Klare Absichten

Eine neue Chance für Non Profits gerade wegen Corona!

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Chance für Stiftungen
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Es ist ziemlich genau ein Jahr her als, ich im Zuge einer selbstverordneten Informationswoche, den Zukunftsvisionen von Richard David Precht, Harald Lesch, Julian Nida Rümelin und einigen Zukunftsforschern beiwohnen durfte. Der Querschnitt aller Meinungen war, dass die Welt sich verändern muss und wirklich niemand im Saal, hatte eine Vorstellung wie das von statten gehen sollte. Und im Zuge der Corona-Krise muss es nun wohl heißen: Keiner von uns allen hätte sich vorstellen können, wie schnell Veränderung gehen kann. Auch für Non Profits hat das Folgen.

Die Corona-Krise hat Eines deutlich gezeigt: Es kamen die Besten und die miesesten Seiten unserer Gesellschaft zu Tage. Von Hamsterkäufen, Betrug in allen Variationen, Menschenausbeutung, aber auch Nachbarschaftshilfe und unermüdlich arbeitendes Pflegepersonal war alles vertreten. Alles was in den letzten Monaten an „Skandalen“ hochgekommen ist, war, wenn wir mal ganz ehrlich sind, nicht wirklich neu. Wir wussten um den Pflegenotstand und die schlechte Bezahlung in diesen Bereichen, wir wussten das unser Schulsystem erhebliche Mängel aufweist und wir wussten, das Fleisch für 80 Millionen Bürger nicht elegant und human beschafft werden kann.

ES STIMMT WAS NICHT IM SYSTEM

Auch wissen wir, dass jeder Milliardär, auch wenn er ein noch so fleißiger Geschäftsmann ist, wahrscheinlich irgendjemand so schlecht bezahlt, dass solche Unsummen überhaupt verdient werden können. Es ist eine Absicht Millionen zu verdienen und gleichzeitig eine Stiftung zu gründen. So prangen über Schlachthöfen und anderen Konzernen lachende Comic-Kühe, Gütesiegel, grüne Siegel und Auszeichnungen aller Art. Fast jedes Unternehmen wirbt seitenlang mit Ökologie und gesellschaftlichem Engagement und bezahlt Ihre Marketingabteilungen für ein Image, dessen Absicht die uneingeschränkte Gewinnmaximierung ist. Klar Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, Lieferketten und ganze Produktionen. Gewinnmaximierung ist eine Absicht, die jedoch unterschiedlich erreicht werden kann.

INS STORY TELLING VERSTRICKT

Viele Marketingstrategien dazu können aber als salonfähige Lügen bezeichnet werden. Ich befürchte die Tendenz Lügen zu übersehen, hat sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt. Das liegt daran, dass die Lüge in fast jedem Instagram Post und jedem Produkt von uns steckt. Wir alle haben uns in unserem „Story telling“ verstrickt. Wenn die Storys plötzlich so aufgehübscht sind, dass sie mit uns gar nichts mehr zu tun haben, wo beginnt das Marketing, wo die Lüge und wo die Absicht? Derzeit befinden sich die meisten Stiftungen und Non profits in schwierigen Zeiten, ohne die außergewöhnliche Chance zu erkennen. Genau sie sind es, die die große Nachfrage nach Authentizität und gesellschaftlicher Neuorientierung am besten bedienen zu könnten, wenn eben Ihre wirkliche Absicht besser erkennbar wäre.

NON PROFITS WOLLEN SICH NICHT BEWEGEN

Die meisten Webinare von Stiftungen und Vereinen, zeigen ganz deutlich: Auch hier will sich niemand wirklich bewegen. „Wir brauchen dringend Spenden“ habe ich in letzter Zeit unzählige Male gehört und langsam ist es auch auf allen Social-Media-Kanälen zu lesen. Natürlich benötigen alle NPOs Spenden, aber vielleicht senden wir die Absicht im alten Stil? Ich habe nicht gehört, dass sich Netzwerke, Projekte und Strukturen der derzeitigen Lage innovativ anpassen möchten. Ich habe nicht gehört, wie eventuell eine Zusammenarbeit mit Unternehmen funktionieren könnte, die seit Jahrzehnten Missstände produzieren, welche dann mit Spenden neutralisiert wurden.

DIE FALSCHEN SIGNALE GESENDET

Vielleicht liegt die Zukunft im Gesellschaftsprodukt? In gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen Herstellern und gesellschaftlichen Engagement? Vielleicht erübrigen sich einige Marketingetats großer Konzerne, wenn die Absicht gleich beherzt erkennbar ist? Vielleicht ist das Thema des gesellschaftlichen Mitwirkens nicht mehr eine „milde Tat“, sondern ein überlebenswichtiges Muss? Ich habe gestern den Anruf eines Fundraisers bekommen, der für eine der größten internationalen Umweltorganisationen Spenden generieren sollte. Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich das richtige Signal ist, als ersten Argumentationspunkt für Spenden, die geringen Verwaltungskosten anzuführen.

GUTE ABSICHTEN BRAUCHEN INNOVATIVE ANSÄTZE

Was ist die Absicht dabei? Verdient dann ein Mitarbeiter genug zum Leben? Bei welcher Kontrolle oder Manpower wird gespart? Um Selbstverständnis und Absicht von Stiftungen und Vereinen unseren derzeitigen gesellschaftlichen Aufgaben anzupassen, braucht es neue innovative Ansätze und eine Task Force aus unterschiedlichen Positionen.

ZUSAMMENGEFASST

Corona hat uns die besten und schlechtesten Seiten unserer Gesellschaft vor Augen geführt. Eine unglaubliche Chance, sich die Absicht aller Organe und der Institutionen wieder vor Augen zu führen. Die Kommunikation von Nonprofit-Organisationen wird demgemäß einen noch größeren Stellenwert einnehmen und auf modernes Instrumentarium setzen müssen – und sich in Bereiche wie Zukunftsforschung und Ethik begeben. Das ist nun mal eine wirklich wichtige Absicht.