„Sowohl Triathleten als auch Stiftungsvorstände brauchen mentale Stärke“

Auf einen Fahrrad-Ritt auf den Feldberg im Taunus mit Andreas Langer, Leiter Vermögensmanagement bei Rosenberger, Langer & Cie.

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Andreas Langer
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Es war der 20. April dieses Jahres, an dem wir uns auf eine Runde Radfahren am Feldberg nahe Oberursel im Taunus verabredeten. Es schneite an diesem Tag leicht bei Temperaturen knapp oberhalb der Nullgrenze, ohne Mütze und Handschuhe wäre das mit dem Gipfelfoto nichts geworden. Mein Tour-Mate war Andreas Langer von Rosenberger, Langer & Cie., mit dem ich im anschließenden Gespräch eine spanende Parallele zwischen Triathlon und dem Managen von Stiftungsvermögen herausarbeitete – bei einem Heißgetränk.

FondsFibel: Meine Tage als Triathlon-Finisher liegen schon eine Weile zurück, aber wenn ich Sie so sehe, juckt es in den Fingern bzw. in den Beinen. Daher die Frage, wo kann sich Stiftungsvermögen etwas vom Triathlon abschauen?

Andreas Langer: Damit ein Wettkampf gut funktioniert, muss ich mich entsprechend vorbereiten. Wenn ich gut vorbereitet bin, habe ich auch die mentale Stärke, mich von der Länge des Wettkampfs nicht einschüchtern zu lassen. Knapp 4 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und ein Marathon hintendran, das kann einem schon den Schneid abkaufen. Auch muss ich mich darauf einstellen, dass ich während des Trainings und auch während des Wettkampfs Tiefs haben werde. Es läuft mal nicht rund, ein Berg kostet mich mehr Körner als ich dachte, da muss ich durch. Genau diese mentale Stärke brauche ich als Triathlet und Portfoliomanager, aber eben auch ein Stiftungsvorstand, wenn er das
Stiftungsvermögen an den Kapitalmärkten anlegt.

Andreas Langer

FondsFibel: Im Triathlon heißt es beißen.

Andreas Langer: Genau, um sich auf das Ziel zu freuen. Wenn ich im Sommer beim Ironman auf dem Römerberg in Frankfurt durchs Ziel laufe, werde ich Gänsehaut haben. Das ist einfach ein toller Moment, für den man lange gearbeitet hat. Im Stiftungsvermögen sind das die Momente, wenn man den Stiftungszweck verwirklichen kann, weil der Stiftungsmanager gut gewirtschaftet hat. Für uns im Portfoliomanagement heißt das, die großen Drawdowns zu vermeiden. Denn wenn Stiftungen eines vor allem nicht abkönnen, dann sind das Verluste, die ggf. buchhalterisches Agieren verlangen, so sie von Dauer sind.

FondsFibel: Bleiben wir nochmal bei der mentalen Stärke. Was haben die letzten drei Jahre von Ihnen verlangt?

Andreas Langer: Eigentlich waren die Jahre ein richtiger Lackmustest für unsere Konzepte. Es hat sich aber gezeigt, dass das Vermeiden von markanten Abschlägen durch unser aktives Risikomanagement gut funktioniert. Das wiederum baut uns, wenn Sie so wollen, eine
Brücke in die nächste Aufwärtsphase.

FondsFibel: Können Sie zu Ihrem OneWorld-Konzept etwas sagen?

Andreas Langer: Wir haben eine weltoffene Strategie, die setzen wir in Stiftungsmandaten und im RLC OneWorld Multi-Asset Fonds um. OneWorld sagt auch, dass wir rund um den Globus investieren. Wir handeln/arbeiten nach einem Trendfolgemodell, agieren also regelbasiert, was bedeutet, dass die Investitionsquoten atmen können. Zu 100% in Cash zu sein, das kann vorkommen, jüngst erst im vierten Quartal 2022. Viele tun genau das nicht, viele verharren in der recht starren 70 zu 30-Denke. Wir investieren über ETFs breit gestreut in u.a., Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Anleihen, aber eben auch in Private Equity und Infrastruktur. Jede einzelne Anlageklassen wird dabei regelbasiert anhand entsprechender Ein- und Ausstiegssignale investiert. Am höchsten gewichtet auf der Aktienseite ist die USA, gefolgt von Europa und den Emerging Markets.

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FondsFibel: USA, das ist interessant. Viele halten die dortigen Börsen ja für überbewertet?

Andreas Langer: Das muss ich differenzieren. Es gibt Fakten, die dafür sprechen, dass die US-Börsen zu teuer sind. Das stimmt. Aber die USA sind eben auch das Land, das den Kapitalmarkt am meisten fördert, wo die Kapitalmarktaffinität am größten ausgeprägt ist in der Breite der Gesellschaft. Dazu werden Bedingungen geschaffen, die es Unternehmen ermöglichen, etwas zu tun bzw. etwas einfacher und mit weniger Hürden zu unternehmen als hierzulande. Wir in Europa bürokratisieren uns fast schon zu Tode, das macht es Unternehmen schwerer, das wiederum antizipieren die Märkte. Aber gerade als Stiftung darf der amerikanische Aktienmarkt im Stiftungsvermögen nicht fehlen.

FondsFibel: Überhaupt stehen Sie ja dafür, dass Stiftungen korsett-freier vorgehen im Stiftungsvermögen. Was meinen Sie damit?

Andreas Langer: Wir sehen schon, dass etliche Stiftungen noch in der Welt von
60 zu 40 oder 70 zu 30 „unterwegs“ sind. Für mich beschreibt das eine Anlagewelt von gestern, zeitgemäß sind solch starre Quoten, die ja auch enge Bewegungsspielräume bedeuten, für mich nicht. Aufgrund unseres Konzeptes haben wir eine dynamische Investitionsquote, die eben zwischen 0% und 100% betragen kann. Vor zehn Jahren haben wir über Zinsen von 5% gesprochen, jetzt erlebten wir Jahre mit Nullzins, was vollends abnormal war. Inzwischen normalisiert sich das wieder, die Notenbanken entziehen den Märkten wieder Liquidität, in erheblichem Maße wohlgemerkt. Die Frage für mich ist, ob Stiftungen sich diese Bewegungen überhaupt anschauen sollten. Als Langfristanleger, die in 5- oder 10-Jahres-Zyklen denken, sind solche Bewegungen nur am Rande relevant für die Anlageentscheidung. Vielmehr kommt darauf an, ein Anlagekonzept zu haben, das eben nicht zu sehr auf die eine oder andere Anlageklasse setzt.

FondsFibel: Also muss die Anlagerichtlinie mit der Zeit gehen?

Andreas Langer: Langfristigkeit braucht auch Flexibilität. Das Anlageuniversum darf nicht zu eng gefasst sein. Es muss möglich sein, sich im Anlageuniversum zu bewegen. Das ist mal in der Anlagerichtlinie das Eine. Zum anderen sollte die Anlagerichtlinie ein Konzept beinhalten, hinter dem die Stiftungsgremien stehen und das dann auch durchgehalten wird. So wie ein Triathlet auch durchhalten muss, selbst wenn die Beine lahm werden und das Atmen schwerfällt. Zur Börse gehört es dazu, dass sie schwankt, aber ein gutes Konzept kann ein schlechtes Jahr ab. Stiftungen sollten weder extrem vorsichtig noch extrem risikoreich aufgestellt sein. Stellen Sie sich vor, Sie laufen den abschließenden Marathon, gelangen zu Kilometer 5 und geben dann Vollgas. Dann werden Sie ihr Ziel, zu finishen, nicht erreichen. Genauso sollten Stiftungen auch vorgehen. Aber auch zu vorsichtig im Sinne von zu konservativ kann bedeuten, das Ziel eben genau nicht zu erreichen. Hier ist aber wieder, und das ist schon Allgemeingut, jede Stiftung für sich gefordert, das herauszufinden. Herauszufinden, wie risikobereit sie ist und sein kann, wie viele Fonds bspw. ihr Fondsportfolio bilden soll.

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FondsFibel: So wie Sie für sich als Triathlet herausfinden, wo im Wettkampf das
Limit an diesem Tag liegt. Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen für den nächsten Ironman alles Gute. Happy Finish!