Odyssee im Stiftungskosmos

Kann Künstliche Intelligenz eine Stiftung besser machen?

694
KI für die Stiftungspraxis
Lesezeit: 5 Minuten

Beitrag vorlesen:

Es hat etwas von einer Odyssee im Stiftungskosmos. Die Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) überschwemmt gerade die Märkte und macht auch vor der Gemeinnützigkeit nicht halt. Es wird in der neuen Ära auch nicht nur Verlierer und nicht nur Gewinner geben. Die KI hat das Zeug, Sektoren in der gesamten Non Profit Branche umzukrempeln, aber eben nicht jede Organisation wird dadurch effizienter und produziert damit bessere Ergebnisse. Aber fangen wir von vorne an.

Künstliche Intelligenz-Programme (KI) schießen im Moment wie Pilze aus dem Boden. Es bleibt nicht nur bei Chat GPT, sondern es gibt hunderte Programme, die einfache Webseiten erstellen, Bilder nach Wortvorlagen oder Videos nach Text erstellen, sie auch noch besprechen, Texte übersetzen, Daten analysieren …., und und und. KI kann dazu verwendet werden, eine Reihe von Problembereichen im Non Profit Bereich zu verbessern. Sie kann helfen bei der Hunger- und Armutsbekämpfung, bei Bildungsprogrammen oder beim Klimawandel. Zum Beispiel kann sie Bereiche auf unserem Planeten identifizieren, wo es extreme Armut und Hunger gibt und kann hier schnell und unkompliziert eruieren, wo und wie viele Ressourcen benötigt werden und sie zur Verfügung stellen. Sie kann Daten analysieren und Voraussagen machen, wie die Gesundheitsversorgung auf dem Land bei uns oder in den Ländern des globalen Südens besser organisiert werden kann.

Künstliche Intelligenz kann Stiftungspraxis beflügeln

KI kann zum Problemlöser globaler Herausforderungen wie Ernährung, demografischer Wandel, instabiles Finanzsystem oder Endlichkeit der Ressourcen werden. Und ist Treiber von Partizipation, Demokratie und Solidarität. So kann KI wirklich einen Unterschied in dieser Welt machen und ist gerade für den sozialen Sektor entscheidend. Künstliche Intelligenz verändert in rasanter Schnelligkeit die Weise wie wir leben und arbeiten und soziale Organisationen machen da keinen Unterschied. Die Technik der KI, man könnte sie auch die Büchse der Pandora nennen, entwickelt sich einfach zu schnell. Deshalb ist es gerade für Non Profits wichtig die Möglichkeit zu berücksichtigen, wie die Künstliche Intelligenz sinnvoll in den Arbeitsalltag integriert werden kann.

Die tägliche NPO-Praxis kann von KI profitieren

KI kann eine Organisation effizienter machen, Ressourcen effektiver nutzen, kann Entscheidungen unterstützen und die Wirkung in den Gemeinden, die sie bedient, fördern. Sie kann personalisierte Ansprachen erstellen, verbesserte Spenderbindung herstellen, voraussichtliches Spendenverhalten prognostizieren und verbesserte Spendenakquise durchführen.

Nun sind Non Profits oft knapp an finanziellen und personellen Ressourcen. Deshalb müssen Sie immer darüber nachdenken mehr zu tun, aber mit weniger Aufwand. Die künstliche Intelligenz kann Organisationen helfen sich wiederholende Abläufe zu automatisieren, z.B. Aussendungen von Mailings und Spenderbriefen. Sie kann Daten Management betreiben und entdeckt Lösungsmöglichkeiten, an die wir Menschen noch gar nicht denken. KI kann, um es konkret zu machen, einen Projektantrag schreiben oder zumindest zu einem großen Teil gestalten und das in verschiedenen Sprachen, kann administrative Arbeit verringern, Fundraising Strategien verbessern, potenzielle Spender identifizieren und das ganze Kommunikations-Management und Marketing verbessern. Allerdings tauchen an diesem Punkt dann Themen am Horizont auf, die es zu sortieren gilt. Etwa die Sorge um den Datenschutz oder die Angst vor Entmenschlichung des Fundraising-Prozesses.

KI und Ethik

Ein wichtiger und künftig vermutlich heiß diskutierter Punkt ist der Zusammenhang zwischen KI und Ethik. Non Profit Manager sollten hier vorsichtig sein. KI-Algorithmen können Vorurteile aufrechterhalten, die zu Diskriminierung und Ungerechtigkeit führen. Das kann sogar so weit gehen, dass gewisse Gruppen von Leistungen der Organisation ausgeschlossen werden. Um dieses auszuschließen, sollten Non Profits mit Experten zusammenarbeiten, die ihnen helfen, den ethischen Gesichtspunkt der KI in die Planung mit einzubeziehen.

KI und Datenschutz

Vorsicht ist auch geboten bei der Auswahl der Daten, Datenbanken und Algorithmen sollten regelmäßig überprüft werden. Außerdem sollten Richtlinien für die Nutzung der KI erstellt werden, die die Prinzipien und die Richtlinien berücksichtigen und die Technologie in einer verantwortungsvollen und fairen Weise nutzen. Nicht zuletzt, weil KI komplex ist, braucht es diese Rahmenwerke. Denn mittlerweile gibt es tausende von Programmen. Deshalb braucht es hier vor der Einführung und zur Evaluierung der Programme externe Experten, die helfen, KI zu implementieren. Trainingsprogramme mit Technologieexperten für Mitarbeitende sind direkt einzukalkulieren, um ein System einzuführen. Alles in allem sollte man KI nicht unterschätzen. Es dauert gut 1-2 Jahre für die Implementierung.

Automatisierung für Ablaufprozesse

Non-Profits, die KI nutzen, können daraus einen Konkurrenz-Vorteil ziehen und ihre Wirkung auf das Klientel, das sie bedienen kann sich wesentlich verbessern. Bei automatisierten Vorgängen, wie z.B. die Analyse von Daten, bessere Entscheidungsfindung und Verbesserung von administrativen Abläufen, können Non Profits ihre Ressourcen effektiver einsetzen und ihre Ziele effizienter erreichen. Doch Vorsicht: Non Profits müssen sich sicher sein, dass sie die KI auch verantwortungsvoll und ethisch korrekt nutzen.

KI und die Ressourcenfrage bei Stiftung & Co.

Womit wir bei der Ressourcenfrage wären. Was Unternehmen oft leicht fällt, weil sie ausreichend Ressourcen haben, ist für Non Profits oft schwierig, KI in ihr normales Tagesgeschäft zu integrieren. Das kommt oft von ungenügend personellen Ressourcen, wie von fehlenden finanziellen Ressourcen. Die Schulung von Mitarbeitenden ist extrem wichtig. Nicht jeder versteht, was KI ist und was man alles damit machen kann. Es ist schon einzigartig zu sehen, wie vielfältig Programme sind, aber man muss auch das „IT-Denken“ dazu haben. Und das hat nicht jeder. Außerdem werden wir in den nächsten Jahren hunderte, wenn nicht tausende neuer Programme erleben. Wer hier mitkommen will, muss schon sehr schnell denken. Personal dafür aufzubauen, braucht seine Zeit, deshalb ist es anzuraten, wenn man sich dazu entschieden hat, sofort geeignete Mitarbeitende mit den nötigen Skills dafür zu suchen.

Change = Chance?

Jedoch können Non Profits das Potenzial von KI nicht ignorieren. Wir sind schon mittendrin, in der absoluten Digitalisierung unserer Welt, und KI ist nur ein Teil davon. Aber eben ein sehr wichtiger, um konkurrenzfähiger auf dem Markt zu sein. Das gilt auch für Non Profits. Kümmert sich die Organisation nicht um dieses Thema riskiert sie auf der Strecke zu bleiben, Chancen zu verpassen, Herausforderungen nicht mehr zu meistern und ihre Ziele nicht mehr zu erreichen. Es ist also kein Nice-to-Have, sondern ein Must-Have.

Beispiele, wie Non Profits KI in ihrer Organisation implementieren können.

  1. Fundraising: KI ist für diesen Bereich ideal. Denn KI kann die Daten und Vorlieben der SpenderInnen analysieren und so besser potenzielle SpenderInnen identifizieren und sie gezielter anzusprechen. KI kann helfen Kampagnen effizienter zu machen, die Wirkung zu erhöhen, in dem die unterschiedlichen Spender-Zielgruppen in den richtigen Kanälen angesprochen werden. Die Ära der Hyperpersonalisierung beginnt.
  1. KI kann helfen, Projekte, Programme und Leistungen zu verbessern. Auch hier können die Daten aufbereitet und Verbesserungspotenzial identifiziert werden. Beispiel: Eine auf Bildung ausgerichtete Organisation kann die Schülerdaten analysieren, somit kann die Organisation ihre Schulpläne direkt an den Bedarf der Schüler anpassen.
  2. KI kann helfen, die Administration zu optimieren, in dem sie Vorgänge automatisiert, Finanzdaten analysiert, Reports erstellt, Kostenersparnis ausrechnet und Anträge schreibt. Von der Textverarbeitung über das E-Mail-Programm bis hin zu Bilderstellungsprogrammen. KI übersetzt die Gespräche live in alle Sprachen – Englisch hat ausgedient. Das ist besonders interessant für Organisationen, die international tätig sind. Und es dürfte wohl nicht mehr lange dauern, dann fasst ChatGPT die Gespräche am Ende in einem schicken Protokoll zusammen. So haben die Mitarbeiter mehr Zeit für strategische Aufgaben und die Organisation arbeitet effizienter.

Zusammengefasst

Um Künstliche Intelligenz effektiv in eine Non Profit Organisation aufzunehmen, müssen Non Profits zeitig anfangen die Bereiche zu identifizieren, wo es Sinn macht, wo die KI die größte Wirkung erzielt. Ein guter Plan ist da Voraussetzung um die Technik zu implementieren. MitarbeiterInnen sind von Anfang an in diesen Prozess einzubeziehen, sind gut aus- und immer weiterzubilden, damit sie mittel- bis langfristig die richtigen Skills haben die Künstliche Intelligenz effektiv zu nutzen. Dann ist KI keine Odyssee, sondern eine Reise, die ein konkretes Ziel hat: Stiftungen und Non Profits in der digitalen Welt ans Ziel zu bringen.