Basteln an der Stiftungswebsite war gestern

Welche Dinge nicht auf eine moderne Stiftungswebsite gehören

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Basteln an der Stiftungswebsite
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Nachdem wir uns die neue Digitalstrategie der Braunschweigischen Stiftung jüngst einmal en detail angeschaut haben, brachte uns das auch die Idee, uns noch einmal mit der Stiftungswebsite auseinanderzusetzen, so dies doch eines der zentralen Elemente einer in sich runden Stiftungskommunikation sein dürfte. Es gibt für Internetauftritte einfach ein paar Dinge, die es nicht geben sollte – und Stiftungen sollten diese kennen, bevor sie ihre hastig an der Stiftungswebsite rumbasteln. Denn basteln war gestern.

Es gibt sie ja immer noch, diese Stiftungswebsites, bei denen die Handschrift des Sohnes des Bekannten des Stiftungsvorstands, der IMM studiert, also irgendwas mit Medien, deutlich zu erkennen ist. Das muss nicht in allen Fällen schlecht sein, aber in vielen Fällen ist es das eben doch, denn eine Stiftungswebsite vor 4 Jahren mit viel Mühe aufgesetzt schaut heute aus wie eine Stiftungswebsite anno 2011 und fällt damit einfach aus der Zeit. Da die Ressourcen häufig fehlen, kann an diesem Zustand auch wenig verändert werden, und so wie die Datenmenge im Netz exponentielle wächst, so potenziert sich auch die Unattraktivität einer nicht mehr zeitgemäßen Stiftungswebsite ins Unermeßliche.

WO IST DIE EINE ZENTRALE EINGANGSBOTSCHAFT?

Bei den Kennzeichen, die das noch unterstreichen, geht es los mit einem ganz trivialen Punkt. Die Startseite heißt in der Regel willkommen, mit Schriftgröße sieben, in hellgrauer Schrift, mit Bildern in matten Farben, häufig von Landschaften. Was die Stiftung macht, was die StiftungsmacherInnen umtreibt, welche Probleme die Stiftung löst – davon ist häufig keine Spur auf der Startseite der Stiftungswebsite zu finden. Dabei ist sie so wichtig, die eine zentrale Botschaft, die eine Stiftung immer senden muss, wenn sie von sich erzählt, die sich aber vor allem auf der Startseite prägnant und einprägsam in den Vordergrund stellen muss.

FÜR DEN NUTZER GEMACHT

Das Ganze muss aus Nutzersicht gedacht werden, denn auch eine Stiftungswebsite macht eine Stiftung nicht für sich, sondern für den der die Website besucht. Kommt dieser beim ersten Blick zu der Erkenntnis, dass die Stiftungswebsite uninteressant ist, war es der letzte Blick, und weitere werden dem in den seltensten Fällen folgen. Dieser erste Eindruck, für den es keine zweite Chance gibt (zwei Euro fürs Phrasenschwein) ist prägend für weitere Besuche, und so dieser enttäuscht, hat der Internetauftritt der Stiftung an dieser Stelle seine Aufgabe nicht erfüllt. Noch schlimmer ist es, aber das ist inzwischen fast auf keiner Stiftungswebsite mehr zu sehen, wenn Auswahlbildschirme den Weg zum Inhalt weisen.

AUCH DIE ZEIT DER CASETTENRECORDER WAR IRGENDWANN VORBEI

Bevor ich also starten kann, muss ich erstmal eine Auswahl treffen, ich kann mich also nicht einfach in die Stiftungswebsite „fallen lassen“, sondern muss mir direkt Gedanken zu den Inhalten machen, zu denen ich gelangen will. Das schreckt ab, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt ja viele Nutzer, die wissen gar nicht so genau, was sie auf einer Stiftungswebsite sollen, weil sie weder die Stiftung an sich kennen, noch wissen was eine Stiftung eigentlich ist. Werde ich dann bereits beim ersten Klick auf die Website vom weiteren Verweilen abgehalten, auch wenn das früher mal cool war, dann werden dem keine weiteren Besuche folgen. Solche Vorschaltbildschirme sind einfach aus der Zeit gefallen, sind von gestern wie der Casettenrecorder oder die Datasette.



LESETIPP: Die Digitalstrategie der Braunschweigischen Stiftung hält viele Anregungen für Stiftungen bereit, auch zur Stiftungswebsite. Wir haben uns diese einmal genauer angeschaut.

GERN GENOMMEN: DIE NICHT-RESPONSIVE STIFTUNGSWEBSITE

Auch immer gerne genommen sind Stiftungswebsites, die nicht für Mobilgeräte, also genauer: mobile Endgeräte, optimiert sind. Die Aussage dahinter ist dann oft, unsere Website besucht eh keiner mit dem Handy, und die die sich verirren, können das auch auf dem Rechner machen. Klar, eine responsive Stiftungswebsite kostet Geld, aber sie ist absolut notwendig und in Zukunft nicht mehr wegzudenken. Der Nutzer der Zukunft ist jener, der sein Nutzerverhalten heute gelernt bekommt, und er bekommt dies gelernt mit dem Handy, dem mobilen Endgerät. Ist eine Stiftungswebsite in fünf oder zehn nicht responsiv ausgelegt, werden sämtliche kommunikativen Bemühungen einer Stiftung ins Leere laufen.

STIFTUNGSWEBSITE DARF NICHT INCONVENIENT SEIN

StiftungsentscheiderInnen, die so denken, sollten des Morgens in der U-Bahn ihre Umgebung beachten. Stehen dort junge Menschen, die gebannt auf ihren Laptop schauen, oder die mit ihrem Handy spielen, daddeln, kommunizieren, interagieren – spenden? Genau, das ist der Punkt. Mobile Stiftungswebsites werden der Standard werden, daran führt kein Weg vorbei. Genauso ist auf Stiftungswebsites immer noch die gute alte montierte Anfahrtsskizze zu sehen, auch das ein Relikt aus alten Tagen. Stiftungen sollten hier eher die mobilen Tools der großen Suchmaschinen nutzen und diese einbinden, das macht das Ganze viel einfacher und nutzerfreundlicher, lädt ja geradewegs zum Besuch ein. Starre Karten sind einfach inconvenient, wie es so schön heißt.

ZUSAMMENGEFASST

Es gibt sie immer noch, die NO GOs auf der Stiftungswebsite, und leider immer noch viel zu oft. Los geht es bei der fehlenden Botschaft auf der Startseite, weiter geht es bei den Auswahlbildschirmen und steigert sich bei den nicht-responsiven Stiftungswebsites hin zu einem Nutzererlebnis, das keines ist. Eine Stiftungswebsite braucht diese Elemente nicht mehr, sie muss das Stadium des Bastelns überwinden. Und zwar lieber heute als morgen.