Ukraine-Krise AKTUELL: Stiftungen kommen in der Welt der Plattformen an. Das jedenfalls wünschen wir uns für den Sektor, der doch immer noch stark dem Blasenansatz anhängt. Stiftungen sind also immer noch stärker damit beschäftigt, eine Blase zu schaffen (die eigene Stiftungswebsite), in die dann viele hineinströmen. Das kann funktionieren, aber in der Welt der Plattform-Ökonomie gibt es eben eine Alternative. Die Ukraine-Krise bringt hier noch einmal neue Aspekte auf den Tisch, der für Plattformen und geben die Stiftungswebsite als Blase spricht. Wir sortieren mal.
Wir lesen es in einer Pressemitteilung der Humboldt-Foundation, die anlässlich der Ukraine-Krise seitens der Stiftung versendet wurde. Dort steht unter anderem zu lesen: „Über die laufenden Maßnahmen hinaus hat die Stiftung Vorschläge für neue Instrumente und Förderangebote entwickelt, wie Kurzzeitstipendien, zusätzliche Brückenstipendien sowie eine Plattform, die Geflüchtete und wissenschaftliche Gastgebende schneller und fachlich passend zusammenbringen soll.“ Das Wörtchen Plattform steht dort so ganz unscheinbar, aber die Tragweite dieser Worte sollten Stiftungen im Jahr 2022 kennen.

Eine Plattform soll geschaffen werden
Eine Plattform soll gebaut bzw. aufgebaut werden, für einen ganz bestimmten Nutzen. Nämlich Flüchtlinge und Gastgebende passend zusammenzubringen, hier bezogen auf den fachlichen Kontext der Stiftung, aber die Idee ist eine einfache. Kommt ein Flüchtling in Deutschland an, dann sucht er ggf. nach Gastgebern, nach Menschen, die ihn aufnehmen und mit denen er sich gemäß seiner Qualifikation um das Fortführen seiner Tätigkeit und seines Alltags austauschen kann. Denn aus Ländern wie eben aktuell der Ukraine flüchten viele hochqualifizierte Menschen, Menschen die über Berufserfahrungen verfügen. Zudem können diese Menschen diese Tätigkeiten noch eine ganze Weile ausüben. Damit sind sie wertvoll für ein nach Fachkräften lechzendes Deutschland.
PODCAST-TIPP:
Zur Frage, wie wenig Stiftungen Probleme haben dürften, eine gute Geschichte zu erzählen, sprachen wir mit dem Digital Change Agent Andreas Wagner. Ein #FreitagsPodcast der Kategorie „Wandeln durch Handeln“.
Am Flüchtlingsproblem arbeiten viele Stiftungen
Die Idee der Plattform nun führt Menschen, die Gastgeber für Flüchtlinge und die Flüchtlinge selbst zueinander. Das Ganze ist im Jahr 2022 sicherlich sehr niedrigschwellig darzustellen, von Seiten des Plattformerstellers stellt sich lediglich die Frage, wie umfänglich die Funktionalität sein soll und ob die Plattform auch skalierbar sein soll. Aus der Pressemitteilung der Humboldt-Foundation lässt sich derlei noch nicht herauslesen. Die Frage aber, ob ein ukrainisch-stämmiger Flüchtling nicht auch ein Flüchtling sein kann, taucht sicherlich direkt auf. Auch ob das fachliche Profil für viele Unternehmen nicht spannend sein kann, dazu kann eine Plattform eine Antwort liefern. Nicht zuletzt arbeiten viele Stiftungen an der Flüchtlingsthematik, weshalb eine solche Plattform womöglich künftig auch von vielen anderen Stiftungen genutzt werden könnte.
Stiftungen und das Plattformprojekt
Sicherlich, so manche Stiftung mag hier immer noch denken, es besser zu können. Aber eine solche Plattform-Idee von Beginn an zu unterstützen, sich einzubringen, Meilensteine der Entwicklung mit voranzutreiben, das spart auf lange Sicht gesehen immense Ressourcen. Weil der Input gesammelt erfolgt, von vielen Stiftungen käme. Wir spinnen jetzt einfach einmal: Angenommen, die Humboldt-Foundation würde die Plattform als Ideenwettbewerb unter allen Stiftungen ausschreiben, die sich der Flüchtlingsfrage annehmen, eine solche Plattform wäre ein intersektorales wie multidisziplinäres Projekt. Ein solches Projekt wäre eine Flüchtlingsplattform, eine Gastgebendenplattform, aber sie wäre auch eine Stiftungsplattform. Eine Plattform eben „made by Stiftungen“.
Die perfekte Geschichte für die digitale Welt
Solche Geschichten wiederum lassen sich perfekt in der digitalen Welt verbreiten und mit der digitalen Gemeinde teilen. Plattform-Modelle eignen sich perfekt dafür, kommunikativ einen breiten Adressatenkreis zu erreichen – und damit von vorn herein relevant zu sein. Jedes noch so schöne Website-Projekt ist in der heutigen Zeit umso weniger wert, je weniger Menschen sich mit dem Inhalt dessen identifizieren. Wir hatten es hier schon mehrmals erläutert. Es gilt, den Blasenansatz vom Plattformansatz zu unterscheiden. Die Plattform hat den großen Vorteil, eben weil sich so viele auf ihr tummeln, dass sie sich weiterverbreitet, dass ihre Botschaft weitergetragen wird. Bei einer Blase muss der Initiator der Blase diese Aufgabe allein übernehmen. Ein dickes digitales Brett, dass es da zu bohren gilt.
Zusammengefasst
Der kleine Passus der Pressemitteilung der Humboldt-Foundation liest sich charmant, aber es steckt hier eine Idee mit richtig Musik „drin“. Denn die aktuelle Ukraine-Krise mit dem Ergebnis neuer Flüchtlingsströme wird nicht die letzte dieser Krisen bleiben. Wir sehen als Ursache für das Flüchten natürlich immer kriegerische Auseinandersetzungen, aber eben auch und vor allem die Angst vor der Zukunft. Kann das eigene Land keine Perspektive aufzeigen (aus diesem Grund sind einst Zehntausende aus der DDR via Ausreiseantrag geflüchtet), flüchten wir. Diese Ängste sehen wir weltweit, im Ökologischen, Politischen wie Ökonomischen. Entsprechend entspringen Plattformideen wie die skizzierte vielleicht der aktuellen Not, vielmehr dürfte solche Plattformansätze aber in Zukunft ihre Kraft zur Lösung eines Problems entfalten. Spätestens dann gibt bestimmt die nächste Pressemitteilung dazu.