Start #stiftungenstärken Stiftungsvermögen & Stiftungsfonds Ziemlich beste Vorsätze für Stiftungsvermögen

Ziemlich beste Vorsätze für Stiftungsvermögen

Was wir in 6 Jahren VTFDS über Stiftungsvermögen gelernt haben

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7 Jahre vtfds
Lesezeit: 4 Minuten

Ein Tag nur für das Stiftungsvermögen. So fing es irgendwann Anfang April 2020 an. Mit dem Virtuellen Tag für das Stiftungsvermögen (=VTFDS) war ein Format geboren, das es heute bis zum Werkstatt Festival geschafft hat. Was uns im Frühjahr 2020 antrieb war die Frage, wie Stiftungsvermögen bestmöglich durch eine Krise (wie damals die Corona-Pandemie) kommt. Wir waren naiv, wir haben einfach n bisschen Bewegbild produziert, hatten etliche hundert Zuschauer und hofften, dass wir mit dem VTFDS Dinge rund um das Stiftungsvermögen in Bewegung bringen. Nun ja, hat sich viel bewegt? Was wir in 6 Jahren VTFDS über deutsche Stiftungsvermögensverantwortliche gelernt haben.

Ohne Idealismus braucht man in Deutschland eigentlich nichts Neues anzufangen. Das Neue ist des Bewährten Feind. Was der Deutsche nicht kennt, das frisst er nicht. Deutschland hat für das Neue keine Willkommenskultur. So hieß es auch um den VTFDS herum: Braucht kein Mensch. Fragte ich Stiftungen, wie es um ihr Stiftungsvermögen steht, hieß es meist, dass es schon in Ordnung sei, was hinten rauskommt. Die Zeiten seien ja eh schwierig, da könne man nicht viel machen. Wenn wir 2% ordentlichen Ertrag erzielen, sei das doch schon ganz ordentlich. Diese Begründung, eine Einladung zum VTFDS auszuschlagen, sei es bis vergangenes Jahr für den Livestream oder dieses Jahr für das Festival, ist oft jene, die wir hörten. Was uns wiederum zu dem führt, was wir über Stiftungsvermögen und Stiftungsverantwortliche gelernt haben. Stiftungsvermögen ist vielen oft einfach wurscht, irgendwas kommt schon raus.

FestivalTipp:
Werkstatt Festival für Stiftungsvermögen in Leipzig am 16. und 17.6.2026 in der dortigen Future Fabrik – offener und intensiver haben Sie noch nie über ihr Stiftungsvermögen gesprochen.

Nicht zu lernen ist nicht zum Wohle der Stiftung

Diese Haltung bringt mich auf die Palme. Denn einmal ließe sich so viel mehr Ertrag aus Stiftungskapitalien herausholen. Würden wir aus deutschen Stiftungsvermögen 1% mehr an ordentlichen Ertrag generieren, das Volumen wäre 50% größer als das gesamte Fundraising-Volumen hierzulande. Über Stiftungsvermögen nichts lernen zu wollen, das halte ich heute für eine der größten Pflichtverletzungen, die Stiftungsverantwortliche angelastet werden kann. Klar, solange irgendeine Performance rauskommt, lässt sich niemandem etwas anlasten. Aber rund um den Themenkreis Stiftungsvermögen handwerklich nichts draufzusatteln, darüber zu ignorieren, dass die Zeiten heute für das Veranlagen auf ewig errichteter Kapitalstöcke gänzlich andere sind als vor 10 oder 20 Jahren, das kann nicht mehr mit „Zum Wohle der Stiftung“ ummantelt werden.

Das war der erste Teaser zum vtfds 2020

Stiftungsgremien sind oft Bremser, nicht Begleiter

Noch dazu haben wir aus den Gesprächen mit Stiftungen gelernt, dass das Neue das Eine ist, der interne Kampf aber das andere. Viele Stiftungsvorstände wissen, dass sie etwas anders machen müssen. Sie haben gute Vorsätze. Sie scheitern dabei an ihren Kuratorien. Diese sind so besetzt, dass sie bremsen, und zwar nicht aus Aufgabenerfüllung heraus, sondern aus Unwissenheit. Genau an diesem Punkt sind Kuratorien kein Begleiter der Stiftung mehr, sondern ein Problem. Das was wir aus dem Sektor seit 7 Jahren hören, sind immer wieder dieselben Geschichten. Rund um den VTFDS2020 haben wir damals etliche Stiftungen befragt, was sie als Handwerkszeug brauchen. Anlagerichtlinie, Anlagekonzept, eine Mechanik, die der Angst vor Entscheidungen entgegenwirkt. Dazu haben wir dann Interviews geführt. Hat sich seitdem etwas verändert, verbessert? Bei einigen vielleicht schon, das Gros deutscher Stiftungen jedoch schleppt das Ertrags-Gap nach wie vor mit sich herum.

Die Baumarkterei im Stiftungsvermögen ist weit verbreitet

Nur lösen sie es auf, indem sie nicht so weiter machen wie bisher? Eher nicht. Wir haben in 6 Jahren VTFDS gelernt, dass die Zahl derer, die von Baumarkterei („Wir machen das selber mit dem Vermögen, so schwer kann das nicht sein.“) und Besserwisserei („Bevor wir da jemanden von draußen holen, haben wir das längst gelöst.“) die Nase voll haben, größer geworden ist. Gleichzeitig sind Werkzeuge wie ein RFP, also eine Art Fragebogen, den man an den Anbieter eines Fonds schickt, um zu verstehen, was der Fonds für meine Stiftung leistet, immer noch nicht weit verbreitet im Sektor. Stiftungsverantwortliche wissen um den Nutzwert eines Fondsportfolios, aber sie gehen den Weg nicht konsequent zu Ende. Es gibt irgendeine Barriere, Schranke, die Stiftungsverantwortliche vom Befassen etwa mit der Fondsanlage abhält. Sind es die Kosten? Womöglich. Sind es die Parameter ertragreich und sicher, wo Fonds bei sicher eigentlich nie so recht passen? Auch womöglich. In meinen Augen ist es die Angst vorm Fehlermachen, die Stiftungsmacher hemmt.

Und täglich grüßt das Hindenburg Omen…

Dabei ist diese Angst vollkommen unbegründet. Denn vor was sie Angst haben, darauf haben Sie keinen Einfluss. Sie können Märkte und Marktphasen nicht beeinflussen. Sie können sich nicht vor Crashs und Schwarzen Schwänen absichern. Diese hat es immer gegeben, und sie wird es immer geben. Sich davor zu schützen heißt nicht, immer die Angststrategie im Portfolio umzusetzen. Sondern jene Strategie, die ein Stiftungsvermögen langfristig gedeihen lässt und die akzeptiert, dass es diesen einen Draw down (=Rücksetzer) geben wird, der Schwarzer Schwan, Crash oder Resultat des Hindenburg Omens genannt wird. Solche Dinge passieren, auf sie kann man sich nicht vorbereiten. Was man aber schaffen kann in der Anlagestrategie einer Stiftung ist, dass Erträge konsistent sprudeln, dass Rücklagen gebildet und Ertragsmöglichkeiten über das Sonstige Vermögen geschaffen werden. Angst war und ist ein guter Diener, aber sie ist ein schlechter Herr. Wer Angst vor dem Crash hat, legt auch an wie ein Schisser. Wer will, dass seine Stiftung in 10 Jahren doppelt so groß vom Stiftungsvermögen her ist, der legt entlang von Ertragschancen an und nimmt Rücksetzer, wie auch immer sie sich ausnehmen, in Kauf. Punkt, Basta.

vtfds26 in Leipzig

Zusammengefasst

Ob wir in den 6 Jahren VTFDS viel bewegt haben für deutsche Stiftungsvermögen, wir wissen es nicht. Wir schätzen schon, wir wissen, dass sich etliche Stiftungen auf den Weg gemacht haben. Wir wissen aber auch um die große Masse von Stiftungen, die bisher nur mal den Finger zum Lufttest aus ihrem Silo herausgestreckt hat. Es bleibt die Aufgabe, für die Aufgabe Stiftungsvermögen zu begeistern. Es bleibt die Aufgabe, Stiftungsverantwortlichen die Angst vor Entscheidungen für das Stiftungsvermögen zu nehmen. Es bleibt die Aufgabe, Stiftungslenkerinnen und -lenker für Diversifizieren, Delegieren, Dokumentieren und Durchhalten (=die 4 Ds) zu begeistern. Es bleibt die Aufgabe, Stiftungsvorstände und -geschäftsführer für Anlageziel, Anlagekonzept, Anlagerichtlinie (=die 3 As) zu sensibilisieren. Es wird nicht ohne dieses Handwerkszeug gehen. Vielleicht schreckt Stiftungsverantwortliche ab, dass dieses Handwerkszeug ihnen auch keine Garantie gibt, dass sie die Ertragsbasis ihrer Stiftung damit ausbauen und konservieren. Das mag sein. Meine Antwort seit dem VTFDS2020 ist aber, „dass dieses Handwerkszeug die einzige Chance ist, irgendeine Form des Mehrertrags und der Mehrresilienz für das Stiftungsvermögen zu erreichen. Das Wohl jeder einzelnen Stiftung hängt genau hier dran, also auch das der Ihren.“