Stiftungen und die digitale Schwungmasse

Warum wir mehr Stiftungen mit Netzaffinität brauchen

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Stiftungen und die digitale Schwungmasse
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Je mehr man sich auf Twitter oder Xing „umtut“, desto mehr lässt sich ein Eindruck gewinnen darüber, wer im Netz unterwegs ist und wer nicht. Es gibt durchaus Stiftungen, die auf den sozialen Medien unterwegs sind, und die dann dort auch ihre Arbeit in schönen Happen mundgerecht präsentieren. Es macht regelrecht Spaß, den Stiftungen bei der Arbeit zu folgen und zu sehen, welchen Schwung dort manche erzeugen. Aber eben nur manche. An der digitalen Schwungmasse hängt aber für Stiftungen vielleicht noch weitaus mehr.

Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern frage, was Du für Dein Land tun kannst. Dieser Satz ist schon ein prägender, er stammt von JFK und wurde vielen aus der damaligen Generation ins Stammbuch geschrieben. Übertragen auf die heutige Stiftungslandschaft könnte die Frage erlaubt sein, ob Stiftungen genug tun, um die für sie relevanten Themen in der breiten Masse sichtbar zu machen. Um vorweg zu nehmen: Meinem Eindruck nach machen einige Stiftungen im Netz viel, viele Stiftungen machen im Netz aber zu wenig. Genau daran krankt dann aber die digitale Schwungmasse für zivilgesellschaftliche Themen.

STIFTUNGEN HALTEN SICH IN DER DIGITALEN WELT ZURÜCK

Stiftungen halten sich immer noch zu sehr im Internet mit Präsenzen zurück, sie basteln häufig eher im Kleinen an der eigenen Website statt auf den heute relevanten Plattform und in den relevanten Netzwerken deutlich mehr Flagge zu zeigen. Es ist dabei weniger das Wollen, es ist auch nicht das Können, in meinen Augen ist es eher das Unterschätzen der Möglichkeiten und das Überschätzen der eigenen Relevanz, die Stiftungen hier hemmt, sich stärker der digitalen Werkzeuge zu bemächtigen. Wenn sich aber die Stiftungslandschaft so zurückhält, verliert sie zweierlei.

ES BRAUCHT MEHR DIGITALE SCHWUNGMASSE

Einmal die digitale Schwungmasse, selber Debatten und Diskussionen anzustoßen, einfach indem 200, 300 oder 500 Stiftungen zu diesem oder jenem Thema eine koordinierte Kampagne im Netz starten. Stiftungen könnten ihre Kräfte hier bündeln und damit Einfluss nehmen, Einfluss den es braucht, damit zivilgesellschaftliche Themen stärker auf die Agenda Rücken und die Gesellschaft der mündigen Bürger gestärkt wird. Zum anderen verlieren sie aber auch ganz individuell, denn wer in einer Plattform-Ökonomie, in der wir nun mal leben oder leben werden, nicht auf den relevanten Plattformen „unterwegs“ ist, der kann selbst nicht als relevanter Player wahrgenommen werden.

PLATTFORM ODER WEBSITE – DIESE FRAGE STELLT SICH FÜR STIFTUNGEN DURCHAUS

Statt die eigene Website zu optimieren oder hier viel Energie zu verpulvern, die Stiftungen ja in der Regel auch viel Geld kostet, das sie nicht haben, wäre es in vielen Fällen vielleicht die beste Strategie, ein erweitertes Impressum zur Stiftung samt moderner Beschreibung sowie Spenden- und Mittelanfragefunktion ins Netz zu stellen, die aktuelle Kommunikation aber über Plattformen abzuwickeln. Plattformen, die in der Stiftungslandschaft verortet sind, die aber auch deutlich breitere Zielgruppen erreichen. Stiftungen sparen über solch einen Weg im ersten Schritt sicherlich Ressourcen, sie sind schnell und nachhaltig präsent, und sie werden automatisch von außen befruchtet mit Ideen und Anregungen, was die Arbeit im Inneren sicherlich leichter von der Hand gehen lässt.

STIFTUNGEN VERSCHENKEN CHANCEN IM DIGITALEN

So gesehen gehen Stiftungen zu sträflich mit den Möglichkeiten der digitalen Welt um, sie verschenken hier die Chance, als relevanter Player wahrgenommen zu werden und über einen gemeinschaftlichen Auftritt etwa in den sozialen Medien Schwungmasse für zivilgesellschaftliche Diskurse zu erzeugen. Stiftungen brauchen aber genau jene Schwungmasse, weil sie ja errichtet wurden, um soziale Probleme zu lösen und zu deren Lösung einen relevanten Beitrag zu leisten. Wir reden momentan so viel über Probleme, überall auf der Welt brennt es, dass die Lösungen, die Stiftungen stets zu bieten haben, ein wohltuendes Alternativprogramm auf den sozialen Plattformen sein könnten. Die Menschen sind problemmüde, sie ertragen die Lügerei in der Welt nicht mehr, sie sind geschafft vom täglichen Kampf gegen Viren und Zukunftsangst.

STIFTUNGEN TWITTERN LÖSUNGEN – DAVON BRAUCHT ES MEHR

Lesen Sie mal die Tweets der Stiftungen, die auf Twitter aktiv sind. Hier stehen Lösungen im Mittelpunkt, das Lösen von Problemen, die Menschen umtreiben. Genau von dieser positiven Energie braucht die Gesellschaft mehr denn je – und exakt dafür brauchen wir mehr Stiftungen, die sich auf Twitter, Xing, Instagram & Co. zeigen, hier aktiv sind und eben ihre Botschaften und Denkanstöße in die Welt tragen. Die digitale Schwungmasse ist nicht nur eine Stiftungswebsite, die Digitalisierung heißt nicht nur, dass das Arbeiten im home office jetzt zum Standard wird. Stiftungen könnten im Digitalen einen Beitrag leisten, soziale Plattformen nicht den Zerstörungswütigen dieser Welt zu überlassen.

ZUSAMMENGEFASST

Stiftungen und ihre Entscheiderinnerin und Entscheider tun sich in und mit der digitalen Welt noch schwer. Eine Stiftungswebsite zu erstellen, das leuchtet vielen noch ein, aber sich auf Plattformen zu tummeln, das ist vielen zu blöde oder einfach zu aufwändig. Stiftungen verlieren aber durch ihre Zurückhaltung im Digitalen mehr als sie gewinnen, sie verlieren digitale Schwungmasse, etwa um zivilgesellschaftliche Debatten anzustoßen und koordiniert richtig in die Breite zu tragen. Dabei bräuchte es genau davon jetzt und in naher Zukunft jede Menge mehr.