Die StiftungsApéro WinterTour feierte in Stuttgart die dritte Städtepremiere, denn in der schwäbischen Metropole machte der StiftungsApéro tatsächlich zum ersten Mal Station. Umso mehr freuten wir uns über mehr als 50 angemeldete Stiftungsverantwortliche, die wir gemeinsam mit dem Deutschen Stiftungszentrum im Haus der Katholischen Kirche in der Königstraße begrüßten. Mehr Zentrum in Stuttgart geht nicht, und mehr Impuls war auch selten bei einem StiftungsApéro. Unsere Nachlese auf einen äußerst kurzweiligen Abend.
Als wir uns den StiftungsApéro als kleines aber feines Essen-Trinken-Reden-Netzwerkformat „powered by familarity“ vor knapp 4 Jahren ausgedacht haben, war schnell klar, dass wir stets, wenn wir auf Tour gehen, in den stiftungsdichten Städten vorbeischauen müssen. Irgendwie haben wir es bisher aber geschafft, immer aufs Neue an Stuttgart vorbeizufahren. Freiburg, waren wir, Heidelberg, waren wir, Kloster Eberbach, waren wir, Aber Stuttgart war ein weißer Fleck auf der StiftungsApéro-Karte. Bis zum 12.2.2026. Im Vorfeld hatten wir die Rückmeldung bekommen, dass die Vorfreude auf die Impulse seitens Jule Fiedler vom Stiftungsnetzwerk Stuttgart und KI-Profi Steffen Ackermann besonders groß sei – und die Stiftungsverantwortlichen wurden nicht enttäuscht.
Lehre Nummer 1: Sorgfalt war immer, aber Sorgfalt hat jetzt einen Maßstab
Andrea Schildhorn, Dr. Markus Heuel und Patrick Wedekind, alle drei vom Deutschen Stiftungszentrum, brachten direkt und indirekt das Thema Sorgfalt mit zum StiftungsApéro in Stuttgart. Natürlich war Sorgfalt in der Stiftungspraxis irgendwie immer ein Maßstab, aber durch die 2023er Stiftungsrechtsreform wurde der Begriff noch einmal neu (oder zusätzlich) mit Inhalt gefüllt. Natürlich galt Sorgfalt immer schon, wenn es darum ging, das Stiftungsvermögen zu bewirtschaften. Aber zum Wohle der Stiftung und einzig in Anleihen anzulegen – die Sollbruchstelle ist mit jedem Gedanken, der tiefer in die Materie vordringt, zu spüren. Und natürlich hieß Sorgfalt immer schon, dass Stiftungsverantwortliche entscheidungsfähig (und -willig) sind. Jedoch wurde dies durch die Stiftungsrechtsreform noch einmal mehr konturiert. Stiftungspraxis muss künftig den ordentlichen Geschäftsführer kennen, Stiftungspraktiker müssen demgemäß auch wie einer entscheiden. Ein kurzer Fragendiskurs rund um eine Anlageentscheidung zeigte, dass genau es genau hier noch nicht dem gesamten Sektor klar ist, was das heißt, was derlei bedeutet.
ApérotheksTipp:
Die Bildergalerien zu allen StiftungsApéros bisher, auch zu jenen der StiftungsApéro WinterTour 2026, finden Sie in der Apérothek.
Lehre Nummer 2: Stiftungspraxis ohne KI heißt, auf Möglichkeitenräume zu verzichten
Es war die Frage der Fragen, die Steffen Ackermann von Ainlighten den Gästen des StiftungsApéros in Stuttgart stellte: Wo kann KI Ihrer Stiftung helfen, als Organisation besser zu werden? Die Antwort fiel dann differenziert aus, denn wo genau das sein kann, das muss jede Stiftung für sich rausfinden. Also wenn man so will, bei 28.000 Stiftungen hierzulande können das 28.000 verschiedene Antworten sein. KI heißt damit aber auch, als Stiftung zu reflektieren. Wo stehe ich, was ist mir wichtig, wer bin ich und wo will ich hin, dieses Fragengerüst steckt im Befassen mit dem Wesen und den Möglichkeiten von KI drin. Es lässt sich heute, so lesen wir die Ausführungen von Steffen Ackermann, nicht sicher sagen, was eine Stiftung gewinnt, wenn sie KI nicht für sich entdeckt und dann auch nutzt. Aber es lässt sich sagen was sie verliert. Das sind die Möglichkeiten, etwa in der Verwaltung schlanker zu sein, im Antragswesen effizienter und in der Stiftungskommunikation multikanaler unterwegs zu sein. Wägen Stiftungsverantwortliche das gegeneinander ab, dann ist das was ich künftig nicht an Möglichkeiten nutzen schon ziemlich gewichtig.
Lehre Nummer 3: Netzwerken braucht verbindliche wie begeisternde Macher
Wie viele regionale Stiftungsnetzwerke gibt es in Deutschland? Sechs Hand voll. Welches davon kennen Stiftungsverantwortliche in der Regel? Jenes in Stuttgart, und zunehmend auch jenes in Hamburg. Warum ist das so? Warum tun sich viele Städte so schwer, für ihr Stiftungsnetzwerk wahrgenommen zu werden? Wir können es nur erahnen, sehen die Gründe, hören wir Jule Fiedler vom Stiftungsnetzwerk Stuttgart zu, wissen, wir schnell, woran es liegt. Menschen wie Jule Fielder leben ein Stiftungsnetzwerk, sie halten es lebendig, sie „verordnen“ ihm ein hohes Maß an Verbindlichkeit. Auch sind sie offen gegenüber Impulsen, suchen den Schulterschluss mit externen und überregionalen Experten, matchen Stiftungen mit dieser Expertise. Denn wenn wir über Sorgfalt oder gar die neue Sorgfalt sprechen, dann braucht es das auch immer mehr. Entscheidungsfähig zu sein heißt, sich vorher verschiedentlich aufgeschlaut zu haben. Stiftungsnetzwerke im Regionalen leisten hier heute einen essentiellen Beitrag – und künftig noch viel mehr.

Zusammengefasst
Der StiftungsApéro in Stuttgart im Rahmen der StiftungsApéro WinterTour war einerseits eine Premiere, aber er war auch der Abschluss eben jener WinterTour. Unsere Impulsgeber brachten Inspiration und Information rund um aktuelle stiftungspraktische Fragen mit. Es zeigte sich, dass Stiftungspraxis sich verändert, dass sie sich mit neuen Dingen wie Techniken auseinandersetzen muss. Die Gespräche danach dann zogen sich bis weit nach Toresschluss, das ist dieses „powered by familarity“, das wir für jeden StiftungsApéro als Roten Faden vorgeben. Derlei mitgenommen freuen wir uns heute bereits auf die StiftungsApéro SommerTour 2026, die am 25.6. in Zürich starten und mit „The Gatsby `26“ ihr Grande Finale zelebrieren wird. Diesem werden wir ein Motto geben, das weit in die Zukunft der sich verändernden Stiftungslandschaft blicken wird. Zugleich wird auch „The Gatsby `26“ eine Premiere sein, denn erstmals werden wir in Augsburg Station machen. Bis dahin haben wir Goethe im Ohr, der einmal formulierte: „Auch aus den Wegen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“












