend sind, einen sehr direkten Zugang zu Produkten, die Diskussionen werden in der Regel angereichert um Inhalte etwa von Anwaltskanzleien. Ein Veranstaltungsformat der Kategorie „IMMER WIEDER GERNE!“.

(2) Beim Platow Euro Finance Stiftungsforum, das einmal im Jahr im Herbst in Frankfurt am Main stattfindet, stehen Fonds zwar nicht im Fokus des Geschehens, sie haben aber einen festen Platz im Programm – in Form eines Elevator Pitches. Hier stellen sich Fondsanbieter sich und ihr Anlagekonzept, von dem sie ausgehen, dass es stiftungsgeeignet ist, in 12 Minuten vor. Ergänzend werden Angaben zu den Drawdowns, Performances und Ausschüttungen im Pitch abgefragt, und eine Einordnung dessen im Kontext des aktuellen Marktgeschehens. Das Platow Euro Finance Stiftungsforum ist ein Event der Kategorie „FONDSIDEEN SAMMELN UND DIE PROTAGONISTEN DIREKT SCHNELL MAL PERSÖNLICH LÖCHERN“.

(3) Wer richtig in die Fondswelt eintauchen möchte, dem sei der Fondskongress in Mannheim ans Herz gelegt der dortselbst stets Ende Januar (in diesem Jahr im Juni) im Kongresszentrum Rosengarten stattfindet. Das Ganze dort gleicht einem einzigen Ameisenhaufen, tausende Menschen werden von Stand zu Stand und in Vortragssäle gespült, letztere bieten aber die Creme de la Creme der deutschen Fondslenkerlandschaft. Ideen nimmt man hier als Stiftung in jedem Fall mit nach Hause, die vielen Spleens der Fondsbranche müssen Stiftungsvertreterinnen und -vertreter vielleicht einfach ausblenden. Der Fondskongress ist eine Veranstaltung der Kategorie „MUST HAVE (ABER NUR FÜR JEMANDEN MIT GUTER KONDITION)“.

TV-TIPP:
Auch im Rahmen des Virtuellen Tags für das Stiftungsvermögen finden Elevator Pitches statt, Sie finden diese in der #vtfds-Mediathek auf www.vtfds.de.

Zusammengefasst

Es gibt zahlreiche Quellen, aus denen sich Stiftungsverantwortliche mit Informationen zur Fondsanlage bedienen können. Nicht alles hat direkt einen Mehrwert, aber zu wissen wo ich was finde und wann ich wen treffen kann, das hilft schon mal. Bei der Informationsbeschaffung in Eigenregie ist es n‘ bisschen wie bei Sisyphos, nur eben nicht mit Steinen sondern mit Papier und Browser.