Start #stiftungenstärken Stiftungsvermögen & Stiftungsfonds „Anleihen sind bei uns ein Hort der Sicherheit und Stabilität“

„Anleihen sind bei uns ein Hort der Sicherheit und Stabilität“

Auf einen Cappuccino mit Rainer Königs, Referatsleiter Vermögensanlage bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

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Interview Rainer Königs
Lesezeit: 4 Minuten

Die Diskussion um Staatsverschuldung, Vertrauen in Kapitalmärkte und geopolitische Spannungen ist aktueller denn je. Im Gespräch erläutert Rainer Königs, warum viele dieser Fragen nicht neu sind und wie er als positiv denkender Mensch die Weltlage betrachtet.

Der Social Profit Kosmonaut: Herr Königs, wie kritisch sehen Sie das System insgesamt – mit Blick auf die steigenden Verbindlichkeiten von Staaten?

Rainer Königs: Wenn man in Anleihen investiert, muss man dem Schuldner vertrauen. Und bei Investitionen in Staatsanleihen stellt sich dann ganz automatisch die Frage: Was passiert, wenn ein Teil davon ausfällt? Für uns sind Anleihen in erster Linie ein Hort der Sicherheit und Stabilität und auf Portfolioebene ein wichtiger Bestandteil der Diversifikation. Wir achten sehr darauf, möglichst gute und solvente Schuldner auszuwählen – in der Erwartung, dass wir unser Geld bei Fälligkeit zurückbekommen. Langfristig kann die weltweit hohe Verschuldung der Staaten, bei eventuell dauerhaft höheren Zinsen als in den vergangenen Jahren, jedoch zu Problemen führen.

Der Social Profit Kosmonaut: Was denken Sie – ist die Welt komplexer als früher?

Rainer Königs: Das wird oft so wahrgenommen, aber man muss das im historischen Kontext sehen. In den 70er- und 80er-Jahren war die Situation in Europa teilweise deutlich angespannter – mit massiver militärischer Präsenz auf beiden Seiten. Auch Themen wie der Kalte Krieg, die Kuba-Krise oder der RAF-Terrorismus waren sehr real. Heute wird vieles intensiver wahrgenommen, die Komplexität hat vielleicht auch zugenommen. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass die Lage objektiv schlechter ist. Nehmen wir deutsche Flüsse: Vor einigen Jahrzehnten wurde die Emscher noch als „Kloake des Ruhrgebiets“ bezeichnet, heutzutage gilt sie als weitgehend sauber. Oder der Rhein, in den 1988 der damalige Umweltminister Klaus Töpfer sprang, um die Sauberkeit zu demonstrieren. Jede Generation empfindet ihre Zeit als besonders herausfordernd. Wenn man jedoch ins Geschichtsbuch schaut, relativiert sich manches.

Der Social Profit Kosmonaut: Welche Rolle spielen für Sie denn wirtschaftliche Rahmenbedingungen?

Rainer Königs: Eine sehr große. Viele Herausforderungen entstehen durch den Umgang mit wirtschaftlichen Möglichkeiten und durch gesetzliche Rahmenbedingungen. Ein Beispiel ist die Situation von Start-ups in Deutschland: Es gibt vergleichsweise wenige Start-up-Firmen, die sich in Deutschland durchsetzen und international behaupten.

Vielleicht sollten an der Stelle auch steuerliche Rahmenbedingen überdacht werden. Teilweise müssen Unternehmen auf noch nicht realisierte Gewinne Steuern zahlen. Das erschwert Wachstum und Innovation und führt dazu, dass erfolgreiche Unternehmen ihren Standort ins Ausland verlagern. Langfristig hat das natürlich Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit.

Der Social Profit Kosmonaut: Ein sensibles Thema sind auch Investitionen in bestimmte Branchen, etwa Rüstung.

Rainer Königs: Das ist sicherlich eine schwierige Frage. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Frieden. Auf der anderen Seite muss man sich fragen, wie man diesen Frieden schützt und vielleicht auch zeigt, dass man vorbereitet ist – gerade in einer Welt, die wieder konfliktreicher wird. Möglicherweise entstehen so auch Impulse für andere Industriecluster.

Der Social Profit Kosmonaut: Lassen Sie uns nochmal auf das Thema Stiftungsvermögen zurückkommen!

Rainer Königs: Wir verwalten circa 85% unserer Assets selbst. Diese sind grob in drei Bereiche aufgeteilt: Sachwerte wie Immobilien, Aktien und Renten. Im Rentenbereich ist die Idee, ein sicheres Grundrauschen zu haben. Gleichzeitig müssen wir satzungsgemäß rund 50% unseres Vermögens im verzinslichen Bereich halten. Das bedeutet: Wir investieren dort bewusst solide und verzichten im Zweifel lieber auf etwas Rendite, anstatt Risiken einzugehen, also eher A+-Emittenten als BBB-.

LeseTipp:
Das Interview ist erschienen in „Der Social Profit Kosmonaut“ No. 1, dem Begleitmagazin zum Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen 2026, VTFDS26.

Interview / Lesetipp

Der Social Profit Kosmonaut: Setzen Sie inzwischen eher auf Unternehmens- oder immer noch auf Staatsanleihen?

Rainer Königs: Seit circa vier Jahren ist die Rendite in den verzinslichen Bereich zurückgekehrt. Insofern kaufen wir selektiv auch wieder öffentliche Emittenten. Deren absoluter Zinsertrag wäre für uns jedoch alleine nicht auskömmlich. Daher liegt unser Fokus klar bei den Unternehmensanleihen. Hier ist, neben einer höheren Rendite, eine deutlich bessere und tiefere Diversifikation für unsere Volumina möglich.Das ist bei Staaten so nicht gegeben.

Der Social Profit Kosmonaut: Kommen wir zum Thema Sorgfalt: Was bedeutet das für Sie?

Rainer Königs: Sorgfalt bedeutet für mich, dass ich jede Entscheidung jederzeit erklären kann. Dass wir wissen, warum wir jene Aktie in Betracht ziehen oder eine andere gerade verkaufen möchten. Wir analysieren die Daten, die uns im Moment der Entscheidung zur Verfügung stehen. Man sollte nie alles auf eine Karte setzen. Vielleicht muss man auch ein Stück weit bescheiden bleiben: wir versuchen das Beste, aber garantieren können wir es leider nicht.

Zur Sorgfalt gehört auch, dass wir im Team eine gute Kommunikation haben. Um Ideen abzustimmen, Analysen zur Diskussion zu stellen und so möglichst fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Der Social Profit Kosmonaut: Worauf achten Sie bei Sachwert-Investments besonders? Wie sind Sie da aufgestellt?

Rainer Königs: Unser Ziel ist es, mit den illiquiden Sachwert-Investments ein ertragstechnisches Grundrauschen im Portfolio zu generieren. Unsere Erwartungen haben sich weitgehend erfüllt, gleichwohl die Diversifikation in beide Richtungen funktioniert. Da die Anlagekonzepte individuell ausgestaltet sind, ist eine sehr detaillierte Prüfung unabdingbar. Generell denke ich, dass es am entscheidendsten ist, über alle Assetklassen und alle Investitionen hinweg immer Gesprächs- und Geschäftspartner an seiner Seite hat zu haben, die nicht nur den Geschäftsabschluss sehen, sondern uns auch bei Schwierigkeiten zur Seite stehen. Die größte Aufgabe ist wohl, diese Leute herauszufiltern.

Wir danken Ihnen für diese Einblicke, Ihre Zeit heute und das Plädoyer pro Diversifikation – wir werden das weitertragen.

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Tobias Karow
ist Gründer und Geschäftsführer von stiftungsmarktplatz.eu und im Stiftungswesen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein seit 10 Jahren aktiv. Er ist Herausgeber der FondsFibel für Stiftungen & NPOs, dem führenden Nachschlagewerk für Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds (www.fondsfibel.de), Vorträge hält er vor allem zum Thema ‚Stiftungen und ihr Weg in die digitale Welt‘. Für beide Themen betreibt er den Blog #stiftungenstärken.