Eine Sache der Einstellung

Ein aktueller Blick auf die dringenden Obliegenheiten in der Vermögensanlage der Stiftungen

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vtfds2024 Stefan Preuss
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Nach dem vtfds ist vor dem vtfds: Am Mittwoch, 12. Juni, ist es ab 9.30 Uhr wieder so weit. Was hat sich seit der 4. Auflage vor 12 Monaten getan? Werden die neuen Möglichkeiten dank geänderter Gesetzgebung in der Vermögensanlage genutzt? Legen Stiftungen mit hinreichender Mühewaltung ihre Gelder an? Diese und viele weitere Fragen werden wir erörtern.

Das Jahrzehnt der Stiftungen

Es kommt das Jahrzehnt der Stiftungen, prophezeite Alena Buyx während der Berliner Stiftungswoche im Festsaal des Roten Rathauses in Mitte. Politik, Wissenschaft, Verwaltung – alle seien in mannigfaltigen Zwängen verheddert und daher für das gesellschaftliche Vorankommen minderleistend. Egal, ob man sich dieser Betrachtung anschließt oder nicht: Wenn denn Stiftungen diese Rolle als Motor für die Bewältigung der nicht enden wollende Liste unabdingbarer gesellschaftlicher Aufgaben erfüllen wollen, benötigen sie dafür hinreichende Mittel.

„Sollen“ setzt Mittel voraus

Sollen setze Können voraus, hatte Buyx noch bemerkt, da aber am Können der Stiftungen kein Zweifel herrsche gelte: Können heißt Sollen! Um dieses Sollen mit Nachdruck umzusetzen, benötigen Stiftungen finanzielle Mittel, um den jeweiligen Zweck umsetzen zu können. Diese Mittel müssen mit und aus dem Vermögensstock der Stiftung erwirtschaftet werden. Je mehr Mittel, umso besser. Und an dieser Stelle stellt sich wieder die Frage nach dem Können und Sollen, vielleicht sogar dem Müssen, und zwar in der Vermögensanlage. Jetzt, da die regulatorischen Regelungen hinreichend verbessert worden sind, können Stiftungen diversifiziert in für sie neue Assetklassen investieren. Wenn sie ihre ohnehin wichtige Rolle im gesellschaftlichen Gesamtgefüge ausbauen sollen – m ü s s e n sie dann nicht sogar ihre Vermögensbewirtschaftung professionalisieren?

Können, Wollen, Sollen – oder Pflicht?

Oder anders formuliert: Ergibt sich aus den erweiterten Möglichkeiten der Vermögensanlage nicht auch in gewissem Sinne die Pflicht, sich nicht mit einem aus der Historie und gegebenenfalls engen Anlagerichtlinien ergebenden Ergebnis der Vermögensanlage abzufinden, sondern stattdessen das bestmögliche Ergebnis anzustreben? Also die professionelle Analyse der bisherigen Ergebnisse vorzunehmen und die Modellierung einer Investitionsstrategie anzustoßen, wie sie zukünftig zur Vereinnahmung höherer Mittel umgesetzt werden sollte? Stand heute kann Stiftungsvermögen mehr, zumindest in der Breite, die hochprofessionelle Vorgehensweise vieler großer Stiftungen beweist die Möglichkeiten. Der Gesetzgeber hat sich bewegt, kein ehrenamtlicher Stiftungsvorstand muss heute Haftungsfragen fürchten, wenn er in klar definierten Prozessen nach klar definierten Regeln zu sinnvollen, sauber dokumentierten Investitionsentscheidungen kommt.

Eine Frage der Einstellung

Letztlich ist die Vermögensanlage von Stiftungen keine Frage des Könnens oder Sollens, sondern eine Sache der Einstellung. Es muss sich die Auffassung durchsetzen, dass es zur guten Governance jeder Stiftung ungeachtet der Höhe derer Kapitalisierung gehört, das bestmögliche Anlageergebnis zu erzielen. Wie das umgesetzt werden kann bleibt Gegenstand von Diskussionen innerhalb der Stiftungsgremien. Was nicht passieren darf: Dass sich Stiftungen auf den aktuell zu vereinnahmenden Zinsen ausruhen und dem Anlagethema nur nachrangige Bedeutung im To-do-Ranking zuweisen.

Die Gebetsmühle rattert: Diversifikation – ommm

Als allererste Maßnahme für das Stiftungsportfolio ist die Diversifikation zu nennen. Das betrifft die Binnendiversifikation innerhalb der Assetklassen über unterschiedliche Vehikel, Branchen, Regionen, Emittentengruppen, Investmentstile und so fort. Aber vor allen Dingen kommt der Diversifikation über unterschiedliche Assetklassen zunehmende Bedeutung zu. Stiftungen hierzulande können es sich nicht leisten, zumal mit Home-Bias, mit einer Mischung aus Anleihen und Aktien die Vielzahl ertragsstarker Anlagemöglichkeiten zu verpassen, die der Kapitalmarkt bietet. Das Thema zieht sich nicht nur durch unseren Blog #stiftungenstärken, es ist einer der zentralen Bestandteile bislang jedes #vtfds gewesen.

Was also hat sich tatsächlich getan?

Bim DST 2022 in Leipzig stand die nachhaltige Vermögensanlage im Fokus, vergangenes Jahr in Berlin und aktuell in Hannover fand sich das Anlagethema auf dieser Bühne eher in einer Nebenrolle wieder. Dennoch wurde bei vielen einschlägigen Veranstaltungen während der Fragerunden deutlich: Viele auch kleine Stiftungen würden schon gerne breiter diversifizieren und neue Assetklassen entdecken, doch oft fehlt der Zugang zu Experten oder Informationen. Und ja, natürlich verlangen elaborierte Strategien Mindestsummen, die für zahlreiche Stiftungen außer Reichweite sind. Doch die Angebote sind bereits jetzt vorhanden und zugänglich – und sie mehren sich, wie im Folgenden mit konkreten Beispielen gezeigt werden soll.

Anleihen: So viel mehr als Unternehmen und Staaten

Natürlich spricht nichts dagegen, dass Anleihen weiterhin einen tragenden Anteil im Stiftungsvermögen einnehmen. Aber Stiftungen sind gut beraten, ihr Beuteschema auf der Anleiheseite zu erweitern. Zwei Möglichkeiten: CLOs + CAT Bonds. Bei Collateralized Loan Obligations (CLOs) handelt es sich um verbriefte Beteiligungen an Unternehmenskrediten, die von Anlageverwaltern zusammengestellt und nach der Höhe des Kreditrisikos der Beteiligungen in Tranchen aufgeteilt werden. CLOs fallen somit in die Gattung der Asset Backed Securities (ABS), also forderungsbesicherter Wertpapiere. In einem CLO werden Tranchen von 100 bis 120 Krediten gebündelt. Ein üblicher Fonds ist über ca. 40 bis 50 CLOs diversifiziert. Sehr empfehlenswert ist der Lupus alpha High Qualitiy Invest A aus unserer Liste Die Neuen.

Fonds auf die Bedürfnisse von Stiftungen abgestimmt

Stamatia Hagenstein, CLO-Managerin bei Lupus alpha, betont, dass der CLO-Fonds speziell auf die Bedürfnisse reglementierter Investoren wie Stiftungen angepasst ist. Einzelne CLOs werden von CLO-Managern verwaltet. Lupus alpha wählt aus den auf dem Markt vorhandenen CLOs nach bestimmten Kriterien, etwa der Stabilität der Cashflows der kreditnehmenden Unternehmen oder historischen Ausfallraten, die für die Investoren-Zielgruppe passenden CLOs aus. Sie empfiehlt Stiftungen Fonds, die ausschließlich in europäische CLOs im Investment Grade-Bereich investieren und auf diesem Weg Zugang zu einem diversifizierten Portfolio besicherter Unternehmenskredite bieten – und zwar ausschließlich Unternehmenskredite. Hagenstein zählt auf, was sich nicht in solchen Fonds befindet: „Wir investieren nicht in Studienkredite, noch in Autokredite, Immobilienfinanzierungen und haben auch keine Kreditkarten- oder andere Konsumentenkredite im Fonds.“ Was sich im Fonds befindet: Kredite, deren Gläubiger im Konkursfall vorrangig vor allen anderen Verbindlichkeiten bedient werden. Lupus alpha beziffert die historische Ausfallrate (über alle Ratingklassen innerhalb eines CLOs) hinweg mit kleiner als 0,1%.

CAT-Bonds: Wichtiges Vehikel für zahlreiche Landstriche

Katastrophen-Anleihen (Cat Bonds) sind eine Gattung versicherungsgebundener Wertpapiere (ILS = Insurance Linked Securities). Dabei handelt es sich um festverzinsliche Anlageinstrumente, die hauptsächlich von Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften ausgegeben werden. Rückversicherer sind bereit, attraktive strukturelle Prämien zu zahlen, um das Risiko aus ihren Bilanzen auf die Kapitalmärkte umzuverteilen und weiterhin Deckung für die Bereiche bieten zu können, in denen die Nachfrage am größten ist. Durch Investitionen in diesen Bereich entwickeln Stiftungen sogar Impact, denn viele Menschen gerade in Gebieten, die durch Naturkatastrophen gefährdet sind, würden sonst keinen Versicherungsschutz erhalten. Dieser Anleihetyp findet zum Beispiel im Stiftungsportfolio der BKC und im EB Sim MultisAsset Fonds.

CAT Bonds stammen von Rückversicherern

Bei einer typischen Cat-Bond-Struktur sponsert der Emittent, in der Regel ein Rückversicherer, die Bildung einer Versicherungs-Zweckgesellschaft (VZ). Die Cat Bonds selbst sind Anleihen, die von dieser VZ ausgegeben werden. In der Regel weisen sie eine kurze Duration mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren auf. Cat Bonds sind voll besichert. Im Gegensatz zu einer Unternehmensanleihe, bei der die Emissionserlöse in die Bilanz eines Unternehmens einfließen, werden sie bei einem Cat Bond in erstklassigen Wertpapieren mit einem Rating von AAA –, beispielsweise in US-Treasuries – gehalten. Bernhard Matthes, Fondsmanager des BKC Treuhandportfolios, nutzt diese Assetklasse seit Jahren in dem bei Stiftungen beliebten Fonds, „da sie praktisch keine Korrelation zu traditionellen Assetklassen wie Aktien oder Staatsanleihen aufweisen. Mit typischerweise sehr kurzen Laufzeiten belasten sie das Portfolio kaum mit Zinsrisiko, bieten aber einen vergleichsweisen hohen Ertrag.“

Waldinvestments und Erneuerbare Energien

Wenn es um die Diversifikation des Stiftungsportfolios geht dürfen auch Infrastruktur, Waldinvestments und Erneuerbare Energien nicht fehlen. Eine hervorragende Möglichkeit bietet sich in Finnland und den baltischen Staaten mit dem Waldfonds von United Bankers:   Dort entsteht ein ganzes Ökosystem rund um die Holzverwertung. Das verspricht Rendite und Sicherheit gleichermaßen.

Neue Angebote mit hoher Stiftungseignung

Neben den bereits bestehenden Angeboten füllt sich auch die Pipeline stiftungsgeeigneter Angebote zum beispiel aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. EBSim zum Beispiel stellte während des Stiftungstages in Hannover einen neuen Infrastruktur-Fonds vor, der ausschließlich in nachhaltige Energieerzeugung in Europa investiert. Als Ausschüttungsrendite werden bis zu 5% avisiert, es wird eine kleine Stückelung ohne Mindestanlage geben, und als Artikel 9-Fonds zahlt der Fonds auch noch auf das Öko-Konto jeder Stiftung ein.

Zusammengefasst

Es ist derzeit viel von Transformation und Zeitenwende die Rede, und dies betrifft auch das Stiftungsportfolio gelten. Ja, angesichts hyperkomplexer Umstände ist es nicht einfach, gerade jetzt die Vermögensanlage weiterzuentwickeln oder gar neu aufzustellen. Allerdings deutet nichts darauf hin, dass Dinge in Zukunft weniger komplex würden. Deshalb können Stiftungen nicht früh genug damit beginnen. 

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