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Welche 3 Fehler Stiftungen auf Twitter unbedingt vermeiden sollten

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Immer noch twittern viel zu wenige Stiftungen. Entschließen sie sich dann doch dazu, sich auf Twitter zu registrieren und drauf los zu zwitschern, dann geht es ihnen meist nicht schnell genug mit den Followern, und die Wirkung ist am Anfang auch nicht so dolle. Bei Twitter aber ist wie bei der US-Wahl, Stiftungen soll es mit Joe Biden halten: Nur Geduld, bewahrt Ruhe, es wird. Denn vermeiden Stiftungen die drei folgenden Fehler, dann ist das schon einen Tweet mehr als die halbe Miete.

Die US-Wahl beschäftigt einen. Nicht nur wenn man politisch interessiert ist, sondern auch wenn man sich anschaut, welche Kraft mittlerweile in den Social Media-Kanälen gebündelt werden kann. Wenn schon Twitter selbst Hinweise an einzelne Tweets platziert, es handle sich hier um nicht belegte Behauptungen (grob übersetzt), dann ist das wie wenn der Koch den Deckel vom Topf nimmt, damit der Dampf mal entweichen kann. Twitter ist ein Medium, mit dem Politik gemacht werden kann, mit dem Politik gemacht werden wird, und mit dem Politik gemacht wird. Aber eben nicht nur Politik, und das ist die aus Stiftungssicht wichtige Erkenntnis.

EIN TWITTERAUFTRITT HAT EIN PAAR REGELN

Stiftungen sollten sich aber nicht von ihren Gefühlen überwältigen lassen und des nächtens in Twittertiraden der Welt ihre Sicht der Dinge mitteilen, sondern das Ganze etwas geplanter angehen. Geplant bedeutet aus Stiftungssicht vor allem, sich nicht mitreißen lassen und ein paar wenige Regeln zu beachten. Diese sind umso wichtiger, als dass sie – anfangs nicht beachtet – mittelfristig durchaus Konsequenzen für den Erfolg eines Twitterauftritts haben können. Allerdings sind diese Regeln eigentlich keine Regeln, sondern sachte Hinweise auf bestimmte Dinge, die sich einfach auf Twitter nicht so gut machen.

STIFTUNGEN SOLLTEN NICHT NUR ÜBER SICH SELBST POSTEN

Fangen wir bei einer ganz trivialen Regel an. Stiftungen sollten nicht ausschließlich Dinge von sich selbst posten, sich also womöglich sogar hinreißen lassen, lediglich Statusmeldungen an die Twittergemeinde zu geben. Wer nur über sich selbst erzählt, dem „hören“ die Follower auf Twitter einfach irgendwann nicht mehr zu. Es folgt einem schlicht keiner, wenn die Inhalte rein aus der Innensicht gestaltet werden. Natürlich möchte man seine eigenen News und Botschaften transportieren, aber dies ausschließlich zu tun, ist auf Twitter nicht die erste Option. Es gilt, zu mischen, zu reagieren, zu teilen, zu kommentieren.

INTERAKTION MIT NUTZERN? MÜSSEN STIFTUNGEN MACHEN!

Womit wir bei Fehler Nummer zwei wären. Sie interagieren auf Twitter nicht mir anderen Nutzern, sie folgen keinem anderen, sie haben keinen Fokus auf einen Kreis von Followern, die sie ihrerseits animieren möchten, ihnen und ihren Inhalten zu folgen. Interaktion ist eines der Kernelemente auf Twitter, und die wenigsten Stiftungen werden es sich leisten, direkt als Content-Leuchtturm die Themen zu setzen, um die herum sich dann dramatische Diskussionen oder ekstatische Reaktionen entspinnen. Diese Rolle obliegt denen, die Twitter heute so selbstverständlich nutzen wie sie früher ein Fax bedienten, und die bereits über eine ausreichend große Twittergemeinde verfügen.



LESETIPP: Was eine Stiftungswebsite unabhängig von der Präsenz auf Social-Media-Plattformen alles braucht, um 2030 noch als zeitgemäß zu gelten, dazu haben wir ein paar Anregungen zusammengetragen. https://stiftungsmarktplatz.eu/blog/stiftungswebsite-2030/

FEHLER NUMMER 3: DAS WARTEN AUF DEN FOLLOWER

Apropos Twittergemeinde, das ist in der Regel Fehler Nummer drei, der Stiftungen davon abhält auf Twitter erfolgreich zu sein. Sie eröffnen einen Account bei Twitter, setzen die ersten Tweet ab und warten dann auf interessierte Nutzer. Das ist in etwa so als würden Sie einen Blumenladen aufmachen und dann ohne Werbung, ohne Schaufensterdeko und ohne Lockangebot auf Kunden warten. Wird auch auf Twitter nicht funktionieren. Daher sollten Stiftungen Aktivität zeigen und nicht auf Nutzer warten, und die notwendige Geduld mitbringen. Ein erfolgreicher Twitteraccount fällt nicht vom Himmel, lebt von den Inhalten und eben nicht von der Passivität seines Betreibers.

ZUSAMMENGEFASST

Immer noch sind zu wenige Stiftungen auf Twitter unterwegs, aus den unterschiedlichsten Gründen heraus. Manche zögern ob des Aufwands, manche vielleicht ob des Mediums an sich, und manche weil sie vielleicht auch Angst davor haben, den Geist, den sie aus der Flasche ließen, nicht mehr einfangen zu können. Die Bedenken sind verständlich, und sie müssen sortiert werden, aber sie sind auch aus der Welt zu schaffen. Denn Twitter richtig genutzt, kann für viele Stiftungen richtig viel Nutzen stiften. Einige Fehlerchen gilt es dabei zuvorderst zu vermeiden, aber das ist auf Twitter nicht anders als bei Newsletter, Facebook & Co. Das Faxgerät war am Anfang auch der Feind des Telegramms, und setzte sich doch durch.

P.S.: Einen letzten Hinweis kann ich mir mit Verweis auf die Wahl in den Vereinigten Staaten nicht verkneifen. Stiftungen sollten in jedem Fall auf ihre Wortwahl achten, ihre Adressaten stets mit Respekt ansprechen und immer auch eine gewisse Demut vor dessen Befindlichkeiten haben. Warum ich diesen Hinweis ergänze? Mich hat es wahnsinnig aufgeregt als ich las, dass Donald Trump Jr. am Abend in der Nacht nach der Wahl in einem Tweet meinte, sein Vater müsse vermutlich in den totalen Krieg ziehen, um die Wahl zu gewinnen und den Wahlbetrug aufzudecken. Eine solche Wortwahl entlarvt die wahren Absichten und Ansichten des Absenders – und stößt Menschen wie mich, die in einer Diktatur aufgewachsen sind und nicht verstehen können, dass demokratische Errungenschaften so hart und offensichtlich mit Füßen getreten werden, vor den Kopf. Es gibt Menschen, die haben für die Demokratie gekämpft, die dazu offen gesagt die Schnauze voll hatten von irrlichternden Demagogen und von den Lügen eines Systems. Solche Aussagen verunmöglichen es mir entsprechend, diesen Menschen meinerseits selbst ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit und Aufgeschlossenheit entgegen zu bringen. Sorry für die Deutlichkeit an dieser Stelle, aber mich fasst derlei einfach derb an. Daher Respekt und Demut, auch das gehört für Stiftungen zu den Erfolgsprinzipien auf Plattformen bzw. Kanälen wie Twitter.