Die Stiftungsfonds-Kontroverse

Eine Stiftungsfonds-Übersicht mit Zahlen zum ersten Halbjahr 2020

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Die Stiftungsfonds Kontroverse
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Wenn Stiftungen ihren Depotauszug zum 30.6.2020 anschauen, dann werden sie da hier und da merkwürdige Dellen feststellen. Es handelt sich hier dann um jene Dellen, die durch den Corona-Crash im März entstanden sind. Der Blick auf die Wertentwicklung lässt vermuten, dass sich Stiftungsfonds wie stiftungsgeeignete Fonds eigentlich ganz gut geschlagen haben, doch im Hinblick auf die beiden wesentlichen Ziele einer Stiftung in der Veranlagung ihres Stiftungsvermögen entspinnt sich dann doch eine Kontroverse.

In unserem MidYearUpdate zur 2020er FondsFibel für Stiftungen & NPOs (www.fondsfibel.de), in der wir die Fondsanlage für Stiftungen so anfassbar wie möglich machen wollen, haben wir natürlich auch die Wertentwicklung des Clubs der 25 untersucht. Die Frage war, wie sich die von uns herausgesuchten und für stiftungsgeeignet befundenen Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds im Corona-Crash gehalten haben. Das Dumme an dieser Betrachtung ist nur, dass sie eigentlich aus Stiftungssicht nur die zweitwichtigste ist, denn deren Blick gilt bei Stiftungsfonds und Co. stets der Ausschüttung.

STIFTUNGSZIEL IST NICHT GLEICH STIFTUNGSZIEL

Dies wird deutlich, wenn man sich die beiden zentralen Stiftungsziele für das Stiftungsvermögen vergegenwärtigt: den Kapitalerhalt und den ordentlichen Ertrag. Auf die Verwirklichung des Stiftungszwecks zahlt der ordentliche Ertrag ein, weniger der Kapitalerhalt. Fokussiere ich mich als nur auf den Kapitalerhalt, dann springt das zu kurz, wobei natürlich die langfristige Entwicklung des Kapitalstocks eigentlich das dritte und auch nicht minder gewichtige Ziel einer Stiftung sein muss. Auf den Kapitalerhalt wiederum zahlt vor allem die Wertentwicklung eines Fonds ein.

STIFTUNGSFONDS-ÜBERSICHTEN ERZÄHLEN SELTEN DIE GANZE GESCHICHTE

Eine Übersicht zu den Stiftungsfonds und stiftungsgeeigneten Fonds, die auch wir analysieren, zeigt nun, wie sich die jeweiligen Fondsprodukte in dieser oder jener Phase wertentwicklungsseitig geschlagen haben, ob sie beispielsweise dem Marktsturm haben standhalten können bzw. ob sie sich rasch wieder mit dem Markt erholen konnten. Der Corona-Crash im März 2020 und die Wochen danach zeigte sehr schön, ob der Fonds in sich funktioniert, ob also die Abschläge fonds- oder marktgegeben waren. Letztere sind quasi aufgeholt, erstere stellen unter Umständen ein mittelfristiges Problem für Anleger wie Stiftungen dar.

BEIM STIFTUNGSFONDS ZÄHLT PERFORMANCE WENIGER

Der Blick auf diese schicke Performance-Übersicht verstellt oder besser: vergisst den Blick auf die aus Stiftungssicht eigentliche Information: den ordentlichen Ertrag. Performance ist eine feine Sache, der ordentliche Ertrag jedoch ist derjenige, den Stiftungen für ihre Zwecke ausreichen, daher muss eine Analyse eines Stiftungsfonds den Nukleus der Analyse anders setzen. Der ordentliche Ertrag, das ist die Ausschüttung eines Stiftungsfonds oder eines stiftungsgeeigneten Fonds, muss die erste Information sein, die in einer Betrachtung dieser Fonds zu beleuchten ist.

STIFTUNGSFONDS UND STIFTUNGSGEEIGNETE FONDS MÜSSEN STIFTUNGSSPEZIFISCH INFORMIEREN

Sprechen Sie heute mit Stiftungsverantwortlichen, dann weisen diese explizit auf diesen Faktor hin, darauf, dass sie mehr Informationen zum Ordentlichen Ertrag eines Fonds brauchen als zu dessen Wertentwicklung. Hier verlieren sich die Anbieter dann gerne auch in Kennzahlen wie Treynor Alpha, Information Ratio der Sharpe Ratio, die jede für sich einen Nutzen haben, der sich aber für eine Stiftung erst in zweiter oder gar dritter Ebene einstellt. Denn ohne ordentlichen Ertrag, der kontinuierlich ausgeschüttet werden kann, nützen tolle Ratios einer Stiftung so gut wie gar nichts. Suchen Stiftungen nach dem Ordentlichen Ertrag, dann werden sie in den Factsheets zum Fonds oft nicht fündig.

PERFORMANCECHART MEETS AUSSCHÜTTUNGSÜBERSICHT

Wir haben das bei einigen Fondsanbietern auch bereits angeregt, dass wenn Stiftungen als Zielgruppe angesprochen werden sollen, eine stiftungsspezifische Informationspolitik „gefahren“ werden muss. Es gibt vorbildhafte Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds, bei denen wie im Falle etwas des Hamburger Stiftungsfonds, JPMorgan Global Income oder des TBF Global Income die Ausschüttungshistorie direkt auf dem erstverfügbaren Fondsdokument hinterlegt ist. Stiftungen müssen hier nachhaken, und es empfiehlt sich, wenn der Fondsanbieter die Wertentwicklung seit Auflage zeigt, dass er einen Balkenchart mit den Ausschüttungen direkt danebenlegt. Wie heißt es so schön: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.

ZUSAMMENGEFASST

Die Analyse von Stiftungsfonds oder stiftungsgeeigneten Fonds führt fast schon automatisch in eine Kontroverse. Natürlich macht eine Betrachtung des Corona-Crashs Sinn, denn ein Chart verrät nun mal viel über Stiftungsfonds und stiftungsgeeignete Fonds. Aus Stiftungssicht ist jedoch der zielführendere Blick jener auf die Ausschüttungsübersicht, denn diese zahlt auf das für Stiftungen gewichtigere Ziel ein: das Verwirklichen des Stiftungszwecks. Fehlt die Information zur Ausschüttung, kann das Bild zu eine Stiftungsfonds eigentlich nur ein unvollständiges sein. Nur zählt hier halt nicht der alte Spruch, wonach, gerade weil es nicht vollkommen ist, es umso perfekter ist.