Phoenixsee calling

Drei Erkenntnisse, die ich vom Stiftungstag in Dortmund mitnehmen konnte

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Rückblende Stiftungstag Dortmund
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Neulich schrieb ich, in Dortmund rührt sich was. Ersichtlich wurde das auch beim Dortmunder Stiftungstag, der am 27ten Februar in der Sparkassenakademie nahe des Phoenixsees standfand. Vom Konzept her hatte sich das Organisationsteam um Dr. Stefan Röllinghoff von der Wirtschaftsförderung Dortmund Einiges einfallen lassen, um Bewährtes zu durchbrechen. Der Austausch zwischen und mit Stiftungen stand im Fokus. Drei Erkenntnisse.

Zunächst einmal lernte ich, dass es neben Hans-Dietrich Genscher einen zweiten gebürtigen Hallenser gibt, der in der deutschen Politik seine Spuren hinterlassen haben wird. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau, dem ich beim Kaffee zu seiner sehr lebendigen Begrüßungsrede einfach beglückwünschen musste, ist schon einer dieser Bürgermeister, die auf so einem Stiftungstag nicht nur Plattitüden über die Stiftungslandschaft von sich geben, sondern die Teil der Stiftungslandschaft ihrer Stadt sind.

Als er erzählte, welche Stiftungen welche Aktivitäten in Dortmund entfalten, dann enthielten diese Schilderungen viele Details, die aus der Praxis sprechen. Beispielsweise haben auch Stiftungen dazu beigetragen, dass in Dortmund im kommenden Jahr die Roboter-Olympiade stattfindet. Und dass hierdurch vor allem jungen Menschen in die Stadt kommen und die beteiligten Stiftungen damit eine weitere Brücke zwischen Stadt und Zukunft bauen, das war Sierau ein Anliegen. Nicht zuletzt wusste er auch noch mit einer Definition der frühesten Form der Nachhaltigkeit zum Schmunzeln anzuregen: „Westfälische Dickschädeligkeit!“.

DAS WORT KOOPERATION WIRD GROSS GESCHRIEBEN

Erkenntnis Nummer eins ist also, dass die Stiftungslandschaft in Dortmund eine Lebendige ist, dass die hier ansässigen Stiftungen viel von Kooperationen halten und dass das Dortmunder Stiftungsportal vielleicht eine Art Vorbild sein könnte für andere Stiftungsnetzwerke. Nicht nur, weil die Website eine aufgeräumte ist und ein Bild davon zeichnet, wie vielfältig die Dortmunder Stiftungslandschaft ist, sondern weil das digitale Netzwerk sich auch in der realen Welt seine Wirkung entfaltet – etwa durch den Dortmunder Stiftungstag.

Entsprechend wurde in den Räumlichkeiten der Sparkassenakademie am Phoenixsee keine Kinobestuhlung für eine Frontalbeschallung gewählt. Stattdessen wurden Stehtische postiert, an denen 5, 6 Stiftungsvertreterinnen und -vertreter Platz fanden. Sofort kamen die Gespräche in Gang, und das Team um Dr. Stefan Röllinghoff hatte sich auch noch eine Innovation ausgedacht. Erstmals konnten Stiftungen direkt formulieren, welche Themen mit welchen Akteuren bei den nächsten Stiftungstreffen im Dortmunder Raum angegangen werden sollten.

AUCH ODER GERADE KLEINE STIFTUNGEN KÖNNEN BEGEISTERN

An unserem Tisch beispielsweise wurde die Idee geboren, eine Diskussion um den Stiftungsstandort Dortmund als solchen anzuregen. Denn dieser Stiftungsstandort hat Zukunft, aber diese hängt zur Gänze von einem starken Netzwerk und auch leistungsfähigen Stiftungen ab, darin waren wir uns einig. Für diese Zukunft steht unter anderem auch die beneVolens Stiftung, die den diesjährigen Stiftungspreis des Dortmunder Stiftungstags für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verliehen bekam. Prälat Dr. Peter Klausvogt konnte exakt das transportieren, was Stiftungen auszeichnet, und das waren und sind die Emotionen. Hieraus speist sich Erkenntnis Nummer 2 des Dortmunder Stiftungstages: Es müssen nicht immer nur die großen Stiftungen sein, die bei den Preisverleihungen abräumen. Die beneVolens Stiftung ist eine kleine Stiftung, die aber jenes emotionale Moment mitbringt, das jede Stiftung, ganz gleich welcher Größe, mitbringen kann. Vielleicht sind es sogar gerade die kleinen Stiftungen, die Emotionen viel besser weil viel direkter transportieren können.

Erhielt den Förderpreis des Dortmunder Stiftungstags verliehen: Prälat Dr. Peter Klausvogt für die beneVolens Stiftung (links, im Bild mit Olaf Krumnack von der Bajazzo Stiftung)

LÄCHELND SPENDEN SAMMELN – DAS KANN FUNKTIONIEREN, MUSS ES ABER NICHT

Eine dritte Erkenntnis nehme ich aus den Fachforen mit, die am Nachmittag des Dortmunder Stiftungstags zum fachlichen und intensiven Austausch einluden. Mich hat das Thema Fundraising vor allem interessiert, und im dazugehörigen Forum drehte sich alles um das – sagen wir mal – Windfall-Fundraising etwa via Amazon smile. Eines vielleicht vorweg: Die Usability, also die Nutzerfreundlichkeit solcher Programme, ist über alle Zweifel erhaben. Sich einzulisten dauert nur wenige Minuten, und schon können Spenden vereinnahmt werden. Problematisch finde ich bei solchen Programmen, dass sich der Spendensammelwunsch rein auf den finanziellen Aspekt reduziert und das Reflektieren zum ICH der Stiftung und dann auch das Aufbauen von Beziehungen, aus denen wiederum Geldzuwendungen resultieren können, zu kurz kommt.

Man hängt als Stiftung vielleicht nicht gerade am Gängelband von so immens großen Plattformen, denn dafür war das Listing ja eine freie Entscheidung, aber die Aufgabe Fundraising lässt sich eben nicht so einfach wegdelegieren. Bei manchen Stiftungen schlummert in einer Teilnahme an Programmen wie amazon smile vielleicht schon die Erkenntnis, dass man selbst nur wenig erfolgreich sein wird um Einwerben von Spenden, wenn es denn überhaupt einen Weg gibt dann über solche Programme, bei denen schon was abfallen wird. Aus den Fragen seitens der Stiftungen, etwa zur Abgrenzung zwischen Spende und Sponsoring, nehme ich für mich mit, dass Fundraising-Tools wie bereits Genanntes eher ‚nice to have‘ als ein ‚must have‘ sind. Ein Muss ist jedoch, so ich als Stiftung im Fundraising erfolgreich sein will, ein ziemlich ausführlicher Plan und vor allem das Zeitbudget, diesen auch umzusetzen.

ZUSAMMENGEFASST

Meine Beobachtungen beim Dortmunder Stiftungstag zeigen mir, dass die Stiftungslandschaft sich vielleicht bereits in einem Aufbruch befindet. Stiftungen kooperieren, Stiftungen holen die Zukunft in die Stadt, Stiftungen kommunizieren aktiver, und sie machen sich Gedanken, wie sie sich auf der Einnahmeseite professioneller aufstellen. An dieser Stelle seien im Übrigen ganz bewusst die Kapitalanlage und das Fundraising gemeint. Fundraising kann die Pflicht zur Verwaltung des Stiftungsvermögens ja nicht ersetzen. Aber die Diskurse um diese Thematiken herum kommen in Gang, auch im Ruhrgebiet bzw. in den dort ansässigen Stiftungen. Es rührt sich eben was, in Dortmund und drumherum.